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G+J: das Grummeln aus München

Offenbar grummelt es bei Gruner + Jahr in München. Die FAZ schreibt an diesem Dienstag, dass sich die Redaktionen von Neon und Nido “nahezu komplett” weigern würden, nach Hamburg umzuziehen. Alle Gruner-Redaktionen sollen von München nach Hamburg. So sieht es die neue Communities of Interest Strategie vor. Nun bekommen die bockigen Redakteure aus München offenbar eine Verlängerung der Bedenkzeit. Es knirscht im Getriebe.

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In der Münchner Weihenstephaner Straße sitzen noch die Redaktionen von Neon, Nido, PM, Eltern und Wunderwelt Wissen sowie der Fachverlag G+J Entertainment Media. Der Großverlag Gruner + Jahr hat die Münchner Redaktionsmitglieder (außer G+J Entertainment Media) vor die Wahl gestellt, sich bis Anfang November für den Umzug in den Norden zu entscheiden oder mit einer Abfindung zu gehen. Der Umzug soll wohl mit 10.000 Euro Umzugshilfe und zwei Freiflügen Hamburg-München als Goodie versüßt werden.

Eine Süßspeise mit bitterem Nachgeschmack. Während es bei PM, Eltern und Wunderwelt Wissen offenbar wie geplant läuft, sind die selbstbewussten Redaktionen der beiden jungen Titel Neon und Nido laut FAZ bockig. Die Entfernung zur Zentrale sei als wohltuend empfunden worden, heißt es. Eine Rolle mag auch spielen, dass viele Redaktionsmitglieder ihren Lebensmittelpunkt fest in der Bayern-Hauptstadt sehen und sich nicht wie Schachfiguren auf einem imaginären Strategie-Brett verschieben lassen wollen. Zumal die Vergangenheit lehrt, dass solche Strategien manchmal eine eher begrenzte Halbwertszeit haben.

Die FAZ bemerkt ganz richtig, dass man bei Gruner einen gewissen Schwund an Mitarbeitern gewiss billigend in Kauf genommen hätte. Das spart ungeliebte Personalkosten. Aber zwei eingeschworene Redaktionen fast komplett neu zu besetzen, das birgt dann doch ein Risiko. Die Bedenkzeit für die renitenten Münchner soll nun also um zwei Monate verlängert worden sein, was nunmehr natürlich wiederum Begehrlichkeiten bei den anderen Redaktionen wecken dürfte.

Der Betriebsrat ist eingeschaltet, es wird verhandelt. Mit ungewissem Ausgang. Schon die ersten Neon-Macher Timm Klotzek und Michael Ebert, die vom jetzt Magazin der Süddeutschen kamen, hatten bei der Gründung des Magazins auf München als Redaktionsstandort bestanden. Das Münchnerische hat bei Neon eine gewisse Tradition.

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G+J-Sprecher Claus Schrack sagte auf MEEDIA-Anfrage, dass die Gespräche “in guter und konstruktiver Atmosphäre und voll im Zeitplan” laufen würden. Gegenber der FAZ räumte er freilich ein, dass es sein könne, dass Eltern früher, PM später und Neon/Nido erst im Februar nach Hamburg kommen. Offiziell soll der Umzug bis Mitte 2014 abgeschlossen sein. Da die Gespräche noch laufen, sei “jede konkrete Aussage zu Mitarbeitern, die mitgehen oder nicht mitgehen schlicht Spekulation. Hierzu gibt es noch keine Entscheidungen”, so Schrack weiter.

Eine ganz eigene Frage ist zudem, was aus dem erfolgreichen Fachverlag Entertainment Media wird. Dessen langjähriger Geschäftsführer Peider Bach hat verkündet, G+J verlassen zu wollen. Es ist kein Geheimnis, dass er unzufrieden ist, wie Gruner die Fachverlagstochter links liegen lässt. Bei der Implementierung der neuen Groß-Strategie spielte Entertainment Media jedenfalls keine sichtbare Rolle. Ins “Haus der Inhalte”, das laut Vorstandschefin Julia Jäkel in Hamburg steht, soll Entertainment Media auch nicht umziehen. Verkaufsgerüchte machen die Runde. Immerhin gehört Entertainment Media in Segment der Business Information, das laut der Strategie der G+J-Mutter Bertelsmann keine Säule bei Gruner mehr sein soll. 

Der Entertainment Media Verlag sei für Gruner “ein gutes und profitables Geschäft, das wir auch weiterhin vom Standort Weihenstephaner Str. betreiben”, so Unternehmenssprecher Schrack. Da Geschäftsführer Peider Bach bis zum Auslaufen seines Vertrags noch fast ein Jahr an Bord sei, gebe es hier keinerlei Handlungsdruck. Man suche in aller Ruhe einen Nachfolger.

Viel und gerne wird von Managern geredet, dass man die Belegschaft bei den berühmt-berüchtigten Umstrukturierungen “mitnehmen” müsse. Das ist nicht immer wörtlich gemeint. Aber was passiert eigentlich, wenn die Leute – diesmal auch im Wortsinne – irgendwann nicht mehr mitgenommen werden wollen? Vielleicht finden sie das bei Gruner ja in diesem Falle heraus.

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