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Döpfner, der provokante Inhalte-Apologet

Moderator Sebastian Turner sprach aus, was sich vermutlich viele dachten: Auf einem Hauptpanel des VDZ-Kongresses saß am Dienstag Springer-CEO Mathias Döpfner, der einen erklecklichen Teil seiner journalistischer Marken an die Funke-Gruppe verkaufen will. Wie das? Statt sich in der ihm angedeuteten Nebenrolle zurechtzufinden, redete sich Döpfner dann neben Julia Jäkel und Philipp Welte aber an die Deutungsspitze der Runde. Seine These: In fünf Jahren werde es mehr journalistische Springer-Marken geben als heute.

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Man mag es als Journalist durchaus als Provokation verstehen: Ein Verlag verkauft zwei große Regionalzeitungen und einen Batzen Programm- und Frauenzeitschriften – und behauptet von sich, es werde "zu viel über Technologie, über Marketing, über neue Geschäftsmodelle" gesprochen, zu wenig aber "über gut recherchierte Geschichten". Genau das sagt aber Springer-Chef Döpfner. Weder wette er gegen Print, noch kehre das Unternehmen dem Journalismus den Rücken. Ganz im Gegenteil: In fünf Jahren werde es bei Springer "mehr Marken, die sich mit Journalismus beschäftigen" geben, als heute. Springer umwirbt heftig Gründer und Entwickler, zuletzt mit dem Programm "Plug & Play" – und der Chef sagt, es werde zu viel über Programmierer gesprochen.

Aber was soll kommen von Springer? Das sollen vor allem digitale Marken sein, müssen es angesichts des Springer-Portfolios wohl auch. Das nährt freilich virulente Gerüchte über den möglichen Start einer neuen Springer-Plattform, die näher an Buzzfeed als an tradierten Formaten sein dürfte. Darüber wird noch zu sprechen und zu lesen sein. Döpfner jedenfalls, der kalkuliert provoziert – er wird sich an seinen Worten messen lassen müssen. Die Anteilsverschiebungen im Konzern zu Gunsten von nicht-journalistischen Geschäftsmodellen sind evident. Das macht Döpfner als Inhalte-Apologeten ja so interessant.

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Da hatten es Julia Jäkel, Chefin von Gruner+Jahr, und Burda-Vorstand Philipp Welte ironischerweise schwerer, sich Gehör für ihre nach wie vor mehr auf Print ausgerichteten Strukturen zu verschaffen. Zwar verdient Burda nach eigenen Angaben bereits fast 50 Prozent des Umsatzes mit digitalen Modellen, doch gerade Welte steht für den Glauben an eine durch digitale Modelle eher gestützte als getriebene Print-Renaissance. Gerade erschien Harper’s Bazaar, ein Luxusmagazin für Frauen. Und Kollegin Jäkel orakelte, dass wir demnächst vielleicht eine deutsche Ausgabe von Esquire sehen könnten.

Keinesfalls, sagte Welte, gelte für ihn das Motto: Ran an den Sarg und mitgeweint, wenn es um Print gehe. Rund 10 Prozent des Umsatzes der nationalen Verlagsmarken stamme von Produkten, die es vor fünf Jahren noch nicht gab, sprach er über die Innovationsrate von Burda. Auch Julia Jäkel forderte dazu auf, innovativer zu werden. Das ist freilich keine ganz neue Forderung, doch sie lässt sich vermutlich jedes Jahr bis ans Ende der Tage so aufstellen. Moderator Turner, der einige Male mit gekonnten Sticheleien glänzte, erinnerten manche Zeitschriften nur noch an Prospekte, sagte er. Seine Frage an Allensbach-Chefin Renate Köcher, die einige Erkenntnisse aus der Nutzerforschung mitgebracht hatte, ob es nicht auch ganz ohne redaktionelle Inhalte gehe, wurde erwartbar mit "Nein" beantwortet. Ausdiskutiert wurde dieses Thema dann leider nicht. Denn auf das Credo, dass Inhalte die Medien dominieren müssen – darauf konnten sich dann ja alle wieder einigen.

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