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Youporn-Gründer lässt sich auszahlen

Manwin, weltweit einer der größten Betreiber von Porno-Portalen, hat sich offenbar von seinem umstrittenen Gründer freigekauft. Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Fabian Thylmann soll angeblich eine Zahlung in Höhe von 100 Millionen Dollar erhalten haben. . Mit der Kostenlos-Plattform YouPorn krempelte der gebürtige Aachener die Industrie um, mit Werbeeinnahmen auf einigen der meistbesuchten Seiten der Welt macht sein Unternehmen Millionen.

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Die Leitung über das undurchsitige Firmengeflecht soll das bisherige Management von Montreal aus übernommen haben. Damit zieht der Konzern offenbar die Konsequenzen aus der anhaltenden Steueraffäre um seinen Gründer. Gerüchte gab es schon länger, dass das Top-Management versuchen wollte, Thylmann und die Steuerprüfungen, die mit seiner Person einhergehen, loszuwerden. Dafür soll er nun ein Angebot bekommen haben, dass man nur schwer ablehnen kann. Dabei übernimmt das Management der Manwin-Gruppe die Anteile des Mittdreißigers und zahlt ihm dafür mindestens 100 Millionen Euro.
Rund 16 Milliarden Abrufe pro Monat
Ist diese Zahl übertrieben? Wohl kaum. Um zu verstehen, wie erfolgreich Thylmann und seine Firma Manwin eigentlich sind, genügt ein Blick auf die Zahlen. So sollen zwei seiner Seiten, YouPorn und Pornhub, allein im Juli des vergangenen Jahres rund 5,5 Milliarden Pageviews erzielt haben. Die Wikipedia hatte in demselben Zeitraum nur geringfügig mehr (6,3 Milliarden). Seine anderen Seiten, XTube, MyDirtyHobby und Extremetube, laufen nicht weniger erfolgreich. Insgesamt, so erklärte der sonst recht medienscheue Unternehmer vor einiger Zeit im Interview mit der Financial Times Deutschland, kämen seine Seiten auf rund 16 Milliarden Abrufe – pro Monat.
Seine Manwin-Holding hat zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Aussagen schon einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag umgesetzt, sagte der Mittdreißiger, der ursprünglich Programmierer war und das Unternehmen 2007 gründete. Operativ soll das Unternehmen, das rund 1000 Mitarbeiter in verschiedenen Ländern beschäftigen soll, schon länger schwarze Zahlen schreiben. Die Erlöse stammen aus einem Mix aus Onlinewerbung auf Kostenlos-Portalen und dem Geld aus kostenpflichtigen Angeboten. "Etwa jeder tausendste Besucher greift auf Bezahlinhalte zurück”, erklärte Thylmann damals der FTD. “Das ist nicht viel, aber es kommt was dabei rum. Die Leute geben noch Geld aus, man muss ihnen nur zeigen, was sie wirklich haben wollen."
Mit diesem rasanten Wachstum hat sich der König des Internetpornos viele Feinde in der Branche gemacht. Durch die massenhafte Bereitstellung von kostenloser Pornographie habe er die Inhalte abgewertet, lautet die Kritik vieler. Der modus operandi war dabei fast immer derselbe: Waren genug Clips eines Porn-Labels ohne Genehmigung verfügbar auf YouPorn, hätte Manwin bei den betroffenen Produktionsfirmen angefragt, ob sie nicht einfach ihre Inhalte lizenzieren wollen.
Welche Rolle spielt die Wall Street?
Auch unter Performern in der Branche wuchs der Unmut über das Quasi-Monopol Thylmanns. 2011 kaufte er den Branchenriesen Digital Playground auf, kommunizierte den Deal aber erst ein knappes halbes Jahr später. Lediglich die Schecks wechselten den Empfänger. Kurzum: Thylmanns Geschäftspraktiken waren im hartumkämpften Pornosegment umstritten, die Steuerfahndung aus Deutschland sitzt ihm seit über einem Jahr im Nacken. Denkbar schlechte Voraussetzungen also, um ein eine weltweit agierende Holding zu leiten.
Eventuell hatte die Wall Street hierbei auch noch ein Wörtchen mitzureden. Denn das Geld für das rasante Wachstum von Manwin soll aus einem 362-Millionen-Dollar-Kredit stammen, den ein nicht näher genannter Wall-Street-Fonds beigesteuert haben soll. Mit einem Angeklagten als Firmenchef lassen sich nur schwer neue Kredite für weiteres Wachstum auftreiben. Die Welt zitiert aus einem Abschiedsbrief Thylmanns und seiner Frau an die Mitarbeiter. "Bitte glauben Sie mir, diese Entscheidung war eine der schwersten im Leben von meiner Frau und mir", heißt es in dem Brief. "Beide, ich selbst und Manwin, sind an einem Punkt, an dem ich mit meinen Fähigkeiten keinen entscheidenden Wert mehr beitragen kann." Die rund 100 Millionen Dollar dürften ihn über diesen Umstand hinwegtrösten.

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