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Kein Selbstläufer: Vor Apples iPad-Keynote

Wenn Apple am Dienstag im Moscone Center in San Francisco die neuen iPads vorstellt, ist die Situation eine andere als noch vor Jahresfrist. Erstmals seit dem Debüt des Kultgadgets vor rund drei Jahren haben sich die Absätze rückläufig entwickelt. Überraschend früh im Produktzyklus muss Apple nun für neue Wachstumsfantasie sorgen. Kann das aber mit einer bloßen Generalüberholung des großen iPad und – vielleicht – des iPad mini gelingen?

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Wenn Apple am Dienstag im Moscone Center in San Francisco die neuen iPads vorstellt, ist die Situation eine andere als noch vor Jahresfrist. Erstmals seit dem Debüt des Kultgadgets vor rund drei Jahren haben sich die Absätze rückläufig entwickelt. Überraschend früh im Produktzyklus muss Apple nun für neue Wachstumsfantasie sorgen. Kann das aber mit einer bloßen Generalüberholung  des großen iPad und – vielleicht – des iPad mini gelingen?

Das gerade mal drei Jahre alte iPad wächst von den Absatzzahlen betrachtet nicht mehr. Das war der eigentliche Schocker bei Apples Juni-Bilanz – der jedoch erstaunlich gut von stärkeren iPhone-Absätzen aufgefangen wurde. Wenn es der wichtigsten Konzernsparte besser als erwartet ging, musste man sich nicht mit der zweitwichtigsten aufhalten, so Tenor der Wall Street.

Dabei verdient der plötzliche iPad-Einbruch, den kein Analyst erwartet hatte, eine besondere Betrachtung. 14,6 Millionen iPads wurden zwischen April und Juni abgesetzt: Das waren bemerkenswerte 2,4 Millionen Einheiten weniger als im Vorjahreszeitraum – die Lücke war zu groß, um sie als flüchtige Verfehlung abzutun.

Lebenszyklen von Apple-Produkten: Der iPad-Abschwung kommt zu früh

Natürlich führten Apple-Enthusiasten sofort den Umstand an, dass der Kultkonzern aus Cupertino im Vorjahr durch den Launch des iPad 3 Ende März besonderen Rückenwind fürs dann folgende Quartal bekommen hatte, während ein iPad-Event in diesem Frühjahr wegfiel.

Doch die Argumentation greift zu kurz, launchte Apple doch im vergangenen Oktober erst die günstigere Mini-Version seines Tablet-Bestsellers, die heftig an der Marge knabberte. Und doch konnte Apple erstmals seit der iPad-Einführung mengenmäßig nicht mit dem Vorjahr mithalten?

Das Ergebnis wirkt angesichts der Lebenszyklen von Apples Produkten im höchsten Maße alarmierend. Die Macintosh-Sparte konnte, abgesehen vom Rücksetzer der schweren Rezessionsjahre 2001 und 2002, eine Dekade zweistelligen Wachstums vorweisen, das erst im letzten Weihnachtsquartal zu Ende ging. Seitdem schrumpft die Mac-Sparte.

Das iPhone wächst immer noch

Die iPod-Unit, die Apples phänomenales Comeback im vergangenen Jahrzehnt erst befeuerte, feierte sechs Jahre explosiven organischen Wachstums, bis das iPhone den MP3-Player praktisch überflüssig machte.

Das iPhone selbst hat in diesem Jahr mit seinen schwächsten Zuwächsen seit dem Launch 2007 offenkundig zu kämpfen, doch Tim Cook reizt sein Blatt mit neuen Vertriebskanälen wie T-Mobile USA, einem neu aufgelegten Rückkaufprogramm und vor allem dem Zwei-Modell-Launch bis zum letzten Trumpf aus. Kommt in den kommenden Monaten endlich – endlich! – der lang erwartete Vertragsabschluss mit China Mobile zustande, dürfte das Wachstum auch im nächsten Geschäftsjahr, dem immerhin schon siebten in der Produkthistorie, gesichert sein.

Opfer des eigenen Erfolgs: Zu schnell, zu viel verkauft – und zu wenig erneuert

Wie kann es da sein, dass das iPad, das knapp drei Jahre nach dem iPhone ins Rennen geschickt wurde, bereits in dieser frühen Phase der Produkthistorie schwächelt? Die Antwort liegt einerseits im phänomenalen Erfolg des iPad, das einen raketenartigen Start verbuchte: Es verkaufte sich schneller als jedes Hochpreisprodukt in der Geschichte der Verbraucherelektronik – die 100-Millionenmarke wurde bereits vor einem Jahr genommen.  

Doch nun ist bei der Wachstumsmaschine, die doch über Jahre als jüngste Konzernsäule stützend für ältere Unternehmenszweige wirken sollte, offenkundig eine Schraube locker. Wer hat noch kein iPad – und worin unterscheiden sich die Modelle der zweiten, dritten und vierten Generation am Ende eigentlich bis aufs Retina Display und einem schnelleren Prozessor? Es soll selbst Käufer des ersten iPad von 2010 geben, die ihr Gerät weiter glücklich benutzen und immer noch nicht an ein Upgrade denken  

Rückläufige iPad-Umsätze auch in diesem Quartal wahrscheinlich

Es erscheint durchaus denkbar, wenn nicht wahrscheinlich, dass Apple Montag in einer Woche erneut rückläufige Tablet-Absätze zu beklagen hat. 14 Millionen Stück sind also zu schlagen. Angesichts der nur 14,6 Millionen verkauften iPads aus dem Vorquartal ist das in dem Dreimonatszeitraum vor der nächsten Produktauffrischung alles andere als ein Selbstläufer.

Um entsprechend viel geht es also, wenn Tim Cook und Phil Schiller kommenden Dienstag um 19 Uhr die Bühne des Moscone Centers betreten. Mutmaßlich dürfte Apple ein schlankeres, hochauflösendes iPad im Design des iPad mini präsentieren  und – vielleicht – eine zweite Generation des iPad mini mit Retina Display.

Billig-Tablets der Konkurrenz belasten

Ob das allerdings ausreicht, um Apples jüngste Konzernsparte wieder auf Wachstumskurs zu trimmen, erscheint vor allem angesichts der immer billigeren Konkurrenz aus dem Android-Lager, die – wie Amazon – die Geräte dem Verbraucher längst unter Fertigungspreis nachwirft, höchst fraglich.   

Skeptiker haben seit dem Launch des Tablet propehzeit: Das iPad ist wohl ohne Frage Apples verzichtbarste Produktkategorie. Vielleicht aber hat ja Burberry-Chefin Angela Ahrendts im kommenden Jahr die Idee, wie man an eine Edel-Variante des Gadgets in Damenhandtaschen befördert.

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