Mediengipfel: Lieber nicht zu kompliziert

Zu den Standards des Medienbranchensmalltalks gehört, dass sogenannte Elefantenrunden oder Mediengipfel keine wesentlich neuen Erkenntnisse bringen oder gar spannende Debatten entfachen. Diese Regel wurde auch bei den Medientagen München mal wieder bestätigt. Mediengipfel leben vom Warten auf überraschende Aussagen, die selten kommen. MEEDIA hat fünf relevante Themen und Thesen der Münchner Runde herausgefiltert.

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Moderatorin Ines Pohl, im Hauptberuf taz-Chefredakteurin, fragte die entsprechenden Themen bei den acht Diskutanten ab: Datenschutz, Bezahlinhalte, Herausforderungen der Digitalisierung, Medienpolitik, Jugend als Zielgruppe, etc.pp. Die Rolle des Moderators ist ebenso wenig dankbar wie die des Panelisten. Das Ergebnis ist immer ein Kessel Buntes – im besten Fall. Die Runde am Mittwoch bot aber viel zu selten ein paar frische Stimmen oder Meinungsfarben – es dominierte gepflegte Langeweile. Es wäre an der Zeit, über tatsächliche Alternativen zu dem Schema – ein paar große Namen, zwei Stunden Zeit, da wird schon irgendwas bei rauskommen – nachzudenken.

Die wichtigsten Themen und Thesen des Mediengipfels bei den Medientagen München im kommentierten Überblick:

Das klassische Fernsehen bleibt. Das Internet aber auch.
Ein auch in der dritten Dekade des Webs gern genommener Satz in der Branche lautet: Das Internet bleibt, es wird nicht wieder verschwinden. Und wir müssen dankbar dafür sein. Denn es bietet ja mehr Chancen als Risiken. Diese Beteuerungen vor allem von klassischen Medienmanagern sind natürlich richtig, doch ließe sich schon fragen, warum sich die Branche immer wieder über Selbstverständlichkeiten austauschen muss. Es kann ja nicht darum gehen, sich noch im Jahr 2013 als Fortschrittsfreund zu positionieren. Vielmehr könnten solche Aussagen dazu geeignet sein, Veränderungen im klassischen Mediengeschäft zu begründen. Doch auch im klassischen Geschäft läuft es ja gut, so zumindest das Mediengipfel-Fazit: "Die Medienlandschaft ist total in Ordnung", fand Verleger Dirk Ippen. Seinen Zeitungen gehe es gut, selbst wenn Zeitungen ihr "Alleinstellungsmarkmal" verloren hätten. ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte: "Unser Urgeschäft hat sich nicht verändert." Die Gesamtnutzung des Mediums TV sei unverändert hoch. In München wie anderswo lautet das Motto: Verschiebungen gibt’s, keine Frage, aber grundsätzlich sind wir zufrieden. Kein Grund, den Kurs zu ändern.

Die Jugend ist ein Problem oder eine große Chance, je nach Sichtweise.
Der dem Internet durchaus zugewandte Dirk Ippen (siehe Punkt 3) sagte: "Die Jugend ist ein großes Problem." Er hätte sie gerne als Käufer oder zumindest Leser für seine Zeitungen, aber er hat sie immer weniger. ProSiebenSat.1, vertreten durch Vorstand Conrad Albert, sieht die Jugend dagegen als "große Chance". Es gehe darum, den Buzz aus TV und im Netz miteinander zu verbinden. Wer bei Buzz und Web an Twitter denkt, liege damit allerdings falsch, sagte die Medienprofessorin Caja Thimm von der Uni Bonn: "Jugendliche nutzen kein Twitter. Die haben Whatsapp." Falsch sei auch die Verwendung des Begriffs "digital natives" – die Jugendlichen seien nur im Gebrauch versiert, nicht damit nicht medienkompetent. Ob das nun für die Medienbranche ein Problem oder eine Chance ist, hängt wohl von der Perspektive ab.

"Entweder online oder schlafen oder tot." (Ippen)
Eine schöne Zusammenfassung des Lebensgefühl zumindest eines größer werdenden Teils der jungen und auch älterer Mediennutzer, die von Verleger Ippen kam. Zwar auch keine ganz neue Erkenntnis. In ihrer Drastik aber dann doch anschaulich.

Google ist beim Mediengipfel präsent, aber eher symbolisch.
Kaum ein Unternehmsname wurde so oft bei der Mediengipfel-Diskussion genannt wie der von Google. Im Vorfeld hatte es gegrummelt, weil der Deutschlandchef des US-Unternehmens, Philipp Justus, am Panel teilnahm, und seine Firma gleichzeitig wegen des Vorwurfs der Steuervermeidung in der Kritik steht. Schließlich würden die Medientage von der bayerischen Landesregierung mitfinanziert. Genau zu diesem Thema wurde Justus dann aber nicht vernommen, allein Sky-Chef Brian Sullivan forderte ein "level-playing field" für Medienunternehmen, d.h. gleiche Wettbewerbsbedingungen. Zum Thema Datennutzung spulte Justus das übliche Programm ab: Der User habe die Möglichkeiten, über die Freigabe der Daten zu entscheiden. Google sei Partner der Medien, Inhalte zu monetarisieren. Googles Rolle auf Panels dieser Art ist tatsächlich aufschlussreich: Der Konzern ist überall dabei, die jeweiligen Vertreter reagieren aber in der Regel nur auf Vorwürfe. Als Strukturveränderer, die sie ja tatsächlich sind, lehnen sie sich nicht aus dem Fenster. Motto: Wir sind da, aber sollen doch die anderen so tun, als hätten sie die Kontrolle.

"Don’t be over-complicated." (Sullivan)
Der beim Bezahlsender Sky erfolgreiche Brian Sullivan tat sich durch Pragmatismus hervor. Inhalteproduzenten müssten geschützt werden, die Welt verändert sich, Geschäftsmodelle müssen sich anpassen. Sullivan: "Verkomplizieren wir doch unsere Aufgaben nicht." Das Thema Medienpolitik brachte dann leider kein Weniger an Komplexität. Obwohl etwa VPRT-Chef Tobias Schmid genau das – auch nicht zum ersten Mal – forderte: Warum in der Regulierung immer noch zwischen TV-Sendern und Internet-Playern wie YouTube unterschieden wird, konnte auch dieses Jahr keiner der Beteiligten beantworten. 

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