Google spannt Nutzer für Werbung ein

Ende vergangener Woche informierte Google seine Nutzer in den USA, dass sie bald als Testimonials für Online-Werbekampagnen eingesetzt werden könnten. Die erweiterten Shared Endorsements (etwa: gemeinschaftliche Empfehlungen) und sollen am 11. November an den Start gehen. Datenschützer in den USA äußern Bedenken. Werbung mit Nutzern gilt als hoch umstritten. Facebook verwendet allerdings schon lange ähnliche Werbe-Formate.

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Die Idee dahinter ist folgende: Werber und Firmen glauben, dass Werbung authentischer und wirkungsvoller ist, wenn jemand ein Produkt oder einer Dienstleitung von einem Bekannten empfohlen bekommt. Diese Mund-zu-Mund Propaganda gilt als enorm wirkungsvoll und soll nunmehr auch aufs Web übertragen werden. Konkret könnten Profilfotos, Bewertungen und Kritiken, die man auf Googles Sozialem Netzwerk Google+ hinterlassen hat, in kommerziellen Werbeanzeigen genutzt werden. Etwa, wenn man ein Restaurant besonders gelobt hat, oder einen Musiktitel oder ein E-Book gut bewertet hat. Dabei können Fotos von Nutzern zusammen mit Berwertungen und Text-Ausschnitten bei Werbe-Anzeigen auftauchen – allerdings nur wenn die Nutzer diese Posting öffentlich zugänglich gemacht haben.

Der US-Datenschützer Marc Rotenberg vom Electronic Privacy Information Center wird vom Wall Street Journal Deutschland mit den Worten zitiert: "Wir glauben, dass das ein Problem ist. Es handelt sich um eine kommerzielle Empfehlung ohne Zustimmung und das ist in den meisten US-Bundesstaaten nicht erlaubt." Google erwiderte: "Die Privatsphäre und die Sicherheit unserer Nutzer gehört zu unseren höchsten Prioritäten. Wir glauben, dass die Veränderungen unserer Nutzungsbestimmungen ein positiver Schritt nach vorne sind, um wichtige Privatsphäre- und Sicherheitsbestimmungen klarzustellen."

Außerdem verwies der Internet-Konzern darauf, dass sämtliche geltenden Gesetze eingehalten werden. Alles andere wäre ja auch in der Tat kein gangbarer Weg für das Unternehmen. Sensibler dürfte sein, wie die Nutzer auf den Werbe-Vorstoß reagieren. Google verweist darauf, dass die +1-Buttons schon länger in Werbe-Anzeigen Verwendung finden. Nun seien leidglich in den USA die Allgmeinen Geschäftsbedingungen geändert worden, die das Verfahren von Opt-in auf Opt-out umstellen. Will heißen: Bisher mussten Nutzer aktiv ihre Einwilligung geben, bevor ihre Profildaten für Werbung verwendet werden konnten. Mit den neuen AGB müssen sie dagegen aktiv einer möglichen werblichen Verwendung widersprechen – eine klare Verschlechterung aus datenschutzrechtlicher Sicht.

2009 musste Rivale Facebook sein Targeting-Tool Beacon wegen massiver Nutzer-Protesten und einer Sammelklage stoppen. Beacon sollte es ermöglichen, dass Facebook-Nutzer auch mit Aktivitäten außerhalb Facebooks für Werbezwecke bei Facebook herangezogen würden. Möglich wird dies u.a. durch den Facebook-Like-Button (”Gefällt mir”), der zahlreiche Websites direkt mit Facebook verzahnt.

Google+ hat mit dem +1 Button eine ganz ähnliche Technik im Angebot. Es gibt auch Werbe-Experten, die ganz generell den Nutzen solcher Sozialer Werbung anzweifeln. Wenn das Werbemittel zu inflationär eingesetzt wird, könnte es passieren, dass auch die sozialen Empfehlungen von Web-Kontakten an Glaubwürdigkeit verlieren. Die beteiligten Firmen Google, Facebook und Co. und auch ihre Kunden und Nutzer haben in dieser jungen Werbe-Disziplin wohl noch einen weiten Weg vor sich.
Die Shared Endorsements von Google werden zunächst nur in den USA eingeführt. In Deutschland sei eine Änderung der AGB von einem Opt-in auf ein Opt-out Verfahren nicht vorgesehen, so ein Google-Sprecher zu MEEDIA. D.h. hierzulande muss man bei Google+ noch aktiv zustimmen, bevor Profildaten für Werbung verwendet werden dürfen.

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