Radio-Praktikantin fällt auf Postillon rein

In der inoffiziellen Medienhackordnung kommt unter dem Mitarbeiter eines Privatradios nicht mehr viel. Das ist natürlich unfair und unzutreffend. Trotzdem wurde dieses Vorurteil jetzt wieder kräftig befeuert, als bei der Satire-Website Postillon eine Interview-Anfrage von Radio Energy Nürnberg eintrudelte. Der Sender nahm das Satirestück "Sportwagenfahrer schafft Blitz-Marathon (42x geblitzt werden) in unter zwei Stunden" ganz ernst. Verantwortlich für die Fehleinschätzung war eine 18-Jährige Praktikantin.

Anzeige

Aber der Reihe nach: Passend zum gestrigen Medien-Überthema, dem Blitzer-Marathon, platzierte Postillon-Macher Stefan Sichermann das Stück "Rekord: Sportwagenfahrer schafft Blitz-Marathon (42x geblitzt werden) in unter zwei Stunden". Alleine die Zeile ist schon lustig, aber auch eindeutig nicht ernst gemeint, wie auch der weitere Text: "Bestzeit! Der Düsseldorfer Unternehmensberater Hanno Lensen dürfte der unumstrittene Sieger des heute erstmals bundesweit ausgetragenen Blitz-Marathons sein. Immerhin ist es dem 34-Jährigen gelungen, mit seinem Sportwagen 42 Mal hintereinander geblitzt zu werden – und das in nur einer Stunde 58 Minuten und 37 Sekunden. Sollte dieses Ergebnis bestätigt werden, bedeutet dies einen neuen Weltrekord."

Wie geht also die Redaktion von Radio Energy aus Nürnberg mit der sensationellen Enthüllungsstory des Satire-Blogs aus der Nachbarstadt Fürth um? Man fängt an zu recherchieren und fragt via Mail nach. Dumm nur, dass Sichermann besonders trottelige Leser-Post, die seinen großartigen Quatsch ernst nimmt, gerne mal bei Facebook veröffentlicht. Der Satiriker hatte also nun nichts besser zu tun, als gleich mal einen Ausriss aus der Mail zu veröffentlichen. Darin heißt es unter anderem: "Wir von Radio Energy Nürnberg würden uns gerne mit Herrn Lensen in Verbindung setzen um ihn zu seinem außergewöhnlichen Rekordversuch zu interviewen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir die Daten von Herrn Lensen zukommen lassen könnten."

Was dann passierte konnte keinen mehr überraschen: Die Häme für die Radiomacher kannte keine Grenzen. Die bösen Kommentare reichten von "Popmusik macht blöde!" bis "Oh Darwin, bitte hilf’…!". Eine erste Reaktion des Radiosenders half auch nicht sonderlich, den aufziehenden Shitstorm abzuwenden. Die Nürnberger wollten die Verantwortung einfach dem Redaktionshund zuschanzen. "Der Schuldige ist gefunden und ergibt sich! Da lässt man zum Welthundetag einmal den Redaktionshund an den Mail-Account und dann kommt so etwas raus! Es tut ihm echt leid  PS: Die nächsten vier Wochen gibt’s KEINE Leckerlis"

Am Ende präsentierte der Sender dann doch noch einen anderen Verantwortlichen: eine 18-Jährige Praktikantin. Diese soll laut Programmdirektor Alex Hajek die Anfrage verschickt haben. Seitdem Der Postillon dies publik gemacht habe, bekäme er unablässig schadenfreudige Anrufe von Kollegen aus ganz Deutschland, sagte Hajek gegenüber Nordbayern.de. Die Praktikantin selbst sei "fix und fertig und erst einmal nach Hause gegangen", zitiert das Portal Hajek weiter. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Radiosender seine jungen Mitarbeiter nicht ein wenig besser betreuen, unterstützten und möglicherweise auch schützen sollte, bevor sie – offenbar völlig unbedarft – losgeschickt, bzw. dann öffentlich verantwortlich gemacht werden.

Der Postillon dagegen kann sich freuen. Wie die Kollegen von der Titanic sicherlich bestätigen können, kann Satire nichts besseren passieren als dass sie für bare Münze genommen wird.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige