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Chefredakteure stellen sich hinter Guardian

Die britische Boulevardzeitung Daily Mail hat der britischen Tageszeitung The Guardian gestern in einem Artikel vorgeworfen, den Feinden Großbritanniens zu helfen. Hintergrund sind die Enthüllungen über die NSA-Affäre, die maßgeblich der Guardian ans Licht gebracht hat. Weltweit solidarisierten sich daraufhin Chefredakteure und namhafte Publizisten mit dem Guardian. Darunter auch deutsche Medienmacher wie Spiegel-Chef Wolfgang Büchner und FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher.

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Die Daily Mail zeigt das Foto eines Bombenanschlags in London aus dem Jahr 2009 und dazu die Schlagzeile: “Warum alle Feinde dieses Landes dankbar sind für die Schuljungen-Eitelkeit des Guardian”. Schon zuvor schoss die Daily Mail immer wieder mit scharfen Artikeln gegen die Berichterstattung des Guardian in Sachen NSA-Affäre. Am 8. Oktober beispielsweise veröffentlichte die Zeitung online den Artikel “The Guardian has produced a ‚handbook‘ that will help fanatics strike at will”, in dem dem Guardian vorgeworfen wird, Terroristen ein e Art “Handbuch” für künftige Anschläge an die Hand zu geben, illustriert mit einem Foto von Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger.

Rusbridger reichte den jüngsten Daily-Mail-Artikel an Medienhäuser weltweit weiter, mit der Bitte um eine Stellungnahme. Und die Reaktion erfolgte prompt. Jill Abramson, Chefredakteurin der New York Times, Aluf Benn, Chef der israelischen Haaretz, die Chefs von Le Monde, El País, Slate, The Hindu, NZZ, Washington Post, La Repubblica, Aftenposten, ORF und sogar Buzzfeed haben in Statements ihre Solidarität mit dem Guardian bekundet. Von deutscher Seite antworten Wolfgang Büchner, Chefredakteur des Spiegel, Ex-Spiegel-Chef Georg Mascolo, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, die Tagesspiegel-Chefs Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt sowie Wolfgang Krach, Vize-Chef der Süddeutschen Zeitung.

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Spiegel-Chef Büchner schrieb u.a.: “Es ist die wahllose Massen-Überwachung von Kommunikation, die der Spiegel als Skandal ansieht – nicht die Suche nach Terroristen. Wir halten fest, dass es die Pflicht der Medien in einer freien Gesellschaft ist, über diese Missbräuche zu berichten.” Und Frank Schirrmacher von der FAZ schrieb: “ Es gibt keine Indikation, dass die Medien-Organisationen, die über die NSA- und GCHQ-Akten (britischer Geheimdienst, Anm.d.Red.) berichtet haben, die nationale Sicherheit gefährdeten. Keine der beteiligten Zeitungen hat künstliche Dramatik erzeugt, wie es in den 1980ern üblich gewesen wäre, nur um die Auflage zu erhöhen. Keine der beteiligten Zeitungen hat die Pflicht und Legitimation von Regierungen, Terrorismus zu verhindern, in Frage gestellt. Niemand hat die Ideologie von Terroristen verteidigt oder auch nur angedeutet, dass Terroristen nicht durchleuchtet werden sollten.”

Diese Schlagzeile der Daily Mail war der Anlass für die weltweiten Solidaritäts-Bekundungen für den Guardian
Alle Statements der Chefredakteure zum Streit zwischen Daily Mail und Guardian gibt es hier beim Guardian zum Nachlesen.

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