Koch-Duell: Chefkoch vs. Kochrezept

Da startet Gruner + Jahr diesen Donnerstag das lange angekündigte Print-Magazin zur erfolgreichen Online-Community Chefkoch.de und Burda spuckt der Konkurrenz kräftig in die Suppe. Einen Tag vor Chefkoch launchen die Münchner Das Kochrezept, eine Zeitschrift zu deren gleichnamiger Online-Community. MEEDIA hat sich die beiden Koch-Community-Hefte zu Gemüte geführt und kommt nach einem ausführlichen Geschmackstest zu einem eindeutigen Ergebnis.

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Der erste Eindruck von Burdas Heft Das Kochrezept ist gut. Der Umschlag besteht aus dickem Papier. Vornedrauf prangt eine Lachs-Tarte mit Pesto, die zumindest lecker ausschaut. Das Layout wirkt gefällig, die Gerichte sind sehr ansprechend fotografiert.

Aber: Wo zur Hölle ist die Verbindung zur Koch-Community? Die muss man hier mit der Lupe suchen. Und selbst dann findet man sie nicht immer. Viele Gerichte aus dem Magazin lassen sich online überhaupt nicht auffinden. Bei einigen, z.B, der Wirsing-Quiche mit Speck entpuppt sich eine professionelle Redaktion (meine familie & ich) als Autor. Hier und da sind ohne erkennbaren Zusammenhang Nutzer-Kommentare bei den Rezepten im Magazin abgedruckt. Nach welchen Kriterien diese ausgewählt werden, bleibt im Dunkeln.

Und beim Special über Herbstfrüchte werden beim Burda-Heft ohne mit der Wimper zu zucken Quitten-Rezepte ausgebreitet, ohne ein Wort darüber zu verlieren, dass die Zubereitung von Quitten eine ziemliche Pest ist. Wie wäre es mit einer Anleitung? Das Kochrezept-Heft wirkt leider so, als habe da jemand beim Burda Food Network auf einen Knopf am Layout-Computer gedrückt und unten kam dann ein neues Rezepte-Einheitsbrei-Magazin raus. Hübsch anzuschauen, aber schwer genießbar.

Beim Chefkoch-Magazin von Gruner + Jahr ist es anders. Das Heft macht auf den ersten Blick keinen wirklich hochwertigen Eindruck, schafft aber im Inneren tatsächlich eine Verbindung zur erfolgreichen Online-Community Chefkoch.de. Gleich auf der ersten Seite wird erklärt, wie und warum welche Rezepte aus dem Web fürs Magazin ausgewählt werden. Eine Seite später erklärt die Redaktion, wie die Rezepte im Heft bewertet werden, es gibt zu jedem (!) Rezept einen Weblink und einen QR-Code. Der Verfasser des Rezeptes wird genannt, die Anzahl der Aufrufe usw. So muss das sein!

Die Nutzer-Rezepte werden jeweils von der Redaktion nachgekocht und professionell fotografiert. Außerdem gibt die Redaktion selbst Tipps dazu, die klar und deutlich als Redaktions-Tipps gekennzeichnet sind. Am Reiz-Thema Quitte beißt ich aber auch der Chefkoch die Zähne aus: Unter der Rubrik “Wissens-Häppchen” stellt eine Nutzerin die berechtigte Frage “Bei uns im Garten steht ein Quittenbaum und ich habe keine Ahnung, wie ich die Früchte weiterverarbeiten kann.” Statt der ersehnten Antwort gibt es hier zwar ein wenig Blabla wozu man Quitten alles verarbeiten kann (Marmelade, Quittenbrot) eine Antwort bleibt man aber schuldig.

Ob der ungebremst ausgelebte Hang der Chefkoch-Redaktion zu Wortspielereien (“Fisch verliebt”, “Erbseneintopf für Prinzessinnen”) Jedermanns Sache ist sei mal dahingestellt. Die Rezepte aber machen durchweg einen guten, handfesten Eindruck – kein Wunder, sie stammen schließlich von Chefkoch.de. Und vor allem: Das Chefkoch-Magazin macht ernst mit der Brücke zum Internet. Beim Burda-Heft ist die Verbindung zur hauseigenen Koch-Community, die auch ungleich kleiner ist als Chefkoch.de, nur eine behauptete. Insofern muss man festhalten: Chefkoch versuch Kochrezepte, in den Disziplinen Online und Print – 2:0 für Chefkoch.

PS: Wer jetzt endlich wissen will, wie man Quitten zubereitet. Hier gibt es eine ganz gute Anleitung … 

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