„Fashion Hero“ als Product Placement TV

"Germany's Next Topmodel" schwächelt, die Vox-Variante "Million Dollar Shootingstar" entpuppte sich als Totalausfall. Und dennoch startete ProSieben am Mittwochabend eine neue Castingshow rund um den Catwalk. In "Fashion Hero" geht es aber nicht um das routinierte Hin-und her-Laufen zickiger Models, sondern um Nachwuchsdesigner, die Vertreter verschiedener Kaufhäuser von ihrem Können überzeugen wollen. Schließlich ist das beste Design schon am nächsten Tag in ihrem Laden erhältlich. Kurzum: Product Placement at its best.

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Im Gegensatz zu den Protagonisten der Sendung, zeigt sich ProSieben mit "Fashion Hero" nicht unbedingt von seiner kreativen Seite. Nachwuchsdesigner, die im Rahmen einer Sendung jede Woche aufs Neue ihr Talent mittels verschiedener Kreationen beweisen  – das kennen eingefleischte Heidi-Klum-Fans schon von dem Emmy-prämierten US-Hit "Project Runway."
Was es hierzulande noch nicht gibt, kann aber noch werden. Also schnappt sich ProSieben mit Claudia Schiffer ebenfalls einen in die Jahre gekommenen deutschen Exportschlager, kopiert munter das amerikanische Vorbild und fügt noch eine Prise Teleshopping hinzu. Als Jury fungieren nämlich niemand geringeres als ehemalige die Cosmopolitan-Chefin und jetzige s.Oliver-Einkäuferin Petra Winter sowie Vertreter des britischen Online-Stores Asos und Karstadt. Gefällt ihnen die Klamotte, müssen sie dafür bieten. Wer am meisten Geld hinblättert, darf das Designerstück schon einen Tag nach der Ausstrahlung an die Modefans in Deutschland verkaufen. Zusammengefasst ist "Fashion Hero" also ein zweistündiger Werbespot für die vertretenden Firmen. Moderiert von der ProSieben Allzweck-Waffe Steven Gätjen.
Immerhin geht es bei "Fashion Hero" aber tatsächlich um Talent und nicht um die schrägste Persönlichkeit oder das tragischste Schicksal. Schließlich wollen die Einkäufer nur das in ihren Läden hängen haben, von dem sie glauben es würde sich gut verkaufen. Das gibt Pluspunkte für die Glaubwürdigkeit.
Das Problem: Außer einem zugegeben verhaltenen Bieterwettstreit passiert halt nicht viel. Models laufen mit den Kreationen der Designer über den Laufsteg. Die Jury gibt ihre Gebote ab, die Designer freuen sich oder eben nicht. Und Claudia Schiffer macht sich genauso rar, wie in den Jahren nach ihrer Modelkarriere. Ab und zu sagt sie Sachen wie "Supersexy" und "Wow" –  das war´s. Spannung? Abwechslung? Fehlanzeige! Da wünscht man sich fast schon die Klum mit ihrem zumindest gekünstelten Nervenkitzel zurück.
"Fashion Hero" zielt auf junge Fashionvictims und Leute, die sich lieber hübsche Klamotten angucken, statt Mario Barth auf der Suche nach Steuerverschwendung zu verfolgen. Eine Sendung, die GNTM-Fans sicherlich ganz nett finden. Aber davon gibt es ja bekanntlich auch nicht mehr viele.

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