Die HuffPost, das klickende Ausrufezeichen

Nun ist sie also da, die deutsche Huffington Post. Und alle, die sich verwundert die Augen reiben wegen der riesigen Lettern in den Überschriften und den vielen, vielen Ausrufezeichen, haben wahrscheinlich noch nie das us-amerikanische Original angesteuert. Die deutsche HuffPost sieht zum Start so übergeigt und marktschreierisch aus, wie eine HuffPost-Ausgabe eben ausschaut. Dazu gibt es eine Riege prominenter Gastautoren, ein seltsames Good-News-Ressort aber kein Sport-Ressort.

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Das Ressort “Good” ist eine der Eigenheiten der deutschen Huffington Post. Dort sollen die Leser etwas Positives finden, wenn sie deprimiert sind, erzählte Gründerin Arianna Huffington auf der Pressekonferenz zum Start. Offenbar ist das Ressort mit Knalltüten-Meldungen wie “So gelingt Ihnen ein stressfreier Umzug”, “Kleiner Nager trinkt aus Red Bull Dose” oder “O sole mio” (über Michelle Hunzikers zweites Kind namens Sole) für die miesepetrigen Depri-Deutschen gedacht, denen ein bisschen gnadenloser US-Optimismus eingeflößt werden soll.

Bemerkenswert, dass man ein solches Kuschel-Ressort zum Start an Bord hat, auf ein eigenes Sport-Ressort aber zunächst verzichtet. Immerhin zählen Sport-Stories hierzulande und auch anderswo auf der Welt zu den beliebtesten Web-Inhalten. Stattdessen gibt es bei der HuffPost noch die Ressorts Politik, Wirtschaft, Entertainment, Lifestyle, Tech und Video. Bei letzterem wird getreu dem bewährten Focus-Online-Style ein “Nackt-Video” von Lady Gaga präsentiert. Die Klick-Profis wissen halt, was läuft …

Der Aufmacher zum Start der deutschen Huffington Post ist eine politische Geschichte und natürlich eine exklusive. Zum Start hat man Geld für eine exklusive Infratest-Umfrage ausgegeben, die ergeben hat, dass sich angeblich jeder dritte Deutsche Neuwahlen wünscht. Dazu die überdrehte Zeile: “Regiert endlich! Schon jeder dritte Deutsche will Neuwahlen” – geradeso, als ob es schon eine Regierung gäbe, die regieren könnte.

Der Stil der Huffington Post ist gewiss nicht das publizistische Florett. Darum braucht man sich über solche Zeilen auch nicht groß wundern, bzw. aufregen. Zum Start mit dabei sind neben dem wohl unwahrscheinlichsten Editorial Director aller Zeiten, Cherno “der Fernsehschmunzler” Jobatey, ein Sammelsurium prominenter Gastautoren wie Ursula von der Leyen, Noch-Telekom-Chef René Obermann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, Karstadt-Investor Nicolas Berggruen, Boris Becker, Uschi Glas und viele andere mehr, die nicht bei Drei auf den Bäumen waren.

Während der Präsentation der Seite haben die Verantwortlichen so getan, als seien all diese Figuren nun tatsächlich als “Blogger” der HuffPost an Bord. Gerade so, als ob Ursula von der Leyen oder Robert Zollitsch jetzt jede Woche ihr HuffPost-Blog pflegen würden. Das ist natürlich Quatsch. Wahrscheinlich haben sich die Promis zum Start bequemt, einen Gastbeitrag beizusteuern – nicht mehr, nicht weniger.

Bezeichnend auch, dass die Rubrik “Blogs” in der Hauptnavigation der Seite (noch) fehlt. Offenbar ist man noch dabei, da Überzeugungsarbeit zu leisten. Zum Start ist die HuffPost erkennbar bemüht, eigene Stories in den Vordergrund zu stellen. Das Label “exklusiv” prangt hier und da. Man findet aber auch die üblichen, so genannten kuratierten Geschichten mit Verweise auf Spiegel Online, Welt.de, die Partner-Websites Focus Online und Chips.de usw.

Die deutsche Huffington Post ist also da und sie sieht aus wie eine Huffington Post eben aussieht: ein bisschen schrill, ein bisschen unübersichtlich, gnadenlos aufs Leser- und Klick-Interesse hin optimiert und mit ganz, ganz vielen Ausrufezeichen. Es ist zu vermuten, dass diese Website weder den Untergang noch die Zukunft des Journalismus darstellt. Die deutsche Huffington Post ist einfach nur noch eine laute Website mehr.

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