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Die ehrgeizigen Ziele der deutschen HuffPost

Die deutsche Huffington Post ist online. Mit einer Pressekonferenz im Münchner Literaturhaus gaben die Macher der amerikanische HuffPost und die deutschen Partner der Tomorrow Focus AG die Nachrichtenseite am Donnerstag frei. Bereits im dritten Jahr soll die HuffPost Deutschland profitabel arbeiten, sagte ToFo-Manager Christoph Schuh. In drei Jahren will die ToFo AG drei Millionen Euro investieren. Innerhalb von drei bis fünf Jahren soll die Seite ein Top-Player sein.

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"Der Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist die neue Unterhaltung", sagte HuffPost-Gründerin Arianna Huffington zum Start der News-Website. Die bereits im Vorfeld ihres Launches für großen Wirbel sorgte, vor allem wegen des Ansatzes, einen Teil der Seite mit Blogger-Texten zu bestücken, für die kein Honorar gezahlt wird. Huffington betone in ihrer Rede allerdings auch, dass sie auch klassische, lange journalistische Stücke auf der Seite haben will. Die US-HuffPost gewann mit einer Story immerhin schon einen Pulitzer.
Recht aufschlussreich waren die Erklärungen von HuffPost-CEO Jimmy Maymann und ToFo-Manager Christoph Schuh. Da die ToFo AG börsennotiert ist, müssen die Zahlen auf den Tisch und die Shareholder überzeugt werden, dass sich das Investment auch lohnt. Intern war die wichtigste Frage vor Abschluss der Kooperation aus nachvollziehbaren Gründen: Wird eine solche News-Website in Deutschland, einem dicht besetzten Markt, auch Geld verdienen können? ToFo-Mann Schuh will das Angebot bereits im dritten Jahr profitabel bekommen. Sogar die Rendite hat man schon festgelegt – es sollen 15 Prozent werden.
Die ToFo AG investiert drei Millionen Euro in den ersten drei Jahren – eine recht überschaubare Summe. Ebenfalls in drei Jahren sollen die bisher 15 Redakteure auf 30 gewachsen sein. Innerhalb von drei bis fünf Jahren soll die deutsche HuffPost zu den Top5 bis Top3-Angeboten im Markt zählen, sagen die Macher optimistisch. Nicht nur habe die Seite die ToFo AG im Rücken, sondern auch Hubert Burda Media mit 1.000 Journalisten, sagte Christoph Schuh. Die HuffPost passe zur Strategie der ToFo AG, sagte deren CEO Toon Bouten. Die HuffPost sei ein "global icon of modern online news".

Gründerin Huffington sieht das Angebot nicht als Gegenmodell zu bereits bestehenden Nachrichten-Websites. Diese Sicht sei "sehr männlich". Frauen setzen eher auf Zusammenarbeit, darum gehe es auch bei der HuffPost. Die Seite geben Leuten eine Stimme, die bisher nicht zu Wort kamen. Kritik an der Seite und den Methoden, Inhalte zu aggregieren, registriere sie, aber: "Die Leute müssen uns erst kennen lernen." Keinesfalls richtig sei der Eindruck, die HuffPost mache Journalismus "on the cheap", also auf die Billig-Tour.

Editorial Director Cherno Jobatey und Chefredakteur Sebastian Matthes waren auch da. Matthes bekräftigte, dass er "in wenigen Wochen" an Bord sein werde, Jobatey bekräftigte, er werde zwei Tage in der Woche in München sein – und ja, er werde für seinen Job auch bezahlt. Zwischendurch menschelte es ein wenig: Huffington lobte den TV-Moderator Jobatey "trotz des fortgeschrittenen Alters" – er bringe Erfahrung mit, habe ja auch schon viele Jobs gemacht, selbst Blumenausträger sei er gewesen. "Ein weiteres Ziel von mir ist, Cherno zu verheiraten", sagte Huffington dann noch. "Bist du verrückt, wir sind hier doch bei deutschen Medien", antwortete Jobatey leicht entsetzt. "Ich will mit den deutschen Medien einen sehr engen Kontakt", lautete die schlagfertige Antwort.

Moderator Wolfram Kons fragte Arianna Huffington auch, ob sie das deutsche Wort "Leistungsschutzrecht" kenne. Kannte sie nicht. Die deutschen HuffPost-Vorturner Jobatey und Matthes bekräftigten, man werde "deutsches Recht nicht brechen". Was vermutlich auch niemand erwartet hat. Klar ist, das wird in vielen Wortäußerungen deutlich: Die Technik hinter der optisch eher gewöhnungsbedürften Seite soll Standards setzen.

Am Vorabend des Starts hatte Hubert Burda, zu dessen Medienunternehmen die ToFo AG gehört, zu einem Abendessen eingeladen. Anwesend war auch der deutsche Regionalzeitungsverleger Dirk Ippen. Er wünschte dem Projekt viel Erfolg – was man zumindest offiziell nicht von allen deutschen Verlegern sagen kann. Ippen hatte ein schönes Zitat von Mark Twain mitgebracht: Das Prinzip Zeitung sei eine Nation, die zu sich selbst spricht. Dieser Anspruch könne mit dem Internet nun endlich eingelöst werden.   

Anmerkung: Zunächst hatte es in diesem Beitrag geheißen, der Break-Even solle im zweiten Jahr erreicht werden. Das Ziel ist Break-even im dritten Jahr, also nach zwei Jahren.

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