Fox setzt Redakteure vor Riesen-„iPads“

In den USA ist alles größer, auch die Newsrooms. Den größten, teuersten und wohl auch fortschrittlichsten Newsroom hat nun der konservative US-Sender Fox präsentiert. Im Web erntet Fox schon allerlei Häme für die riesigen, iPad-artigen Bildschirme, vor denen die Redaktion live on Air arbeiten muss. Aber tatsächlich liefert der Sender auch gute Ideen, wie sich News unmittelbarer berichten lassen. Ein Modell, das deutsche TV-Newsrooms mit ihren Bluewalls und Greenscreens recht schnell alt aussehen lässt. MEEDIA verrät die Details.

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Auffälligstes Merkmal des neuen News-Studios ist die Redaktion selbst. Diese wird nicht mehr im Hintergrund virtuell eingespielt oder ist durch eine Glasscheibe optisch getrennt. Die Redakteure sitzen tatsächlich mit ihm Studio und sollen die Inhalte vor laufenden Kameras produzieren. Dazu sitzen sie vor 55 Zoll großen Riesen-Bildschirmen, die sich per Touchgesten bedienen lassen und aussehen wie aufgeblähte iPads. Die sollen offenbar nicht nur cool aussehen, sondern auch cool klingen: "BATs", nennt Fox-News-Anchorman Shepard Smith die Geräte. Die Abkürzung für "Big Area Touchscreens".
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Im Live-Betrieb soll der Show-Producer dann im Handumdrehen auf einen der Rechner umschalten können, an dem ein Redakteur etwa per Touchgeste auf einen Kartenabschnitt heranzoomt. Der Fokus soll hier auf Geschwindigkeit liegen. So müsste ein Video nicht mehr aufgenommen, produziert und eingespielt werden. Der Producer arbeitet live, das Publikum schaut zu.
Smith wird zudem Herr über eine 11,5 Meter lange Videowand, die er mit einem Gerät steuert, das ein wenig an den Nintendo-Controller der Spielekonsole Wii erinnert. Per Infrarot lassen sich Bilder hin- und herschieben, Inhalte wegwischen und Informationen anzeigen. Weitere “Live-News” laufen zudem auf eine mehrere Meter hohen Twitter-Wall auf und werden dort in drei Spalten gegliedert: “Berichtenswert”, “laufende Recherche” und “bestätigt”.
Und was soll nun das Technik-Klimbim? Fox News verspricht sich davon eine stärkere Bindung an ein Publikum, das Nachrichten nicht mehr linear konsumiert. Der Sender will die News dann on air bringen, wenn sie in den sozialen Medien aufschlagen. Damit besteht natürlich die Gefahr, dass Producer zum reinen Vermittler von Informationen degradiert werden und Recherche in den Hintergrund rückt. Um sicher zu gehen, soll die Redaktion transparent auf viele Quelle zugreifen. Ob das ausreicht, um subjektiv zu berichten? Der Aufbau des neuen Studios soll einer nicht näher genannte hohe Summe gekostet und einen Monat etliche Handwerker, Elektriker und IT-Fachleute beschäftigt haben. Bevor die neue Technik live ging, haben die Redakteure und Producer nach eigenen Angaben wochenlang trainiert.
Beim Web-TV-Ableger der Huffington Post erzählte man sich zum Start schon Witze, ob Fox denn nun einfach ein Dutzend riesige iPads bestellt oder kurzerhand die Redakteure geschrumpft habe. Auch The Verge zieht ein vernichtendes Fazit und schreibt: “Wenn Du die Nachrichten nicht besser machen kannst, mach sie einfach größer.” Neben der Tatsache, dass die neue Sendetechnik an Gigantomanie grenzt, dürfte die Häme aber vor allem der rechtslastigen und Obama-feindlichen Berichterstattung des US-Senders geschuldet sein. Denn de facto liefert das neue Fox-Studie allerlei gute Ansätze für den Newsroom der Zukunft. Die wichtigste Neuerung dürfte wohl sein, dass Zuschauer nicht mehr die News nacherzählt bekommen, die sie schon den ganzen Tag am Rechner, auf dem Smartphone oder dem Tablet verfolgt haben, sondern Ereignisse dann live von Journalisten aufbereitet werden, wenn sie passieren.

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