Der Börsengang des Bergdoktors missglückt

Das hat man länger nicht gesehen: Ein Verlag wagt sich an die Aktienmärkte. Leider jedoch wenig erfolgreich: Das IPO von Bastei-Lübbe geriet gestern zur veritablen Enttäuschung. Der Kölner Anbieter von Kiosk-Romanen wie "Der Bergdoktor" oder "Jerry Cotton" musste den anvisierten Ausgabekurs zunächst senken und notierte am ersten Handelstag dennoch darunter. Mit den Emissionserlösen von lediglich 30 Millionen Euro soll die Digitalisierung und Internationalisierung forciert werden.

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Der Schnäppchenpreis lockte nicht: Ganze 7,50 Euro kostete am Ende eine Aktie von Bastei Lübbe, nachdem zuvor in der sogenannten Bookbuilding-Phase noch eine Kurstaxe von 9 bis 11 Euro anvisiert worden war – doch das Käuferinteresse  war einfach zu gering.

Selbst auf deutlich ermäßigtem Niveau konnte der Groschenroman-Anbieter Anleger nicht begeistern: Die Bastei-Lübbe-Aktie startete gestern wenige Cent über dem Ausgabekurs, um dann schnell im roten Terrain zu notieren. Am Ende blieb ein marginales Minus von 10 Cent oder 1,5 Prozent auf 7,40 Euro.

Nicht alle Aktien platziert: Zeichner-Interesse gering

Dabei steht der Kölner Verlag solide da: Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Bastei Lübbe bei Umsätzen von 97 Millionen Euro  ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von immerhin knapp  11 Millionen Euro. Bei einer Marktkapitalisierung von nur 75 Millionen kommt Bastei-Lübbe damit auf eine günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7.

Doch das Zeichner-Interesse  war gering: Lediglich vier der angebotenen 5,3 Millionen Aktien wurden tatsächlich verkauft. Bastei Lübbe nahm durch den ermäßigten Ausgabepreis und des reduzierten Aktienbestands lediglich 30 statt der anvisierten 58 Millionen Euro ein.

Anleger honorieren Digitalisierung bislang nicht

"Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung können wir unsere Vorreiterrolle in der Entwicklung, Digitalisierung und Internationalisierung eigener Stoffe weiter ausbauen", hatte Verlagserbe Stefan Lübbe im Vorfeld erklärt. Auch Erfolgsautoren wie Dan Brown und Ken Follett zählen neuerdings zum Portfolio der Kölner.

Der Kölner Verlag, der im letzten Geschäftsjahr rund 12 Millionen Hefte verkaufen konnte, setzt unterdessen verstärkt auf das Internet. So bereitet Bastei Lübbe inzwischen Serienromane auch digital auf. Nach der Mystery-Reihe "Apocalypsis" hat Bastei Lübbe zuletzt auch "Verbotene Liebe" als App-Angebot gestartet.

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