“Helden”-Macher rechnet mit TV-Kritikern ab

In der vergangenen Woche wurde der mit großem Aufwand beworbene teuerste RTL-Film aller Zeiten, “Helden”, von TV-Kritikern einhellig verrissen. Spiegel Online z.B. schrieb: “Sehenswert ist an ‘Helden’ aber leider nur eine einzige Szene - ein schwarzes Loch verschluckt Yvonne Catterfeld”. In der Fachzeitschrift Blickpunkt Film hat der Regisseur des Films, Hansjörg Thurn, nun einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er seinerseits mit Filmkritikern abrechnet.

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Mit “viel Amüsement” habe er die Medienresonanz auf “unsern (sic!) ‘Helden’” verfolgt, schreibt Hansjörg Thurn bei Blickpunkt Film in seinem offenen Brief, der sich an “Kollegen und Mitstreiter” richtet, als eigentliches Ziel aber die zahlreichen Kritiker an dem TV-Machwerk haben dürfte. “Eigentlich bin ich zu lange schon in diesem Beruf, um Fernsehkritiken zu lesen geschweige denn ernst zu nehmen. Aber in diesem Fall wurden sie mir – trotz meiner aktuellen Dreharbeiten – von allen Seiten her aufgedrängt”, so Thurn. “Eigentlich” würde ihn so etwas ja gar nicht interessieren, betont der Regisseur, die Kritiken hätten ihn “amüsiert”, Fernsehkritiker sei ein “lustiger Beruf”, es sei eine “lustige Resonanz” auf den Film gewesen usw. Der Regisseur ist erkennbar bemüht, den Eindruck zu erwecken, dass er über der Sache steht, dass ihn die geballte Kritik an “Helden” nur “amüsiert”.

Und doch verrät sein Brief, wie tief ihn die Kritik getroffen haben muss, denn Thurn keilt zurück. So räsoniert er darüber, dass der Beruf des Fernsehkritikers eine “eigenartige Spielart unseres Kulturlebens” sei, der der Tradition des Vorkosters entstamme: “Vorzugsweise nahm man für diesen Beruf Personen, deren Verlust am Hofe niemandes Bedauern hervor gerufen hätte.” Er könne zudem nicht verstehen, woher dieser “fast pöbelhafte Zorn”, dieser “akute Beissreflex” seinem Film gegenüber herrühre: “Wir haben in unserem Film weder faschistoide noch pädophile Tendenzen, wir rufen weder zur Gewalt gegen Minderheiten auf und haben auch keine versteckten religiösen Terrordrohungen zwischen den Szenen versteckt.”

Die einfache und naheliegende Erklärung, dass der Film dramaturgisch, schauspielerisch, inszenatorisch Mist war, kommt dem Schöpfer des Streifens nicht in den Sinn. Stattdessen bemüht er das Klischee vom miesepetrigen Kritiker, die sich angeblich nicht an einfacher Unterhaltung erfreuen kann: “Vielleicht ist es die leichte Unterhaltung, das Entertainment, der Geruch von Popcorn, den sie hier wittern und aufs Schärfste bekämpfen wollen.” Dabei war in fast jeder Kritik zu “Helden” zu lesen, dass dies eben nicht der Grund für den Verriss war. Kaum ein Kritiker hat etwas gegen gut gemachte Popcorn-Unterhaltung. Wohl aber gegen miserabel gemachte.

Und dann noch das billigste Argument von allen: Die Crew habe ganz viel Spaß beim Dreh gehabt: “Aber wir hatten Spaß dabei, jeden einzelnen Tag lang. Ich bezweifle, dass auch nur ein einziger der Kritiker, die ihre Häme in die MacBooks oder Vaios getippt haben, bei seiner Arbeit auch nur einen Fingerhut voll von dem Spaß hatte, der uns alle getrieben hat. Vielleicht ist das der Grund für ihren eigenartigen Zorn. Ich möchte wirklich nicht mit ihnen tauschen.” Will heißen: Nach Meinung des Regisseurs ist nicht das Endprodukt entscheidend für die Bewertung eines Films, sondern, dass die Macher Spaß an der Arbeit hatten?

Am Ende seines Briefes redet sich Hansjörg Thurn dann auch noch die Quoten schön. Nach dem Motto: Dem Publikum hat es aber gefallen. Die Zuschauer haben sich übrigens von den Kritiken nicht abhalten lassen, den Film anzuschauen. 17,7 Prozent Zuschauerbeteiligung bei den 14-49jährigen und sogar 18,4 Prozent bei den 14-59jährigen ist für den Sender RTL ein sehr stattliches Ergebnis”, schreibt er. Dabei blieb der Film gemessen an dem immensen Werbe-Aufwand und Budget aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dass sich ein Regisseur von derart geballter Kritik, wie sie an “Helden” geübt wurde, getroffen fühlt, ist nur allzu verständlich. Wie Hansjörg Thurn allerdings mit der Kritik umgeht, zeigt, dass er Sinn und Zweck einer TV-Kritik nicht im Ansatz verstanden hat.

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