Die Gratwanderung des Mathias Döpfner

Zum Auftakt der World Publishing Expo des Zeitungs-Weltverbandes WAN-IFRA sprachen Springer-Vorstandsboss Mathias Döpfner und Andrew Miller, CEO des Guardian. Besonders interessant hätte sein können, wie Döpfner die Springer-Strategie international verkauft. Die Antwort: Genauso wie im Inland. Die Botschaft lautet: "Wenn wir es richtig anstellen, liegen die besten Zeiten noch vor uns." Döpfner befindet sich mit diesem Motto aber auf einer Gratwanderung.

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Der Verkauf eines dicken Pakets von Zeitungen und Zeitschriften an die Funke Mediengruppe bedeutet nicht das Ende des Verlagswesens und auch nicht das Ende von Springer als Medienhaus. Das ist die eine Seite. Die andere aber ist: Trotz aller Beteuerungen, dass im Journalismus künftig nur noch "die Story" zähle – so Döpfner bei seinem Auftritt in Berlin – bleibt doch der Verdacht hängen, dass für Springer, wenn es drauf ankommt, der Shareholder Value wichtiger ist als die Story.

Damit kann man leben, natürlich. Das Haus ist schließlich börsennotiert, mit allen Vor- und Nachteilen. Doch natürlich fragt sich auch eine internationale Schar von Zeitungsmanagern und Journalisten auf der World Publishing Expo: Was können wir von einem Mann lernen, der gerade einen erklecklichen Teil seines Verlagswesens abgestoßen hat?

Die Antwort ist so vielschichtig wie Springer selbst. Das Unternehmen lässt zumindest zurzeit keine eindeutige Analyse zu. Viel hängt davon ab, was Springer als nächstes macht. Kauft man eine weitere Rubriken-Plattform? Entwickelt man das deutsche Buzzfeed? Also: Döpfners Entscheidung, Print zu verkaufen, war eine vermutlich recht rationale. Aber eine, die viele seiner goldenen Worte etwas matter glänzen lässt.

Auf der anderen Seite aber ist kein anderes Medienhaus derzeit so experimentierfreudig wie Springer. Am Sonntag veranstaltete man einen Hackday, bei dem eine Reihe ganz interessanter Anwendungen herauskam. Es ist also keineswegs so, dass Inhalte Döpfner in Wahrheit nichts mehr gelten. Während die Branche rätselt, wie sich das teure Bezahlmodell der Bild-Zeitung im Netz refinanzieren soll, werden unter dem Radar zahlreiche Initiativen angestoßen. Axel Springer bleibt damit in einer Art Lauerstellung.

Döpfner wiederholte auf der Expo seine Forderung, Zeitungen müssten sich vom Trägermedium Papier emanzipieren. Sein Kollege Andrew Miller vom Guardian brachte es dann auf die Formel: "Es geht nicht darum, Zeitungen zu retten; es geht darum, Journalismus zu schützen und ihn wachsen zu lassen." Der Nutzer, den Miller als "consumer" bezeichnete, müsse den Weg vorgeben. Miller sieht es offenbar so: Während Verlage bei der Transformation ihres Journalismus fast am Anfang stehen, sind die Nutzer bereits viel weiter.

Der Guardian leistet sich seit Jahren ein dickes Minus in der Bilanz – das Blatt wird von einer Stiftung getragen. Aus dieser Position heraus lässt sich die digitale Medien-Revolution freilich etwas anders angehen, als dies klassischen Medienhäusern möglich ist. Insofern sind viele Standpunkte von Springer und Guardian deckungsgleich, die Ausgangslöage ist allerdings eine andere.

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