Sat.1 und Pocher versemmeln Fernsehpreis

Vermutlich haben Deutschlands TV-Kritiker bei der Aftershow am späten Mittwochabend zusammengestanden und gewettet, wer den besten Verriss der soeben zu Ende gegangenen Verleihung des Deutschen Fernsehpreises schreiben kann. Die von Sat.1 ausgerichtete Show ist derart in die Hose gegangen, dass sie nicht nur den eigenen Sender, sondern auch dem Fernsehen an sich schadete. Die SZ orakelt schon, dass es in dieser Form keine Neuauflage geben wird.

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Es waren – mit Ausnahme des Preises für das ZDFneo-Experiment "Auf der Flucht" – nicht so sehr die Jury-Entscheidungen, die die Kritiker erzürnte. Es war die lieblose Veranstaltung an sich, die Wurstigkeit, mit der Oliver Pocher an der Seite von Cindy von Marzahn die als TV-Spektakel gedachte Show wegmoderierte. Der Ausstrahlungstermin am Freitag um 22.15 zeigt schon, dass der Sender, der dieses Jahr turnusmäßig an der Reihe war, sich nicht allzu viel vorgenommen hatte.Die Stimmen zur Verleihung:
Hans Hoff, Süddeutsche Zeitung
"Niemals in der an Tiefpunkten durchaus nicht armen Geschichte des Viersenderpreises wurde eine Gala derart lieblos heruntergerattert. Niemals vorher gab es solch eine uninspirierte Dramaturgie, und niemals vorher gab es einen wie Oliver Pocher….Er versemmelte jede Menge Gags durch miserables Timing und machte mehrfach deutlich, dass er ‚egal‘ als Haltung missversteht….Könnte also gut sein, dass es nach 2014 keinen Fernsehpreis in dieser Form mehr geben wird."

Alexander Kühn, Spiegel Online
"Unter konsequenter Vermeidung von Esprit, Witz, Herzlichkeit, Charme, Überraschungen und allem, was sich sonst bei Preisverleihungen bewährt hat, wurde die Tagesordnung abgearbeitet wie auf der Jahreshauptversammlung eines Gesangvereins….Die Gäste der After-Show-Party waren gespalten. Die einen vertraten die Meinung, gerade der lieblosesten Verleihung des Deutschen Fernsehpreises seit der Moderation von Marco Schreyl und Nazan Eckes beigewohnt zu haben. Die anderen waren sicher, die unwürdigste Darbietung seit der ersten Gala 1998 gesehen zu haben."

David Denk, taz
"Einsamer humoristischer Höhepunkt des Abends war ausgerechnet Piet Klockes Laudatio auf Fischer: Klar ist das 90er-Jahre-Humor, aber mit seinem sicheren Gespür für Timing, die präzise gesetzten Pointen deklassierte Klocke alle anderen, die am Mittwochabend auf der Bühne versuchten, lustig zu sein. Nebenbei kaschierte Klockes gewohnt sprunghaft-wirre Rede schön, dass die Auszeichnung Fischers für sein Lebenswerk nicht unbedingt zwingend war."

Michael Hanfeld, FAZ
"Nehmen wir an, jemand käme von der Verleihung der Emmys in Amerika zum Deutschen Fernsehpreis. Er würde, so er die ersten Minuten überstanden hätte, nicht darauf kommen, dass es hier um dieselbe Sache geht – außergewöhnliches Fernsehen auszuzeichnen. Der Besucher aus Amerika würde auf die Datumsanzeige seiner Uhr schauen, um sich zu vergewissern, dass wir nicht im Jahr 1973 sind. Und er würde seinen Nachbarn fragen, wie viele Programme es eigentlich in dieser Fernsehlandschaft gibt. Für die äußere Mongolei, würde er sich denken, ist das eigentlich gar nicht schlecht. Garagenfernsehen in der Dritten Welt."

Joachim Huber, Tagesspiegel
"Die Verleihung gehorchte ansonsten einer einfachen Regel. Vier Sender jagen ein Jahr lang den Trophäen nach, und am Ende gewinnen immer ARD und ZDF."

Ulli Tückmantel, Rheinische Post
"Während die vier wichtigsten Preise irgendwie in Ordnung gehen, war sonst nur televisionärer Schrott am Start: Wer als "Beste Unterhaltung Show" die Flop-Formate "Go to Dance" (Sieger, ProSieben), "Let’s Dance" (RTL) und "The Voice Kids" (Sat.1) nominiert, stellt damit zwar sicher, dass nicht alle Preise an ARD und ZDF gehen. Aber ebenso wie die Nominierungen von "Auf der Flucht: das Experiment (ZDFneo), "Berlin – Tag & Nacht" (RTL2) und "Shopping Queen" als "Beste Unterhaltung Doku" belegt das, auf welch unerträglichem Niveau sich Fernsehunterhaltung in Deutschland bewegt."

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