Madsack plant Zeitungs-Zentralredaktion

Die Mediengruppe Madsack führt eine Zentralredaktion für ihre Zeitungen ein. Die Redaktion soll die überregionalen Inhalte für Titel wie Hannoversche Allgemeine, Leipziger Volkszeitung und Märkische Allgemeine liefern. Die Blätter sollen sich auf ihre "regionale Kompetenz" konzentrieren. Die Zentralredaktion ist Teil des Zukunftsprogramms "Madsack 2018". Auch im Verlag wird zentralisiert, im Vertrieb, bei der Vermarktung und Logistik. Madsack-Chef Thomas Düffert sieht sich in der Rolle des "aktiven Konsolidierers".

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Am Mittwoch trafen sich rund 100 Führungskräfte der Mediengruppe, die etwa 4.500 Mitarbeiter beschäftigt, zu einer Strategietagung in Hannover. Dort verkündete die Führungsspitze, zu der neben Thomas Düffert auch Sven Fischer und Christoph Rüth gehören, erste Eckpunkte über "Madsack 2018". Zum Madsack-Reich gehören 18 regionale Tageszeitungen – für die der Verlag in den vergangenen Jahren in die Tasche griff. So kauften die Hannoveraner der Axel Springer AG eine Reihe von Zeitungsbeteiligungen ab, von der FAZ übernahmen sie die Märkische Allgemeine.
Madsack gehört zu den größten deutschen Regionalverlagen – der Außenumsatz lag 2012 bei 671,5 Millionen Euro. Zwar verbuchte der Konzern im vergangenen jahr einen fehlbetrag von 14,4 Millionen Euro, doch knapp 20 Millionen wuren in neue Unternehmungen gesteckt, wie etwa die Märkische Allgemeine. 2011 erreichte Madsack ein Plus von 8,5 Millionen Euro. Den Niedersachsen geht es also vergleichsweise gut.
Doch so gut nun wieder auch nicht, als dass man sich weiter für alle Zeitungen im Haus eine Vollredaktion leisten möchte. Die Zentralredaktion soll noch 2013 aufgebaut werden und für alle Madsack –Blätter arbeiten und auch deren überregionale Seiten fertig produzieren. Auf Nachfrage heißt es, dass die Zeitungen ihren eigenständigen Auftritt behalten sollen, also: es soll nicht einen Mantelteil für alle Blätter geben, sondern nach wie vor individuelle Mäntel. Aber, davon wird man ausgehen müssen – etwas gleicher wird es dann schon zugehen.
Zentralredaktionen für Zeitungsgruppen sind keine ganz neue Idee. Am branchen-bekanntesten ist vermutlich die Zentralredaktion der Funke Mediengruppe in Essen, der drei Zeitungen mit überregionalen Inhalten versorgt. Auch DuMont hatte für Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau einst eine gemeinsame Mantelredaktion in Berlin aufgebaut. Die Zahl der Vollredaktionen, die für eine Zeitung einen Mantel produzieren, nimmt seit Jahren ab. In allen Fällen wird betont, dass ein solcher Schritt den Fokus auf die regionalen Inhalte richtet.  
Das Konzept für die künftige Redaktionsorganisation –bei Madsack spricht man vom "Leitbild einer klug vernetzten Redaktion" – erarbeiten Thoralf Cleven (Chefredakteur MAZ), Jan Emendörfer (Chefredakteur LVZ), Hendrik Brandt und Matthias Koch (Chefredakteure HAZ) sowie Entwicklungschefredakteur Uwe Dulias. Die sagen unisono: "Die Journalisten in den Redaktionen der einzelnen Titel konzentrieren sich auf ihre lokalen und regionalen Themen – die Journalisten in der Zentralredaktion kümmern sich für alle Print- und Digital-Publikationen der Gruppe um alle überregionalen Themen – von der Recherche über das Schreiben bis zur Seitenproduktion". Das Berliner Büro, aus dem die politische Berichterstattung aus der Hauptstadt für alle Madsack-Titel geliefert wird, soll unverändert weiter bestehen. 
Wo zusammengelegt wird oder "Größenvorteile konsequent ausgenutzt werden", fallen in der Regel Stellen weg. Doch hier gaben die Madsack-Chefs in ihrem Zukunftsprogramm bisher keine Auskunft. Dafür werden Wachstumsfelder identifiziert, darunter das Postgeschäft und Services für kleine und mittlere Unternehmen. Auf dem Plan stünden eine "Vielzahl von Projekten", sagte Düffert am Mittwoch.

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