Focus: Politik und Kultur ziehen nach Berlin

Der Focus zieht mit einem Teil seiner Redaktion von München nach Berlin. Am neuen Verlagsstandort Potsdamer Platz werden dann neben den 27 Kollegen im Hauptstadtbüro auch rund 25 Redakteure der Ressorts Politik und Kultur arbeiten. Wirtschaft, Forschung, Sport und Co. verbleiben in der bayerischen Heimat. Focus-Chefredakteur Jörg Quoos verkündete den Umzug am Mittwoch vormittag. Er wolle sich "das Beste aus zwei Welten" nehmen. Ganz ungefährlich ist die Aktion nicht.

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Nicht ungefährlich, weil ein Teilumzug immer eine halbe Sache ist: Ein Teil der Redaktion am Stammsitz von Burda in München, ein anderer Teil in der Hauptstadt. Da ist viel Abstimmungsbedarf vorprogrammiert. Chefredakteur Quoos will an beiden Standorten schalten und walten. Berlin ist das politische Powerhouse der Republik, also Politik dorthin. Kulturell passiert auch mehr in der Hauptstadt – also die Kollegen auch dorthin. Bayern bleibt als Wirtschafts-, Technologie- und Sportstandort dagegen gesetzt, das Wirtschaftsressort solle gestärkt werden. In München sollen weiterhin mehr Redakteure als in Berlin arbeiten. Klingt diese Aufteilung ein wenig konstruiert? Mag sein.
Klar ist nur, dass Quoos trotz einiger Bemühungen und einer Reihe aufmerksamkeitsstarker Geschichten den angeschlagenen Focus noch nicht wieder ganz auf Spur gebracht hat. Die Auflage liegt bei aktuell 541.606 Verkauften. Vor allem der Einzelverkauf lief die vergangenen zwei Quartale mäßig – im zweiten Quartal griffen am Kiosk nur 85.778 Käufer zu dem Magazin – im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von knapp 25.000 Exemplaren in der Woche. Noch im Juli bestätigte Burda, dass knapp zehn Prozent der Belegschaft des Nachrichtenmagazins, was etwa 10 bis 15 Stellen entspricht, abgebaut werden soll. Vielleicht hilft der nun angekündigte Teilumzug ja ein wenig bei der Erfüllung dieser Vorgabe.    
    
Offiziell aber bedeutet der Teilumzug einen inhaltlichen Aufbruch. So verkündete es Quoos auch seiner Mannschaft: "Das ist ein entschlossener Schritt für die Zukunft des Focus." Geschäftsführer Burkhard Graßmann sagt: "Es gibt nur zwei Optionen: Bestehendes verwalten oder in die Offensive gehen – wir haben uns für entschlossenes Angriffsspiel entschieden." Wäre es nicht "entschlossener" gewesen, den ganzen Focus in die Hauptstadt zu hieven? Graßmann: "Die Verwurzelung von Focus im süddeutschen Raum ist ein Alleinstellungsmerkmal, das wir selbstverständlich nicht aufgeben werden." 

Jeder Redakteur der Ressorts Politik und Kultur solle das Angebot erhalten, mit nach Berlin zu ziehen. Welche Optionen die Kollegen haben, die in München bleiben wollen – unklar. Bis im Frühjahr soll der Umzug erledigt sein und alle Kollegen an ihren neuen Plätzen arbeiten. In das Büro am Potsdamer Platz zieht auch Harper’s Bazaar, perspektivisch vermutlich auch Guter Rat und die SuperIllu. Burda-Vorstand Philipp Welte ist ein großer Berlin-Fan – seine Begeisterung für die Hauptstadt, die Möglichkeiten für eine Berichterstattung, die näher an Akteuren aus Politik und Kultur ist, sowie der Handlungsbedarf beim Focus münden nun in den Umbau.     

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