Blogger-Ansturm zu groß für deutsche HuffPo

In zehn Tagen startet die deutsche Huffington Post. Tatsächlich besteht die Möglichkeit, dass die US-Plattform den hiesigen Web-Medienmarkt durcheinander wirbeln könnte. Im Netz tobt eine teils heftige Debatte über das Geschäftsmodell der HuffPost, Blogger ohne Honorar schreiben zu lassen. „Die rege Diskussion um unser Konzept hat den angenehmen Effekt, dass immer mehr Blogger die großen Vorteile unseres Gastautoren-Ansatzes erkennen“, sagt Geschäftsführer Oliver Eckert gegenüber MEEDIA.

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Wichtigster Auslöser der Debatte war ein Mailing der Redaktion an Blogger mit der Frage, ob die Web-Autoren nicht Lust hätten ihre Texte auch bei der Huffington Post zu veröffentlichen. Dafür gäbe es zwar kein Geld, aber jede Menge mediale Aufmerksamkeit und Reichweite. Im Web 2.0 sind das keine Faktoren, die man unterbewerten sollte. Allerdings helfen sie auch erst einmal nicht beim Bezahlen der Miete.

In den USA fußt der Erfolg der Huffington Post zum Teil genau auf diesem System. Zehntausende von Bloggern, Experten und anderen Web-Autoren stellen der AOL-Tochter ihre Texte kostenlos zur Verfügung, in der Hoffnung sich so einen gewissen Web-Ruhm zu erschreiben, der sich dann wiederum monetarisieren lässt.
Genau dieses Geschäftsmodell, inklusive der Aggregation von Inhalten anderer Medien, veranlasste den Springer-CEO Mathias Döpfner im Frühjahr bereits zu seiner Aussage, dass die Huffington Post „das Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“ darstelle.

Die aktuelle Diskussion scheint die Arbeit der Münchner Redaktion unter der Aufsicht des neuen designierten Chefredakteurs Sebastian Matthes nicht zu belasten, sondern eher zu beflügeln. Statt eines Shitstorms, kämpfen die zwei Redakteure, die für die Gastautoren zuständig sind, mit einer Flut an Angeboten. „Die zuständigen Redakteure haben mittlerweile so viele Anfragen auf ihren Schreibtischen, dass sie gar nicht mehr alle bis zum Start bearbeiten können“, erzählt Tomorrow Focus-Geschäftsführer Eckert gegenüber MEEDIA.
 
Tatsächlich scheint die Heftigkeit der Debatte hierzulande selbst die US-Medienprofis zu erstaunen. „Ich habe vor kurzem mit Tim Armstrong von AOL gesprochen, der auch sagt, in keinem anderen Land hätten wir eine solche Aufmerksamkeit bekommen. Am 10. Oktober werden sie alle auf die Huffington Post gucken!“, erzählt Toon Bouten, CEO der Tomorrow Focus AG. Unter dem Dach Holidaycheck- und Elitepartner-Mutter entsteht auch die deutsche Ausgabe der Huffington.

Das Angebot als Gastautor für den deutschen Ableger der US-Plattform zu schreiben, richtet sich nicht nur an die einheimischen Star-Blogger: „Wir bieten nicht nur Alpha-Bloggern die Möglichkeit auf der HuffPost zu publizieren“, erklärt Eckert. „Auch Menschen, denen ein eigener Blog viel zu aufwändig ist, die sich aber für ein bestimmtes Thema begeistern, können bei uns sehr einfach ihre Blog-Heimat finden.“

Zum Launch wollen die Münchner mit mindestens 60 Gastautoren starten. „Es wird ein Mix aus bekannten Bloggern, Experten und Prominenten sein – quer durch alle Lebensbereiche.“ Tatsächlich deutet Eckert einige Überraschungen und große Namen an.

Welche Themen besonders gut gehen werden, lässt sich zur Zeit kaum abschätzten. In den USA zeigte sich, dass durch die Gastautoren ganz neue Ressortgenres – von „Scheidung“ bis „Hochzeit“ – erschlossen werden konnten. „Der erfolgreichste Gastbeitrag in der amerikanischen Huffington Post war übrigens ein iPhone-Vertrag, den eine Mutter mit ihrem Sohn geschlossen hat." Er liefert die maximale Schnittmenge aus den populären Themenfeldern Technik und Erziehung und ist zudem „ganz nah dran an der Lebenswelt des normalen Menschen.“

Genau darauf zielt die deutsche Huffington Post ab. Mit Themen und einer Ansprache, die möglichst eng an der Realität des Otto-Normal-Surfers ist, wollen die Münchner ein populäres Webportal aufbauen und so innerhalb der nächsten Jahre zu den größten einheimischen Nachrichten-Portalen aufschließen. Ab 10. Oktober startet der Realitätscheck, ob diese Form des Journalismus auch in Deutschland funktioniert.

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