„Das Supertalent“ im verflixten siebten Jahr

Dieses Jahr wird alles anders. Das versprachen zumindest die "Supertalent"-Macher mit Blick auf die siebte Staffel. Am Samstag ging die Castingshow in eine neue Runde und RTL konnte zeigen, was ihnen in der Kreativpause so eingefallen ist. Und tatsächlich gibt es einige Neuerungen: Die Jury ist erstmalig vierköpfig, der Gewinner kassiert einen Auftritt in Las Vegas und zu guter Letzt gibt es ab sofort neben einem roten Buzzer auch noch einen grünen. Wenn das mal nicht nach einer Revolution im deutschen Fernsehen klingt.

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Die Köpfe rauchten, wochenlang suchte RTL nach des Rätsels Lösung. Wie kann das Quoten-Problemkind "Supertalent" nur gerettet werden? Natürlich! Ein grüner Buzzer muss her, und als Joker setzt man den Kretschmer in die Jury. Schließlich lockt der doch zumindest die "Shopping Queens" hinter dem Ofen hervor. So in etwa muss es ausgesehen haben, als sich die RTL-Macher zum Krisengipfel getroffen haben. Wie erwartet hat der Sender das Prinzip der Castingshows also nicht komplett neu erfunden.   
Im Gegenteil. Statt einem Erfolgs-Comeback macht die Show eher dem bekanntlich verflixten siebten Jahr alle Ehre. Die Moderation des Debakels übernimmt wie immer Daniel Hartwich. Die Jury besteht aus Ex-"Topmodel" Lena Gercke, Guido Maria Kretschmer, Alpha-Juror Dieter Bohlen und Bruce Darnell, der nach Aufmerksamkeit schreit wie ein Dreijähriger, dessen Geschwisterchen gerade auf die Welt gekommen ist. Das Interessante ist aber: Nicht nur Mr. Darnell ist der deutschen Sprache nicht mächtig – auch die anderen Jury-Mitglieder scheinen sich im "Denglischen" pudelwohl zu fühlen. "Deine Stimme war wirklich Special", "Ich denke, dass es also very nice ist" und  "I had really Angst" sind nur einige Beispiele. That´s very unnötig, liebe Jury! Vor allem Guido Maria Kretschmer entpuppte sich als Enttäuschung. Viel zu unauffällig und mit Vergleichen zu Leonardo da Vinci und Victor Hugo eigentlich auch deutlich überqualifiziert für diesen Job. Von spitzen Kommentaren, wie in seiner Erfolgssendung "Shopping Queen" fehlte jede Spur. 
Nach wie vor wird alles und jeder auf die Bühne gelassen. Sänger, Akrobaten, Zauberer, Hasen, Kinder, die noch nicht einmal sprechen können und deswegen unfassbar anstrengend sind und Leute, die pleite sind und die Show gewinnen wollen, um sich selbst und auch allen anderen etwas zu beweisen. Und weil sich die Schicksale der Kandidaten seit sieben Jahren wiederholen, wurde im Rahmen eines Auftritts von Bohlens ersten Produzenten halt einfach mal über die Schicksalsjahre des jungen Dieter Bohlen geplaudert . Der besagte erste Produzent kam dabei natürlich nicht nur in die Show, um der Jury etwas auf seiner Klarinette vorzuspielen, sondern vor allem um den Dieter nach 35 Jahren wiederzusehen. Es gibt ja schließlich sonst keine Mittel und Wege. Und damit auch bloß jeder mitbekommt, wie "magic" dieser Moment ist, ertönt besonders rührselige Musik aus den Boxen. Ach ja, auch hier haben die kreativen Köpfe bei RTL ihre Hausaufgaben also nicht ordentlich gemacht.
 "Wir machen uns bei den Quoten keine Illusionen", sagte der Unterhaltungschef Tom Sänger gegenüber der dpa. Immerhin schätzte der Sender seine Erfolgschancen damit realistischer ein als sämtliche Kandidaten in der Sendung. Denn tatsächlich legte die Show den schwächsten Start seit 2008 hin.

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