Neues Programmie TV kult: leider schlecht

Zum zweiten Mal in wenigen Wochen betritt ein neuer Titel den umkämpften Markt der Programmzeitschriften. Nachdem das Billig-Programmie TV Planer schon nach zwei Ausgaben wieder vom Markt genommen wurde, liegt seit Freitag TV kult an den Kiosken - "Das TV-Magazin für den Klassiker-Fan". Was sich nach einem interessanten Konzept anhört, scheitert in der Realität leider: Das Magazin aus dem kleinen NikMa Verlag ist schlecht gemacht, fällt durch Beliebigkeit auf und ist viel zu teuer. Eine Kritik.

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Wer die anderen Produkte des NikMa Verlags kennt, konnte durchaus eine gewisse Vorfreude auf TV kult verspüren. Das Musikmagazin Good Times und der Ableger Good Times kult, der zweimal im Jahr Retro-Themen aus Popkultur, Medien und dem Leben allgemein aufbereitet, überzeugen mit viel Charme, es sind mit Herzblut gemachte Magazine. So etwas war also auch bei TV kult zu erwarten. Doch wer das Heft zum ersten Mal durchblättert, sieht, dass es die Erwartungshaltung auf keiner Seite befriedigen kann.

Ganze zehn redaktionelle Seiten hat der Verlag dem Magazin im Mantelteil gegönnt – abzüglich von Rätseln und einem Horoskop (!) sind es nur sieben. Dort findet sich dann z.B. eine Doppelseite mit an Beliebigkeit kaum zu überbietenden "News & Facts". Was z.B. hat die Tatsache, dass das ZDF "Wir haben gar kein‘ Trauschein" mit Jutta Speidel und Mann produziert oder die Information über einen neuen Film mit Iris Berben und Wolfgang Fierek in einem Magazin mit dem Namen TV kult zu suchen? Auf einer weiteren Seite wird die Frage "Was macht eigentlich Michael J.Fox?" beantwortet – er ist bekanntermaßen ab diesem Monat in einer neuen NBC-Serie zu sehen, außerdem die Frage "Was wurde aus den Waltons?". Die restliche Doppelseite beschäftigt sich mit Romy Schneider. Das war’s.

Beinahe noch schlechter als der Mantelteil geht es im Programmteil zu. Der besteht für jeden der 14 Tage aus sechs Seiten – fünf mit Listings und einer mit redaktionellen Tipps unter dem Motto "Nur das Beste sehen!". Gerade auf diesen Seiten mit Tipps wird deutlich, dass das Konzept des Magazins, der Begriff "Kult", so schwammig ist, dass selbst die Redaktion nicht weiß, was dazu gehört – und was nicht. Warum zum Beispiel findet sich hier zwischen den meist passenden Film- und Serientipps ("Papillon", "Das Leben des Brian", "Trio mit vier Fäusten") ein Hinweis auf ein Kabarett-Programm mit Florian Schröder? Warum eine aktuelle Folge "Two and a Half Men"? Und vor allem: Warum die neue Tele-5-Puppenshow "Eye-TV"? Was haben diese Tipps mit einem "Magazin für den Klassiker-Fan" zu tun?

Auch die Seiten mit den Listings hinterlassen vor allem Ratlosigkeit. So sind dort "Kultfilme-, Sendungen- bzw. Serien" orange eingefärbt, dass aber so konzeptlos, dass man es sich auch hätte sparen können. So ist am selben Tag die 16.25-Uhr-Folge von "Agentin mit Herz" orange eingefärbt, die 15.40-Uhr-Folge aber nicht.  Und die meisten Programme, die man als "Kult" bezeichnen würde, sind ohnehin nicht eingefärbt. Das zieht sich durch den gesamten Programmteil und verwirrt komplett.

Man bekommt also ein Magazin mit dünnem Manteilteil ohne Lesespaß, einem Programmteil mit verwirrenden Einfärbungen und zum Teil beliebigen Tipps. Nun wäre das alles noch zu verkraften, wenn sich das Magazin in der 1-Euro-Region von TV 14 und TV direkt einordnen würde – auch wenn es selbst dort deutlich mehr Informationen gibt. Doch der tatsächliche Preis von TV kult ist das endgültige Argument, um an einer auch nur wenige Monate dauernden Zukunft zweifeln zu lassen. Es kostet 3,80 Euro. Für den Preis bekommt man zwei Ausgaben von TV digital oder TV Spielfilm, fast vier von TV 14 und TV direkt. Von Magazinen also, die pro Ausgabe mehr als doppelt so dick sind wie TV kult mit seinen dünnen 100 Seiten. Mit anderen Worten: Alles andere als ein gigantischer Verkaufsflop wäre im Fall von TV kult eine Sensation.

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