„Prost Wahlzeit!“: die Bild zur Wahl

Am Samstagmorgen werden Millionen Deutsche nicht schlecht staunen. Ungefragt wird eine Bild in ihrem Briefkasten liegen. Wie schon zum Geburtstag der Boulevard-Zeitung gibt es nun auch zur Wahl eine kostenlose Sonderausgabe. 41 Millionen Exemplare wurden gedruckt und tatsächlich gelang der Redaktion ein recht unterhaltsames Gratisblatt, auch wenn sich die Ausgabe arg platt ins Blatt kalauert. Die Zeilen "Prost Wahlzeit! Ab ins Wahl-Lokal" und "Auf die Zettel fertig, los" sind schon sehr einfach gestrickt.

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Geht es nach dem Chefredakteur Kai Diekmann ist es die wichtigste Aufgabe der Sonderausgabe, die Leser – oder in diesem Fall genauer alle Bürger – für den Urnengang am Sonntag zu motivieren. "Politik und Demokratie können nur funktionieren, wenn die Bürger sich nicht abwenden, nicht frustriert oder gleichgültig mit den Achsen zucken", schreibt er in seinem Editorial. "Politik ist keine Einbahnstraße. Auch die Bürger müssen sich kümmern." Deshalb fordert Diekmann: "Bleiben sie nicht stumm. Bitte, gehen Sie wählen".

Damit ist der Ton der Ausgabe gesetzt. Auf den kommenden 24 Seiten geht es nur noch darum, die Parteien und ihre wichtigsten Köpfe vorzustellen und dem Leser noch einmal klar zu machen, wie wichtig es ist, zur Wahl zu gehen. So soll die Zeitung – laut Diekmann – "Lust aufs Wählen machen, Ihr Interesse noch einmal anstacheln, Argumente liefern und unterhalten gleichermaßen".
Dafür bietet die Sonderausgabe eine Doppelseite mit Promi-Fragen an Peer Steinbrück und Angela Merkel (Wolfgang Joop: "Wann wechseln Sie endlich Ihren Schneider, Frau Merkel?"), ein großes Interview mit Philipp Rösler, Sarah Wagenknecht, und Jürgen Trittin über die Macht der kleinen Parteien oder ein buntes Stück mit dem "besten aus 60 Jahren Wahlkampf".

Im Vergleich zur Geburtstags-Bild hielt sich im Vorfeld der Protest zur kostenlose Sonderausgabe in einem sehr überschaubaren Rahmen. Alle, die am morgigen Samstag keine Boulevardzeitung wollen, sollten einen entsprechenden Aufkleber an ihrem Briefkasten anbringen.

Grundsätzlich hält die Bild sich auch bei ihrem Gratisblatt an die gewohnte Ressortstruktur. So sprechen im Sportteil noch einmal Franz Beckenbauer, Philipp Lahm und Oliver Bierhoff über die Wichtigkeit des Wählens und auf der letzten Seite gibt es jede Menge Partyfotos zu sehen. Statt Paris Hilton & Co. sind diesmal Politiker und Politikerinnen in Smoking und Abendkleid vertreten.
Den obligatorischen Gruß an die Leser der letzten Seite schreibt diesmal Noch-Politik-Chef Nikolas Blome. Von dem kommenden Spiegel-Mann gibt es zudem gleich noch ein unerwartetes Geständnis: "Einmal auf der letzten Seite grüßen zu dürfen – davon träumt der Hauptstadt-Redakteur". Die neuen Kollegen werden sich freuen, dass sich Blome kurz vor seinem Wechsel diesen Traum noch erfüllen durfte.
Auch konkrete Hilfe für Blattmacher Diekmann gibt es. So frage Daimler-Chef Dieter Zetsche den SPD-Kandidaten: "Wenn Sie Bild-Chefredakteur wären: Was wäre die Schlagzeile zu Ihrem Wahlkampf?" Steinbrücks-Antwort: "Sieg im Foto-Finish".

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