„Angebot der HuffPost hat ein Gschmäckle“

Kurz vor ihrem Start schreibt die Deutsche Huffington Post Mails Blogger an. Darin fragt die Redaktion, ob die Blogger Texte zuliefern wollen. Statt Geld, soll mit Reichweite bezahlt werden. Ein unmoralisches Angebot? Im MEEDIA-Interview erklären die Lousypennies-Blogger, Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann: "Was unter Bloggern üblich ist, weil die wenigsten mehr als nur ein paar Lousy Pennies verdienen, bekommt dann zumindest ein Geschmäckle, wenn ein großer, finanzkräftiger Verlag hinter dem Angebot steht".

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Die Huffington Post ist auf der Such nach Bloggern. Lässt sich jetzt schon absehen, auf welche Art von Bloggern es die Münchner besonders abgesehen haben?
Karsten Lohmeyer: Oliver Eckert, Geschäftsführer von TomorrowFocus, hat uns erzählt, dass es eher Experten als etablierte Blogger oder erfahrene Journalisten sein sollen. Also zum Beispiel der Arzt, Wissenschaftler oder engagierte Hobby-Archäologe, der einen tiefgreifenden Beitrag über sein Fachgebiet schreiben möchte. Aber auch der ein oder andere Promi, der sich präsentieren will. Die ersten "Blogger-Mails" der HuffPost zeigen allerdings, dass es die Kollegen durchaus auch auf bekanntere Blogger mit größerer Followerschaft abgesehen haben. Das ist gerade zum Start ja auch sehr sinnvoll. Denn etablierte Blogger bringen dann quasi ihre eigenen Leser mit.
Die Huffington Post Deutschland will Blogger-Content gegen Reichweite tauschen. Erst einmal unabhängig von der Frage, ob dies ein „unmoralisches Angebot“ ist: Wie normal ist im Web eigentlich dieses Vorgehen mittlerweile?
Stephan Goldmann: Ich denke gerade unter Bloggern, die gleichzeitig ein Auge auf die Optimierung von Suchmaschinen-Ergebnissen werfen, ist das kein unübliches Prozedere. Wenn man frisch startet mit einer Webseite, will man eben die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und das funktioniert mit Gastbeiträgen ganz gut. Da können zu Beginn tatsächlich beide profitieren: Der eine bekommt guten Inhalt, der andere Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit am Anfang ist manchen Webangeboten übrigens äußerst wichtig: Das sieht man daran, dass erfolgreiche Blogger und Seitenbetreiber immer wieder unmoralische Angebote bekommen, in denen ihnen Geld dafür geboten wird, damit sie einen Gastbeitrag samt Link zu einem Thema veröffentlichen. Verkehrte Welt, nicht wahr? Aber daran sieht man: Aufmerksamkeit im Internet ist bares Geld wert.
Lohmeyer: Auch bei LousyPennies.de schreiben regelmäßig Gastblogger, zum Beispiel Andrea Ege oder Benjamin O’Daniel. Die Motivation ist immer die gleiche: Entweder wollen sie über ihre eigenen Erfahrungen mit einem Web-Projekt erzählen, sich selbst positionieren und/oder ihre Bekanntheit in der Medienszene steigern. Oft passiert es auch einfach aus der Freude am Schreiben heraus.
Ist es also ein unmoralisches Angebot, das die Huffington Post den Bloggern unterbreitet?
Lohmeyer: Was unter Bloggern üblich ist, weil die wenigsten mehr als nur ein paar Lousy Pennies verdienen, bekommt dann zumindest ein "Geschmäckle", wenn ein großer, finanzkräftiger Verlag hinter dem Angebot steht. Denn der könnte sich ein Autorenhonorar sicher leisten. Ich kann sehr gut verstehen, dass angesichts einer solchen Konstellation viele professionelle Journalisten und Blogger, die mit Schreiben ihre Familie ernähren müssen, sagen: Mit mir nicht.
Goldmann: Diese Reaktion ist ja auch verständlich. Aber ich sehe es etwas nüchterner: In erster Linie ist es ein Angebot. Ich habe ja die Wahl. Warum nicht testen und sehen, was passiert?
Was haben die Blogger davon, wenn sie bei der HuffPo mitmachen?
Goldmann: Das hängt natürlich extrem davon ab, wie erfolgreich und angesehen die Huffington Post beim deutschen Leser sein wird. Gehen wir einmal von einem Ideal aus, so hätte eine Bloggerin drei mögliche Vorteile: Ihr Name wäre bekannter, themenrelevante Besucher würden per Link ihre Webseite besuchen und eventuell würde das Blog in den Ergebnislisten der Suchmaschinen höher eingeordnet. Wie gesagt, das wäre ein Ideal. Am Ende hängt es auch vom fairen Umgang mit Linksetzung auf die Blogs ab – und da haben sich die großen Medienhäuser in den letzten Jahren allesamt nicht positiv hervorgetan.
Wie viel Extra-Traffic müsste auf den eigenen Blog landen, damit man mit den HuffPo-Texten etwas verdienen kann?
Lohmeyer
: Wenn es sich im dreistelligen Bereich lohnen sollte, müssten das bei werbefinanzierten Seiten schon mehrere Zehntausend Besuche sein. Es hängt da aber sehr von der Monetarisierungsform ab, die der Blogger auf seiner Webseite nutzt. Setzt er auf Paid Content oder hat er einen Onlineshop reichen schon weniger. Ich halte es aber für unrealistisch, davon auszugehen, dass sich ein einziger Artikel sofort in Heller und Pfennig messbar lohnt.
Goldmann: Es ist auch eine Frage des Themas, mit dem sich das Blog beschäftigt und welche Summen seitens der Firmen hier in Werbung investiert wird. Im Bereich “Tagesgeld” kann ein einziger Klick auf eine Adsense-Anzeige schon weit über einen Euro bringen. Im Bereich “Journalismus” reden wir besser nicht darüber.
Wie sieht das in den USA aus? Gibt es Erfahrungen, wie hilfreich die Zusammenarbeit mit der Plattform für Blogger ist?
Lohmeyer: In den USA hat sich ja das Prinzip der HuffPost sehr erfolgreich etabliert, die Bloggerszene würde nicht mitmachen, wenn es nichts bringen würde. Dennoch ist es schwer zu vergleichen mit dem relativ kleinen Deutschland und seiner kleinen Bloggerszene. Vor allem aber darf man eines nicht vergessen: In den USA ist die HuffPost als kleines Projekt quasi von unten gestartet. Das große (Verlags-)Geld kam erst später, als auch die Blogger schon da waren. In Deutschland startet sie gleich mit einem großen Verlag im Rücken.
Würden nicht alle gewinnen, wenn die HuffPo – ähnlich wie Suite101 – den Autoren einfach an den Vermarktungserlösungen des jeweiligen Textes beteiligen würden?
Lohmeyer: Die Blogger würden definitiv davon gewinnen, zählbar auf ihrem Bankkonto. Ob dann aber TomorrowFocus seine ehrgeizigen Erlösziele so schnell wie geplant erreichen würde, sei mal dahingestellt. Suite 101 ist zwar insofern ein schönes Beispiel, als dass ja auch Burda an dem in Deutschland gescheiterten Projekt beteiligt war. Aber noch besser in die aktuelle Zeit passt für mich das Modell, das die Kollegen bei Golem.de entwickelt haben. Sie zahlen ihren "Edelfedern" ein Basishonorar, dass dann entsprechend der Klickzahlen aufgestockt wird, wenn der Artikel gut läuft. Das kann sich richtig lohnen, bedeutet aber auch für den Autoren ein gewisses unternehmerisches Risiko.
Goldmann: Ich glaube mit einer Beteiligung finanzieller Art wie bei Suite101.de geschehen, würde am Ende keiner gut verdienen. Dann doch lieber das eigene Blog aufziehen und selbst versuchen Geld einzustreichen.
Jetzt Butter bei die Fische: Würden Sie bei der Huffington Post mitmachen?
Goldmann: Ich würde es auf einen Versuch ankommen lassen. Schon aus Neugier. Allerdings würde ich mit einer starken Skepsis an die Sache gehen, denn die Anwerbungs-Email der Huffington Post lässt zu viele Fragen offen: Wo darf ich genau verlinken? Im Artikel? Unter dem Artikel? In meinem Profil? Ist das ein “zählbarer” Link bei den Suchmaschinen? Und so weiter.
Lohmeyer: Ich schwanke noch und werde mir die ersten Monate der deutschen HuffPost sehr genau anschauen. Wenn es in meine persönliche Strategie passt und ich einen ganz konkreten Mehrwert entweder für unseren Blog, meinen "Brötchen-Job" oder eines meiner Web-Projekte sehe, dann werde ich es tun. Diese Entscheidung werde ich mir aber garantiert nicht leicht machen und ausführlich auf LousyPennies.de begründen.

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