Wie Karstadt Journalisten einschüchtert

Bei Karstadt ist mal wieder einiges los. Investor Nicolas Berggruen zerschlägt den Warenhaus-Konzern und verkauft wertvolle Teile, darunter das berühmte KaDeWe in Berlin, an die österreichische Immobiliengruppe Signa. In einem Interview mit dem Radiosender WDR 5 berichtet Hanno Bender, der stellvertretende Chefredakteur der Fachzeitschrift Der Handel, von Einschüchterungen der Karstadt-Anwälte nach kritischer Berichterstattung.

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Die jüngste Berichterstattung von Der Handel zu Karstadt habe gleich eine Reihe von Unterlassungs-Begehren der bekannten Medienrechts-Kanzlei Schertz Bergmann nach sich gezogen, so Bender im WDR5-Interview: “In vier Punkten sind wir angegriffen worden, drei sind als haltlos zurückgewiesen worden. In einem mussten wir einen Vergleich abschließen.” So hätten die Karstadt-Anwälte moniert, dass in einer Überschrift zu einem Online-Artikel gestanden habe, Karstadt streiche “in Summe 4.000 Stellen”. Korrekt hätte es heißen müssen: “bis zu 4.000 Stellen”.

“In einem normalen Unternehmen hätte der Pressesprecher mal zum Telefonhörer gegriffen und nicht gleich die Anwälte losgeschickt”, kommentiert Bender das Vorgehen Karstadts. Außerdem hätten nicht nur Redaktionen Post von Schertz Bergmann erhalten. Auch Experten und Interviewpartner, die sich u.a. in der Bild-Zeitung und der Süddeutschen Zeitung kritisch zu Karstadt äußerten, hätten Post von den Anwälten mit Unterlassungs-Aufforderungen bekommen.

“Ich habe den Eindruck, dass es hier eher darum geht, sich kritische Berichterstattung vom Leib zu halten und die Journalisten einzuschüchtern”, sagte Bender im WDR. Er glaube, dass es dabei weniger um den Warenhauskonzern, dessen wirtschaftliche Interessen und die Mitarbeiter gehe, als vielmehr um das Image von Karstadt-Investor Nicolas Berggruen.

Das WDR-Interview mit Hanno Bender kann man hier nachhören.

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