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Steinbrücks schlaue „Halligalli“-Show

Im neuen Spiegel beschreibt Dirk Kurbjuweit Peer Steinbrück als „unbeherrscht, aggressiv und narzisstisch“. Beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche TV-Karriere. Dass der SPD-Kandidat tatsächlich auch Unterhaltungsfernsehen kann, bewies er als Gast bei der ProSieben-Show „Circus Halligalli“. In dem sehr kurzweiligen Zwiegespräch mit Joko und Klaas schaffte es Steinbrück nicht nur, sich nicht zu blamieren, sondern locker und schlagfertig rüberzukommen.

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Steckt in Steinbrück doch ein verkappter Politk-Anarchist? Sein Auftritt in der ProSieben-Sendung "Circus Halligalli" war jedenfalls bemerkenswert. Statt steif und staatstragend gab sich der ehemalige Finanzminister locker, schlagfertig und schlau. Wäre das Frage- und Antwort-Spiel mit Joko Winterscheid und Klass Heufer-Umlauf noch länger gegangen, hätte sogar die Gefahr bestehen können, dass Steinbrück auf die Idee kommt, seine Krawatte abzulegen. Immerhin zeigte er seinen Kritikern ja bereits den Stinkefinger.

Doch ganz so Rock ’n‘ Roll ist der SPD-Politiker dann doch nicht. Er ist mehr der Cruiser – zumindest bei der Fortbewegung. So konterte er die Frage von Heufer-Umlauf, warum er sich das alles noch antue und sich nicht einfach ein Motorrad kaufe, wie viele andere wohlsituierte Herren in seinem Alter, erst mit dem Verweis, dass er mehr so der Auto-Oldtimer-Typ sei und dass er sowieso nicht auf Kreisverkehr á la Merkel stehe. Für ihn hieße es noch immer: Ab durch die Mitte, nach vorne.

Gute Frage und ein gute Antwort. So spielten sich die drei derart routiniert die Bälle zu, dass man fast hätte meinen können, das muntere Kalauern wäre vorher bis ins kleinste Detail abgesprochen gewesen. Alles war im Fluss und lief am Schnürchen.

Dass Steinbrück eine Viertelstunde bei ProSieben unfallfrei durchsteht, wurde im Vorfeld eigentlich nicht bezweifelt. Interessanter war schon die Frage, wie sich die beiden Moderatoren, deren Spezialgebiet das gegenseitige Dauer-Kabbeln und –Rangeln ist, schlagen würden? Sie machten es gut. Im Gegensatz zu ihren Kollegen vom ernsten Politik-Fach gelangen ihnen auch ein oder zwei überraschende Fragen. So wollten sie wissen, warum Steinbrück immer den Mund offen hätte, wenn er zuhört oder ob man als Politiker immer die Wahrheit sagen müsse. Eine simple Frage mit viel Tiefe. Steinbrück antworte, dass er sich immer Mühe geben würde die Wahrheit zu sagen. Allerdings hätte er auf dem Höhepunkt der Finanzkrise auch mal Fakten verschweigen müssen – natürlich stets im Interesse der Bürger.  Auf eine Nachfrage verzichteten Joko und Klaas dann aber leider doch und spulten lieber weiter lustige Fragen mit knappen Antworten runter.

Frage: "Sie sind in der Schule zweimal sitzen geblieben, aber für was stehen Sie?"
Antwort Steinbrück: "Für eine zweite Chance für all jene, denen es ähnlich geht."
Frage: "Wer ist cooler, Obama oder Putin?"
Antwort Steinbrück: "Keiner von beiden."
u.s.w

Der Auftritt bei „Circus Halligalli“ wird nicht die Wahl entscheiden. Für Steinbrück hat er sich jedoch allemal gelohnt. Wann erreicht ein arrivierter Politiker schon 820.000 junge Zuschauer auf einen Fernbedienungsknopfdruck?  

Eine weitere Erkenntnis des TV-Abends: ProSieben scheint zur Bundestagswahl seinen gesellschaftlichen Auftrag, auch etwas für die politische Bildung seiner Zuschauer zu leisten, ernster zunehmen als die meisten anderen Privat-Sender. Sowohl bei „Circus Halligalli“, wie auch anschließend bei Stefan Raabs „TV Total“ war die Bundestagswahl allgegenwärtig. Unter der Aufsicht von Sender-Berater Edmund Stoiber verschiebt sich der Sender-Slogan von „Let me entertain you“ zu „Let me educate you“. Aber nur so ein bisschen.

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