Forsa und AfD: Lautsprecher und Underdog

Mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa und dessen streitbarem Chef Manfred Güllner und der rechts-konservativen Euro-Skeptikerpartei Alternative für Deutschland und deren Bundesvorsitzenden Bernd Lucke haben sich zwei PR-Profis auf medialem Parkett gesucht und gefunden. Forsa ließ Lucke kurz vor der Wahl öffentlichkeitswirksam verbieten zu behaupten, das Institut würde die AfD “kleinrechnen”. Für die Lucke-Truppe ist der Zoff mit Forsa eher nützlich als schädlich.

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AfD-Chef Bernd Lucke hatte in einem Handelsblatt-Interview gesagt, die Meinungsforschungsinstitute Forsa und Allensbach würden seine Partei künstlich kleinrechnen, damit diese in den Umfragen unter der Fünf-Prozent-Hürde bleibt. Spiegel Online berichtet nun von einem Gerichtsbeschluss, der Lucke diese Aussage verbietet. Sofort hat Forsa-Chef Manfred Güllner das griffige Label parat und tituliert den AfD-Mann als “Lügen-Lucke”.

Güllner erklärt weiter, der Unterstützerkreis der AfD gehe “eindeutig ins rechtspopulistische und rechtsradikale Milieu hinein." Vielleicht Stoff für einen juristischen Gegenschlag? Wer weiß … Für Luckes Anti-Euro-Truppe kommt der Maulkorb vom Gericht gar nicht so ungelegen, wie es zunächst scheinen mag. Die AfD inszeniert sich schon lange als Opfer einer Art Verschwörung des Medien-Mainstreams, der gegen die vermeintlich aufrechten Euro-Skeptiker anschreibt und -sendet. In diesem Punkt – und nur in diesem – ist die AfD der Piratenpartei gar nicht unähnlich.

Auf ihrer Facebook-Seite schießt die AfD sofort in Richtung Güllner/Forsa zurück und verweist mit einem  Foto (auf de steht: “Schön gerechnet, Herr Güllner. Die Realität sieht allerdings anders aus.”) darauf, dass Forsa von anderen Instituten auch schon “des Schönfärbens von Zahlen” bezichtigt wurde. Als Beleg dokumentiert die AfD die Abweichungen zwischen Forsa-Umfragen und den tatsächlichen Ergebnissen einiger Landtagswahlen. Ein Leser beschimpft den Forsa-Chef als "Gülle-Güllner".

Die Botschaft an die AfD-Anhänger ist klar. Die Medien und Umfrage-Institute, mithin: das Establishment, sind gegen uns, denn “Wir haben Mut zur Wahrheit” (AfD über AfD). Es ist das alte Underdog-Prinzip, das hier bemüht wird und von dem auch schon ein gewisser Thilo Sarrazin bei seinen Buchverkäufen profitierte. “Man wird ja wohl noch sagen dürfen …” Dass sich nun ausgerechnet die AfD und Forsa aneinander reiben, ist fast schon folgerichtig.

Tatsächlich ist Forsa nicht unumstritten. Das Institut von Manfred Güllner fällt immer wieder mit besonders spektakulären, schlagzeilenträchtigen Ergebnissen auf, die sich deutlich von denen anderer Institute unterscheiden. Vor allem die SPD kommt dabei regelmäßig eher schlecht weg. So ist der aktuelle Rechtsstreit also für beide Seiten von Vorteil. Die AfD kann ihr selbst auferlegtes Image als verfolgter Wahrheitswächter pflegen, Forsa kann sich lautstark in den Medien brüsten, dem “Lügen-Lucke” einen Maulkorb verpasst zu haben.

Wie die AfD bei der Wahl abschneiden wird, bleibt indes das große Rätsel, das erst am kommenden Sonntag aufgelöst wird. Und zwar vom Wähler, nicht von einem Umfrage-Institut.

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