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Presserat watscht Regenbogenpresse ab

Ab jetzt dürfte viel Arbeit auf den Presserat zukommen, denn zum ersten Mal nehmen sich die Medienwächter so richtig die Regenbogenpresse vor. So gab es Rügen für Frau Aktuell, Das neue Blatt, Promi Welt, Meine Freizeit und Freizeit Express. Es ging dabei fast immer um extrem übergeigte Überschriften und Storys, die das Zeilenversprechen nicht einhalten konnten. Zudem kassierte das Schachmagazin Rochade Europa eine Rüge wegen eines Verstoßes gegen die Menschenwürde.

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In der aktuellen Sitzungsperiode beschäftigte sich der Presserat diesmal mit 125 Beschwerden. Die Folge waren alleine fünf Rügen für Regenbogenblätter wegen einzelner Promi-Beiträge.

So missfiel den Medienwächtern in der Frau Aktuell eine Story über den Volksmusiker Stefan Mross. Unter der Zeile „Alkoholschock“, hatte die Redaktion die Frage gestellt „Wer kann ihm jetzt noch helfen?“. Der Artikel selbst erwähnte dann nur, dass der Musiker bei einer Google-Eingabe, bereits bei den ersten Treffern mit Alkohol in Verbindung gebracht werden würde. Der Presserat erkannte daher eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Ebenfalls hiergegen verstieß der Freizeit Express, weil Fotos des ungeborenen Babys von William und Kate nicht als fiktive Symbolfotos gekennzeichnet wurden.
Neben der Sorgfaltspflicht sahen die Presseprüfer bei einem Artikel von Meine Freizeit diesmal auch einen Verstoß gegen das Wahrheitsgebot. Die Illustrierte hatte auf ihrer Titelseite über Bundeskanzlerin Angela Merkel und einer ‚verheimlichten Scheidungstragödie‘ gesprochen. Weiter versprach die Zeile: „Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin“. „Im Innenteil wurden lediglich bekannte Details aus dem Leben Angela Merkels mitgeteilt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat daher als grobe Irreführung der Leser“, erklären die Medienwächter.
Ein weites Beispiel für die fragwürdigen Methoden der Regenbogenpresse lieferte die Promi-Welt. In einem – nach Meinung des Presserates „harmlosen Blogeintrag“ – frage Steffi Graf ihre Leser, „wie man das Leben einen Gang runterschalten könnte“. Die Promi Welt konstruierte daraus Spekulationen über mögliche Probleme des ehemaligen Tennisstars. So sprach die Illustrierte von einem „alarmierenden Hilferuf“ und schrieb von einem „Absturz in die Lebenskrise“. Die Medienwächter dazu: „In dieser Darstellung sah der Presserat eine unwahrhaftige Berichterstattung, bei der jegliche Sorgfaltspflichtaspekte außer Acht gelassen wurden“.

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Für das neue Blatt gibt es eine Rüge, weil die Zeitschrift auf ihrer Titelseite in Zusammenhang mit dem „Bauer sucht Frau“-Paar Josef & Narumol von einem „Scheidungsschock“ gesprochen hatte. Erst im Innenteil soll klargeworden sein, dass sich Josef und Narumol, sondern ein anderes Paar aus der RTL-Reihe trennt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat als irreführend.
Solche Verstöße gegen den Pressekodex gehören bei Teilen der Regenbogenprozesse zum Geschäftsprinzip. Gut, dass der Presserat hier nun endlich auch mal tätig wird, bzw offenbar vermehrt Beschwerden hierzu einlaufen. 

Weitere Rügen wurden für B.Z. Online, Bild Thüringen, die Online-Ausgabe der Augsburger Allgemeinen und Rochade Europa ausgesprochen. Für die Schach-Zeitung gab es Ärger, weil sie die Menschenwürde eines Spielers nicht genügend geschützt habe. Dazu erklärte der Presserat: „Gerügt wurde auch die Schach-Zeitschrift Rochade Europa für ihre Berichterstattung über den Sieger eines Turniers. Der ältere Mann war auf dem ganzseitigen Titelfoto abgebildet. Auf seiner Hose war ein großer nasser Fleck zu sehen. Dadurch entstand der Eindruck, dass er sich eingenässt haben könnte.“ Nach Meinung der Presse-Prüfer hätte das Magazin das Bild nicht veröffentlichen dürfen, auch wenn es – wie die Zeitschrift mitteilte – mit dem Einverständnis des Gewinners gemacht wurde.

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