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Medien im Kampf um die Gunst der Wähler

In weniger als zwei Wochen wählen die Deutschen eine neue Bundesregierung. Für die Medien geht es bei der Bundestagswahl aber nicht nur um die Frage, ob Merkel oder Steinbrück das Rennen macht. Für sie geht es auch untereinander um etwas. Auch die Medien werben um die Gunst des Wählers – wer bietet die besten Inhalte? Wer hat sich für die Bundestagswahl besonders ins Zeug gelegt, um seinen Lesern besondere Informationen zu bieten? MEEDIA hat sich einige News-Sites angesehen und verschafft einen Überblick.

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Neben der aktuellen Berichterstattung zum Wahlkampf 2013, dem Vorstellen der Parteiprogramme und ausreichend Analysen von Umfragewerten, demonstrieren Deutschlands Redaktionen fast beispielhaft, wie aus drögem Datenjournalismus anschauliche Online-Projekte werden können – die einen mehr, die anderen weniger.
Neben informativem aber unanschaulichem Agentur- und Kommentarjournalismus zeigt sich Die‘> auf ihren Unterseiten zur Wahlberichterstattung vergleichsweise einfallslos und setzt auf Kooperationen mit beispielsweise abgeordnetenwatch.de.‘>Kandidaten-Check (ebenfalls in Kooperation mit abgeordnetenwatch.de). Nach Eingabe der eigenen Postleitzahl können die Leser 24 Thesen beantworten, die mit den Antworten der entsprechenden Kandidaten aus dem Wahlkreis abgeglichen werden. Zusätzlich hat die Redaktion der Welt den Wahl-O-Maten der Bundeszentrale für Politische Bildung eingebunden, der die persönliche Einstellung mit den Parteiprogrammen der Parteien vergleicht.
Wesentlich mehr Arbeit haben sich die Springer-Kollegen von Bild.de gemacht. Zwar greifen auch sie auf die Kooperation mit abgeordnetenwatch.de und den Wahl-O-Maten zurück. Die eigens eingerichtete "Wahl-Zentrale“‘>Deutschlandatlas der Stammwähler" zeigt die Redaktion auf, in welchen Wahlkreisen die unterschiedlichen Parteien bei den vergangenen drei Bundestagswahlen (2009, 2005, 2002) besonders stark waren. Durch Klicks in die verschiedenen Wahljahre lassen sich die Veränderungen der Wahlergebnisse in den letzten Jahren anschaulich nachverfolgen.

Wie die kommende Wahl ausgehen könnte, will SpOn mit der "Wahlwette" herausfinden. Im‘>Erklär-Video zum Ablauf der Bundestagswahl sowie die Standard-Einbindungen von aktuellen Umfragen und des Wahl-O-Maten auf der Seite.
Das Wahlprogramm der Redaktion von Süddeutsche.de hat inhaltlich mehr zu bieten. Mit drei "Specials" wirbt die Redaktion um die Gunst der Wähler, setzt dabei auf einen "exklusiven" Wahl-Thesentest, eine interaktive Wählerkarte sowie das eigens eingerichtete #btw13-Blog.

Vom Wahl-O-Maten unterscheide sich der Wahl-Thesentest von SZ.de dadurch, dass die Überprüfung der Thesen nicht am Wahl- oder Parteiprogramm stattgefunden habe. Über 600 Parlamentarier auf Landes- und Abgeordnetenebene hätten den Fragebogen ausgefüllt, mit denen die eigenen Antworten abgeglichen werden. Zwar sei die Bereitschaft der Abgeordneten (und Politiker, die noch Abgeordnete werden wollen) sehr hoch gewesen, für repräsentative Zwecke reiche die Umfrage jedoch nicht, gesteht SZ.de-Chef Stefan Plöchinger. Dafür liefert die Redaktion repräsentative Daten im Wahlkreis-Atlas. Für die Wahlkarte hat die Redaktion die Ergebnisse der Bundestagswahl von 2009 analysiert und unter anderem festgestellt, welcher Wahlkreis am ehesten das tatsächliche Wahlergebnis erreicht. Und auch wie die Kollegen von Spiegel Online hat SZ.de visualisiert, wie stark die einzelnen Parteien in unterschiedlichen Wahlkreisen waren (allerdings belässt es die SZ-Analyse bei Daten aus 2009). Ergänzt wird das Atlas-Projekt um weitere Analysen und Berichte. Seine Redaktion wolle in "Extrem-Wahlkreisen" Menschen treffen, "die uns den Zustand der Republik aus Sicht ihrer Region erklären", so Plöchinger. Weitere Inhalte rund um die Wahl fassen die Autoren im eigens eingerichteten Blog zur Bundestagswahl zusammen.

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Ähnlich wie es bei Bild.de stattfindet, arbeitet auch die SZ-Online-Redaktion mit einem Social-Media-Stimmungs-Barometer, das die Entwicklung der Partei- und Kandidatenprofile protokolliert.
Ein Aktivitäts-Barometer hat Zeit Online erstellt und nimmt damit die Abgeordneten unter die Lupe. Das Barometer stellt allerdings nicht fest, wie aktiv die Politiker im Netz unterwegs sind, sondern wertet ihre Parlamentsaktivitäten der auslaufenden Legislaturperiode aus. Dazu hat die Redaktion alle Plenarprotokolle der 251 Sitzungstage des Bundestages ausgewertet. Die Aktivitäten der Abgeordneten lassen sich über einen Kalender monatlich ablesen, Einfärbungen zeigen den Tätigkeitsschwerpunkt an. Aber auch das Geschehen im Netz findet bei Zeit Online statt. Der Twitter-Monitor beobachtet, welche Wahlkampfthemen unter den Twitter-Nutzern diskutiert werden. Dazu wertet man die "wichtigsten 10.000 Twitter-Accounts" aus. Tweets kommen von Politikern, Journalisten, Verbänden und Wählern. Wer in die Analyse einfließt ist, entscheidet ein Algorithmus aus Followerzahl, Erwähnungen und Aktivität.

Im Wahljahr 2013 haben die Redaktionen keine Mühen gescheut, um die Gunst des Wählers als Nachrichtenseite für die Bundestagswahl zu werben, und sie haben das Ereignis genutzt, um zu zeigen, was datenjournalistisch umgesetzt werden kann – eben mehr als Umfrage-Statistiken und Koalitionsrechner.

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