Rassismus-Vorwürfe gegen die taz

In ihrer Ausgabe vom Mittwoch druckt die taz ein Interview mit Philipp Rösler ab, bei dem keine Antworten zu sehen sind. Der FDP-Vorsitzende habe das Interview nicht freigeben wollen, weil er "sein asiatisches Äußeres im Wahlkampf nicht zum Thema machen wolle." Dies sei ein "grober Bruch der gängigen Spielregeln", meint taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Die Amadeu Antonio Stiftung spricht hinsichtlich der veröffentlichten Fragen dagegen von "Alltagsrassismus."

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Das Interview mit dem FDP-Chef ist Teil einer taz-Serie, in der mit Spitzenpolitikern wie Grünen-Chefin Claudia Roth oder Linken-Fraktionschef Gregor Gysi über bestimmte Themen gesprochen wird. Das Interview mit Philipp Rösler sollte unter dem Stichwort "Hass" geführt werden. Diesen erfährt die Tageszeitung nun aber selbst und muss sich sogar wegen Rassismus-Vorwürfen verantworten. 
Hier eine kleine Auswahl der Fragen aus dem Interview ohne Antworten:
Herr Rösler, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, dass andere Probleme mit Ihrem asiatischen Aussehen haben?
Sie bekommen immer wieder Hassmails. Weil Sie FDP-Chef sind? Oder weil man Ihnen Ihre nichtdeutschen Wurzeln ansieht?
Warum werden Sie gehasst?
Herr Rösler, zurück zu Ihnen. Wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?
Während sich die taz keiner Schuld bewusst ist, werden die Fragen auf der Facebook-Seite der Amadeu Antonio Stiftung heftig kritisiert. "Geht gar nicht – man kann dem Mann gerne falsche Politik vorwerfen oder Charakterschwäche oder sonstwas Politisches oder meinetwegen Menschliches. Seine Herkunft oder sein Äußeres hat damit aber nichts zu tun", schreibt ein Nutzer beispielsweise. "Das ist ja mal unteres Niveau! Unglaublich dieses Interview. Null seriös", meint ein anderer. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gemacht eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rassismus und Antisemitismus wendet.
Die Tageszeitung selbst kann die Kritik nicht nachvollziehen, heißt es im taz-Hausblog. Sie würde nicht "Röslers Eignung" nicht wegen seines Aussehens infrage stellen, sondern lediglich ansprechen, dass andere das so sehen. Das Interview in dieser Form abzudrucken sei ein Protest gegen die erheblichen Änderungen, die bei der Autorisierung vorgenommen wurden. "Eine Autorisierung soll sicherstellen, dass man die Antworten sachlich richtig und nicht missverständlich wiedergibt. Sie darf aber nicht dazu führen, dass im Nachhinein unliebsame Antworten oder Einlassungen gestrichen werden", wird Chefredakteurin Ines Pohl im Hausblog zitiert.

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