Findet Apple heute zurück in die Zukunft?

Wenn Tim Cook heute um 19 Uhr deutscher Zeit auf dem Apple Campus in Cupertino die Bühne betritt, geht die längste Produkt-Dürreperiode seit mehr als einem Jahrzehnt zu Ende. Das erfolgreichste Gadget der Wirtschaftsgeschichte wird gleich doppelt erneuert – und auch das mobile Betriebssystem iOS erhält die größte Überholung seit der Einführung vor sechs Jahren. Mit einem China Mobile-Deal im Gepäck dürfte Cook auch die Wall Street nach einem Jahr zum Vergessen wieder versöhnen. Doch wie nachhaltig ist das Comeback?

Anzeige

Wenn Tim Cook heute um 19 Uhr deutscher Zeit auf dem Apple Campus in Cupertino die Bühne betritt, geht die längste Produkt-Dürreperiode seit mehr als einem Jahrzehnt zu Ende. Das erfolgreichste Gadget der Wirtschaftsgeschichte wird gleich doppelt erneuert – und auch das mobile Betriebssystem iOS erhält die größte Überholung seit der Einführung vor sechs Jahren. Mit einem China Mobile-Deal im Gepäck dürfte Cook auch die Wall Street nach einem Jahr zum Vergessen wieder versöhnen. Doch wie nachhaltig ist das Comeback?

Ohne Drama geht es nicht bei Apple. Vor exakt einem Jahr erreichte der Hype um den iKonzern den bisherigen Höhepunkt. Das iPhone 5 kam auf den Markt, die Aktie notierte bei Kursen um 700 Dollar auf dem höchsten Stand aller Zeiten, Apple stieg zum wertvollsten Konzern aller Zeiten auf und knackte dabei den Uraltrekord von Microsoft. Der Gipfelsturm zum ersten Konzern, der eine Billion Dollar wert sein würde, schien ausgemacht.

Es kam anders. Just am Erstverkaufstag des iPhone 5 riss Apples einzigartige Erfolgsserie ab. Was folgte, sah zunächst nach einer Atempause aus, dann folgten überraschende Managementwechsel, Gerüchte über geringere Nachfrage des Kultsmartphones als erwartet, Quartalszahlen, die gerade so die Vorjahresergebnisse traf, Quartalsgewinne, die sich erstmals seit einem Jahrzehnt rückläufig entwickelten – und ein CEO, der in der Öffentlichkeit erstaunlich ins Schlingern geriet. Fast über Nacht fand sich Apple in einer Sinnkrise wieder.

Apples Horror-Jahr 2013: Absturz vom Olymp   

Plötzlich stand der Elefant im Raum, der nach dem tragischen Krebstod von Steve Jobs zunächst für ein Jahr beiseite geschoben wurde – wie würde es bei Apple eigentlich ohne seinen ikonischen Gründer weiter gehen? Offenkundig weniger gut als erwartet: Eine unerwartete Produktlücke bestimmte Apples 2013.

Nach dem iPad mini im vergangenen Oktober wollte einfach nichts Neues mehr in die Regale kommen – der lang erwartete Apple-Fernseher bleibt weiter ein Mysterium. In der Folge halbierte sich die Apple-Aktie fast, der iKonzern verlor zwischenzeitlich den Titel des wertvollsten Unternehmens an Exxon, während um Tim Cook offen Nachfolgediskussionen geführt wurden, die der Apple-CEO nur durch den Einsatz von enormen 60 Milliarden Dollar der Barreserven stoppen konnte. Cook kaufte sich Ruhe.  

Cramer sieht Trendwende durch China Mobile-Deal: "Positiv für Apple"

Nun muss der Apple-CEO liefern, und er wird liefern, wenn man den jüngsten Medienberichten trauen darf. Das iPhone 5S wird dabei heute zum eigentlichen Nonevent, dem iPhone 5C gehört die Aufmerksamkeit. Vor allem dem Pricing: Ist es wirklich in Apples DNA, ein Spitzengerät zum Mittelklassepreis auf den Markt zu bringen? Mit dem iPad mini bewies Cook neue Flexibilität: billig kann Apple nicht, aber zumindest halbwegs günstig – das geht schon, wenn es denn muss.

Kann Cook nun ein iPhone unter 400 Dollar präsentieren, das auf den größten Mobilfunkmarkt der Welt beim mit Abstand größten Provider China Mobile losgelassen wird, dürfte dem Apple-CEO der Applaus in der Folge ziemlich gewiss sein. "Die Analysten müssen hochstufen", legt sich der CNBC-Marktkommentator und TheStreet.com-Gründer James Cramer fest. "Das ist positiv für Apple."

Rückkehr zum Gewinnwachstum vorprogrammiert – doch was passiert danach?

Angesichts von 745 Millionen potenziellen Neukunden – das ist mehr als sieben Mal so viel wie beim größten amerikanischen Provider Verizon Wireless – erscheint Apples Rückkehr zu anziehenden Gewinnen im Geschäftsjahr 2014 damit vorprogrammiert. Analysten taxieren Apples zusätzliches Absatzpotenzial auf bis 39 Millionen verkaufte Geräte.

Keine Frage: Der China Mobile-Deal ist der größte Joker, den Cook spielen kann.  Er dürfte Apple einige starke Quartale bescheren, selbst wenn die Gewinnmarge durch das günstigere iPhone weiter unter Druck gerät. Doch was kommt danach? Das ist die weiter offene Frage der Post-Steve-Jobs-Ära, die durch die Euphorie eines vielleicht letzten großen Gewinnsprungs überdeckt wird.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige