„Das Erfolgsgeheimnis guter TV-Serien“

Beau Willimon, Autor des Emmy-nominierten US-Serienhits "House of Cards", prognostiziert in seiner Keynote "Das Erfolgsgeheimnis von wirklich guten TV-Serien" beim Internationalen Medienkongress in Berlin eine neue Art der Inhalteproduktion. Die Grenzen der Erzählformate würden durch die veränderte Mediennutzung verschwimmen. Der Fernsehmacher ist überzeugt: "Es gibt keinen Grund dafür, warum wir uns noch den bisherigen Beschränkungen unterwerfen sollten."

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"Das passt doch, dass wir jetzt per Streaming zusammenkommen", scherzte Beau Willimon zu Beginn seiner Keynote über "Das Erfolgsgeheimnis von wirklich guten TV-Serien": Immerhin ist er innerhalb der vergangenen Monate mit seinem Team zum Star der Branche geworden, weil er für die erste eigenproduzierte Serie des amerikanischen Streaming-Dienstes Netflix verantwortlich zeichnet. Derzeit wird die zweite Staffel rund um den machthungrigen Kongressabgeordneten Francis Underwood gedreht. Aus diesem Grund konnte Willimon nicht persönlich zum Internationalen Medienkongress nach Berlin kommen – und ließ sich per Videokonferenz vom Set aus Baltimore zuschalten.
Zu verdanken hat Willimon seine Prominenz quasi einem Unfall. Er sagt: "Wir wollten bloß eine Geschichte erzählen. Und nicht gleich den Medienkonsum revolutionieren."
Genau dafür ist "House of Cards" nun aber ein Beispiel. Bei den klassischen Networks konnte das Team mit seiner Serienidee nicht landen. Netflix sicherte hingegen von Beginn an zu, zwei Staffeln zu produzieren. Die erste veröffentlichte der Dienst mit allen 13 Episoden am selben Tag, um den Zuschauern zu überlassen, in welchem Rhythmus sie die Episoden ansehen.
Dadurch ist "House of Cards" zum Sinnbild für einen Wandel geworden, dem sich das Fernsehen nicht mehr entziehen kann. Das Publikum sucht sich die Orte, an denen es ungewöhnliche Geschichten erzählt bekommt. Dafür braucht es offensichtlich nicht einmal mehr klassische TV-Sender – sondern lediglich Unternehmen, die bereit sind, Kreativen größtmögliche Freiheit zu geben. Das heißt, dass sich Erzählen nicht mehr an vorgegebene Längen halten müssen, um sich am Ende in ein vorgegebenes Sendeschema zu fügen. "Die Form wird sich der Erzählung anpassen – und nicht mehr umgekehrt", ist Willimon überzeugt.
In seiner vielbeachteten Rede auf dem Edinburgh TV Festival hat "House of Cards"-Hauptdarsteller Kevin Spacey bereits Ende August daran erinnert, wie das Blockbuster-fixierte US-Kino in den zurückliegenden Jahrzehnten die Innovationsführerschaft ans Fernsehen verlor – weil dort Autoren und Regisseure plötzlich die Möglichkeit bekamen, neue Geschichten mit ungewöhnlichen Charakteren zu erzählen. "The risktakers are rewarded", sagte Spacey – die Erfahrung zeige, dass diejenigen, die Risiken eingingen, belohnt würden.
Die Regel gilt immer noch, ist Serienautor Willimon überzeugt. In seiner Berliner Rede schloss er sich der Kritik am Kino an. Hollywood habe in den vergangenen Jahren vor allem auf Blockbuster gesetzt: "Es werden keine Risiken mehr eingegangen. Es gibt nur noch Spektakel und billige Lacher."
Der "House of Cards"-Macher zeigte sich davon überzeugt, dass die klassischen Definitionen der Inhalte, wie wir sei heute kennen, mit der Zeit verschwimmen werden. "Unsere Kinder werden aufwachsen, ohne einen Unterschied zwischen einem Film und einer TV-Serie zu machen, weil sie beides auf ihren Laptops konsumieren. Am Ende ist das, was zählt – die Geschichte."
In Deutschland läuft "House of Cards" noch im klassischen Fernsehen, im Pay TV bei Sky Atlantic. Sat.1 hat angekündigt, die Serie "ab Herbst 2013" im Free TV zu zeigen; der neue Sender Pro Sieben Maxx plant die Ausstrahlung der amerikanischen Originalversion.

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