So viel verdienen Schweizer Chefredakteure

Wie viel darf ein Chefredakteur in Zeiten verdienen, in denen Gehälter normaler Journalisten gedrückt und Jobs abgebaut werden? In der Schweiz hat eine Liste, die der ehemalige Blick-Chefredakteur Sacha Wigdorovits recherchiert hat, genau diese Frage aufgeworfen. Top-Verdiener unter den Schweizer Redaktions-Chefs ist demnach Markus Spillmann von der NZZ, der 480.000 Franken pro Jahr bekommt - umgerechnet etwa 387.000 Euro. Erste Gewerkschafter nennen die Summen "schädlich".

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Recherchiert hat Wigdorovits seine Gehaltsliste "aufgrund von harten Informationen, Aussagen aus den Verlagen, Erfahrungen und nicht dementierten Zahlen (bei Konfrontation via Telefon oder Email) entstanden", wie Ronnie Grob ihn zitiert, der die Diskussion auf Medienwoche.ch anstößt. Wigdorovits haben im Vorfeld zwar bei allen Chefredakteuren per E-Mail angefragt, doch niemand habe ihm sein Verdienst nennen wollen. Die Fehlertoleranz der nun erstellten Liste schätzt Wigdorovits bei +/- 7,5% ein.

Top-Verdiener unter den Schweizer Chefredakteuren ist also Markus Spillmann mit umgerechnet 387.000 Euro pro Jahr, dahinter folgen Tages-Anzeiger-Mann Res Strehle mit 306.000 Euro, NZZ-am-Sonntag-Chef Felix Müller, Blick-Boss René Lüchinger und SonntagsZeitung-Chefredakteur Martin Spieler mit je 258.000 Euro. Danach belegen dann die Radio- und TV-Chefs des SRF die nächsten Plätze. Wigodorovits habe beim Blick seinerzeit übrigens 242.000 Euro pro Jahr bekommen.

Auf Ronnie Grobs Anfrage äußerten sich erste Gewerkschaften kritisch über die Höhe der Gehälter. Insbesondere, weil bei "Journalistenlöhnen eine Stagnation mit Reallohnverlust" fest zu stellen sei, so Stephanie Vonarburg von Syndicom. Urs Thalmann von der Gewerkschaft Impressum nennt zru Verteidigung zwar die verantwortungsvolle Aufgabe der Chefredakteure, doch auch normale Journalisten hätten eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. Die Verteilung der Löhne sei daher "schädlich": "Mit ein paar gutbezahlten Topshots ist noch keine demokratische Willensbildung gemacht. Wir brauchen einen guten Bestand an Basisjournalisten, die sehr gut ausgebildet sind, Qualitätsarbeit machen und nicht wegen Lohndrucks gezwungen werden, die Branche zu wechseln."

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