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Springer will Scout24 nicht mehr kaufen

Axel Springer zieht sich aus dem Bieterrennen um die Telekom-Tochter Scout24 zurück. Der Preis, der im Gespräch gewesen sei, habe sich für den Konzern angesichts der Wachstumsprognosen nicht gerechnet, heißt es in der Springer-eigenen Berliner Morgenpost. Die Telekom verspreche sich einen Erlös von 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Nach dem Verkauf von Zeitungen und Magazinen durch Springer war spekuliert worden, das Medienhaus könne mit dem Erlös Teile der Scout-Gruppe erwerben.

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Der Kauf hätte gut in die Investmentstrategie von Springer gepasst. Wie die Financial Times noch im Juli berichtet hatte, sollten 30 Prozent der Scout-Anteile für 1,5 Milliarden Euro zum Verkauf stehen. Der Verkauf etlicher Printtitel an die Funke-Gruppe bringt Springer auf längere Sicht 920 Millionen Euro ein. Schnell wurden nach dem Verkauf Gerüchte laut, dass die Berliner das frische Kapital doch für den Kauf der Scout24-Anteile einsetzen könnten. Mit dem Einstieg hätte Springer sein Investitionskonzept fortsetzen können, das der Verlag mit der Gründung der Holding Axel Springer Digital Classifieds GmbH angestoßen hat.
So kauften die Berliner bereits diverse Rubrikenportale rund um Job, Auto- und Immobilienbörsen im In-und Ausland. Mit Seiten wie ImmobilenScout24 und AutoScout24 hätten diese optimal ergänzt werden können. Allerdings war Springer im Vorfeld offenbar nicht das einzige Unternehmen, das sich für Scout24 interessiert: Wie das Manager Magazin berichtete, sollen auch Finanzinvestoren wie Apax und ProSiebenSat.1-Teilhaber KKR geboten haben.
Bereits auf der Bilanz-PK Anfang des Jahres hatte Springer-CEO Mathias Döpfner verklausuliert sein Interesse an Autoscout24, Immobilienscout24 & Co. bekundet. Allerdings hatte der Manager auch gesagt, dass er die Forderung von zwei Milliarden Euro, die damals als Kaufpreis im Raum standen, für viel zu hoch erachte. Diese Einschätzung hatte er auch nochmal auf der vergangenen Bilanz-PK im August bekräftigt. Nun scheint Springer nicht mehr ausreichend Wachstumschancen in diesem Segment zu sehen, die ein solches Milliardeninvestment rechtfertigen würden. Der größte Firmenzukauf war der Erwerb des französischen Immobilienanzeigen-Anbieters SeLoger für 630 Millionen Euro.
Auch wenn Springer aus dem Bieterrennen um die Telekom-Tochter aussteigt, werden die Berliner fraglos weiter investieren. Immerhin gilt es, das neue Kapital aus dem Verkauf der Traditionsblätter gewinnbringend zu investieren. Hierzu kooperiert der Verlag seit einiger Zeit mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic.

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