Facebook, der chaotische Arbeitgeber

Ein Konzern vernetzt die ganze Welt. Da muss es doch ultracool und erfüllend sein, für eine solche Firma zu arbeiten, oder? Nicht unbedingt, sagen nun einige Ex-Mitarbeiter und aktuelle Angestellte von Facebook, die lieber anonym bleiben wollen. Sie werfen dem Milliardenkonzern vor allem eines vor: Unprofessionalität. Strukturen seien teilweise nicht erkennbar, Entscheidungen würden von Unbefugten getroffen und Kommunikation finde teilweise zwischen Vorgesetzten und ihrem Team überhaupt nicht statt.

Anzeige

Ein Entwickler, der angeblich seit vier Jahren für Facebook arbeitet, beklagt auf Quora vor allem die Zeit im Jahr, in der er rund um die Uhr “on duty” sein muss. In dieser Phase hat er als Entwickler eine Aufgabe: Seinen Dienst am Laufen zu halten. In diesen durchschnittlich sechs Wochen sei die Freizeit erheblich eingeschränkt, die Stadt könne man kaum verlassen, das Handy müsse immer aufgeladen und der Entwickler ständig auf Abruf bereit sein – auch in der Nacht. Verabredungen mit anderen Menschen seien dann eigentlich nicht machbar. Denn es komme durchaus vor, dass man um 3 Uhr nachts wieder vor Ort sein muss.
Ein anderer Entwickler, der seit zwei Jahren an Bord ist, erklärt zunächst, wie glücklich er sich schätzt, für Facebook zu arbeiten. Doch hätte sich in den vergangenen zwei Jahren einiges an Problemen angehäuft. Er beklagt den Mangel an Professionalität und die teils fehlende Trennung zwischen privatem und beruflichem Leben. Kollegen würden etwa ihre Firmen-Adresse für Privatangelegenheiten nutzen. Beim heimlichen Firmenspiel, Beer Pong, sei man quasi dazu verpflichtet, mit seinen Kollegen über private Dinge zu sprechen. Das schaffe teils einen psychologischen Gruppendruck, den es in anderen Unternehmen nicht gebe. Darüber hinaus leide Facebook an “Wachstumsschmerzen”, weil sich das Unternehmen in so kurzer Zeit so rasant vergrößert hätte. Momentan habe die Firma damit zu kämpfen, eine funktionierende Infrastruktur für ein Unternehmen mit 4.000 Angstellten zu schaffen – und sei noch lange nicht damit fertig.
Nicht ganz unerwartbar beklagt ein anderer Facebook-Angestellter, dass er von Bekannten und Verwandten als Kummerkasten missbraucht wird. Wenn jemand aus seinem sozialen Umfeld nicht mit einer Änderung im Social Network einverstanden sei, würde man ihn kontaktieren.
Andere Mitarbeiter beschweren sich über mangelnde Strukturen und fehlenden Fokus in den Teams. So hatte etwa ein Praktikant die komplette Dauer seines Praktikums damit verbracht, ein Projekt zu überarbeiten. Am Ende seines Aufenthalts entschied man kurzerhand, dass es dieses Redesign nicht gebraucht hätte. Ein weiterer Mitarbeiter spricht von fehlenden Anweisungen der Vorgesetzten und mangelndem Feedback der Kollegen zu Projekten.
Ein Entwickler, der sogar seinen Namen nennt, schreibt über Vorfälle, die Manager eigentlich panisch werden lassen sollten. So hätten teilweise schon Praktikanten wichtige Entscheidungen über Produkte getroffen. Oder aber Entwickler zusammen mit Designern während eines Mittagessens – ohne ihren Vorgesetzten davon zu erzählen.
Ein anderer Facebook-Angestellter schildert seine Erlebnisse weitaus drastischer: “Als Ersatz für jemand im Mutterschutz war ich zeitweise als Admin tätig – mit sehr wenig Einführung zu Beginn und kaum Unterstützung – und musste für zwei der schlechtesten Chefs arbeiten, mit denen man jemals zu tun haben kann."
Andere Ex-Facebooker klagen über mangelnde soziale Kompetenzen bei Kollegen und Vorgesetzten. So hätte eine Angestellte etwa die Wäsche ihres Chefs waschen müssen – inklusive der getragenen Unterwäsche seiner Frau. Ihre Kollegen hätten sie zudem wie “Müll” behandelt. Andere kritisieren ihre Ex-Kollegen als “versnobbt” und “unhöflich”.
Natürlich gibt es in jedem Unternehmen Personen, die sich schlicht mit der Firmenphilosophie identifizieren können oder einfach nicht ins Raster passen. Zudem hat jeder Ex-Mitarbeiter wohl gute Gründe, über seinen Ex-Arbeitgeber zu lästern. Bei den genannten Beispielen handelt es sich nicht um eine repräsentative Mehrheit von Mitarbeitern des Unternehmens, sondern eine kleine Gruppe, die einen Einblick in die Strukturen des Hype-Unternehmens liefert. Dieser Einblick wirkt nicht sonderlich frustriert, sondern vor allem reflektiert. So scheint Facebook ein Unternehmen zu sein, dass noch damit zu kämpfen hat, die vielen jungen Talente auch zielgerichtet ihre Arbeit erledigen zu lassen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige