Amazons radikale Kunden-Philosophie

In den USA hat der E-Commerce-Riese Amazon Kindle Matchbook angekündigt. Bei dem neuen Service können Käufer von gedruckten Büchern ab Oktober für einen geringen Preis oder sogar gratis eine E-Book-Version für Amazons Kindle-Reader dazubekommen. Und zwar rückwirkend bis 1995, dem Jahr in dem Amazon startete! Der neue Service unterstreicht einmal mehr die radikale Ausrichtung des E-Commerce-Konzerns auf Kundenbedürfnisse - und wäre hierzulande leider wohl unmöglich.

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Wer in den USA bei Amazon ein gedrucktes Buch kauft, erhält ab Oktober zu Preisen von 99 Cent bis 2,99 Dollar die E-Book-Version für den Kindle obendrauf. Bei manchen Büchern gibt es die Kindle-Version sogar gratis dazu. Dieses Bundle-Angebot ergibt aus Kundensicht absolut Sinn. Auf diese Weise wird es viel attraktiver, einen dicken Wälzer, der sich daheim im Buchregal gut macht, als Print-Buch zu kaufen. Für unterwegs hat man dann die E-Book-Version bequem zur Hand. Bücher werden aber nur dann bei Kindle Matchbook angeboten, wenn die Verlage zugestimmt haben. Zum Start des Programms kündigt Amazon an, dass mehrere tausend Bücher bereits erhältlich sein werden.
Natürlich bindet Amazon Kunden damit noch enger an das Kindle-Ökosystem als ohnehin schon. Dafür genießt der Kindle-Kunde aber auch einen hervorragenden Service. Man kann sich aussuchen, ob einem der Service die enge Bindung am Amazon wert ist. Der Konkurrenz steht es schließlich frei, ähnliche Angebote aufzulegen.

Noch dazu bietet Amazon US-Kunden den Service rückwirkend bis 1995 an, dem Jahr in dem Amazon seine Dienste als Online-Buchversender begann. So etwas meint Amazon-Gründer Jeff Bezos, wenn er in Sachen Washington Post jetzt erklärte, der Kunde, bzw. Leser müsse in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Deutsche Verlage haben das größtenteils immer noch nicht kapiert. Hierzulande versucht man, wertvollen Print-Abonnenten noch ein paar Cent extra aus dem Kreuz zu leiern, um ihnen mit E-Papers oder Digitalangeboten dieselben Inhalte, die sie schon einmal teuer bezahlt haben, noch einmal zu verkaufen.
Und viele Buchverlage stehen dem unaufhaltsamen E-Book-Trend nach wie in weiten Teilen skeptisch bis ablehnend gegenüber. Dabei wären gerade Bundles wie Kindle Matchbook eine Riesenchance, die Attraktivität teurer, aufwändig produzierter Print-Bücher zu erhöhen. Aber bitte ohne Mehrkosten für den Kunden. Es sollte sogar Standard werden, dass man beim Kauf eines Print-Buches die E-Book-Version ohne Mehrkosten dazu bekommt. Hierzulande würde ein Angebot wie Kindle Matchbook an der Buchpreisbindung scheitern, die es Verlagen erlaubt, den Preis eines Buches im Handel zu bestimmen.

Schon heute bietet Amazon einen ähnlichen Service beim CD-Kauf an – auch hierzulande. Kauft man bei Amazon eine CD, erhält man die MP3-Version sofort und gratis ohne Aufpreis dazu. So läuft das mit der Kundenorientierung.

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