Sie mögen Politik nur, wenn sie laut ist

Nach dem “TV-Duell” folgte am Montagabend im Ersten der “TV-Dreikampf” mit den Spitzenpolitikern von Grünen, FDP und Linke: Jürgen Trittin, Rainer Brüderle und Gregor Gysi, moderiert von Jörg Schönenborn (WDR) und Sigmund Gottlieb (BR). Es ging lauter zu als beim betulichen Kanzler-Kandidatenduell. Manche meinen: “lebendiger”. Doch das bedeutet nicht, dass die Sendung besser gewesen wäre. Die Teilnehmer, inklusive der Moderatoren, blieben brav in ihren Rollen - als Krawallmacher und Stichwortgeber.

Anzeige

Schon zu Beginn machte die Dramaturgie des “TV-Dreikampfs” klar und überdeutlich, dass es hier ganz furchtbar dynamisch werden soll. Ganz anders also, als beim überregulierten “TV-Duell”. Die Kamera flog, eine markige Stimme dröhnte aus dem Off, man sende “live aus dem Kraftwerk in Berlin”. Wer auf offensichtlich zur Schau getragene Prä-Potenz steht, wurde auch im weiteren Verlauf der Sendung nicht enttäuscht.

WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn, der tags zuvor bei “Günther Jauch” noch den biederen Zahlen-Heinzelmann gegeben hatte, durfte sich nun auch endlich als Chef-Befrager beweisen. Dies sei die Sendung, “bei der es mehr Gesprächspartner als Moderatoren gibt”, verkündete er in Anspielung auf das mit vier Moderatoren besetze “TV-Duell”. Dass der “TV-Dreikampf” dafür auch nicht auf vier großen Sendern läuft, sondern “nur” im Ersten – who cares?

Die Macher hatten es ganz offensichtlich darauf angelegt, am Tag nach dem Duell einen besonders markigen Dreikampf aufzulegen. Mit Betonung auf “Kampf”. Wenn man etwas aber so ganz dolle, wie verrückt will, dann wird aus dem Kampf schnell ein Krampf. Mit Trittin, Gysi und Brüderle waren passenderweise drei der größten Dampfplauderer des Polit-Betriebs beisammen und dementsprechend durcheinander ging es zu. “Ganz kurz Herr Trittin”! Ich bitte Sie Herr Gysi! Also wirklich Herr Brüderle!” Fehlte nur noch ein gewisser Herr Müller-Lüdenscheidt, der seine Ente zu Wasser lassen will.

Das Brüderle irgendwas mit Marktwirtschaft nuschelt, Trittin das Klima retten will und Gysi prinzipiell alles besser weiß – so lange er um Himmels willen nicht in die Verlegenheit kommt, selbst Verantwortung tragen zu müssen – dies waren dann freilich keine ganz neuen Erkenntnisse. Beim “TV-Duell” wurden immerhin – Stefan Raab und Anne Will sei Dank – die unterschiedlichen Positionen und Charaktere von Kanzlerin und Herausforderer herausgearbeitet. Beim “Dreikampf” gab es Politik-Show auf gehobenem Stammtisch-Niveau. Beruhigend nur, dass keiner dieser drei Herren in die Verlegenheit kommt, jemals Kanzler der Republik zu werden.

Die beiden Dompteure der kleinen Haudrauf-Show hatten nicht viel zu leisten. Ab und zu mal “Herr Trittin, Herr Brüderle oder Herr Gysi!” rufen und Stichworte aufrufen. Am Ende grienten die Herren Gottlieb und Schönenborn dann wie die Honigkuchenpferde selbstzufrieden um die Wette. Weil es so schön “lebendig” war. Weil es so schön laut war. Das musste reichen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige