Microsoft kauft Nokias Handy-Sparte

Also doch: Nach Jahren der Spekulationen schafft der scheidende Microsoft-CEO Steve Ballmer nun Fakten und übernimmt das Handygeschäft des strauchelnden Mobilfunkpioniers Nokia für nur 5,5 Milliarden Euro. Das 148-jährige finnische Traditionsunternehmen kapituliert damit vor der rasanten Entwicklung in der Mobilfunkbranche, die inzwischen von Apples iPhone und Samsungs Android-Angeboten beherrscht wird. Die vor zwei Jahre beschlossene Allianz mit Microsoft reichte nicht mehr zur Trendwende. Von Nokia bleiben nur Reste über.

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Also doch: Nach Jahren der Spekulationen schafft der scheidende Microsoft-CEO Steve Ballmer nun Fakten und übernimmt das Handygeschäft des strauchelnden Mobilfunkpioniers Nokia für nur 5,5 Milliarden Euro. Das 148-jährige finnische Traditionsunternehmen kapituliert damit vor der rasanten Entwicklung in der Mobilfunkbranche, die inzwischen von Apples iPhone und Samsungs Android-Angeboten beherrscht wird. Die vor zwei Jahre beschlossene Allianz mit Microsoft reichte nicht mehr zur Trendwende. Von Nokia bleiben nur Reste über.
   
5,44 Milliarden Euro: Das ist exakt die Summe, die das Herzstück von Europas einst stolzestem und wertvollsten Konzern am Ende noch wert ist – im Frühjahr 2000 waren es fast 300 Milliarden Euro.

Nicht mal zwei Prozent des einstigen Börsenwertes überweist Microsoft nun für die Handy- und Tabletsparte (3,79 Milliarden Euro) und das dazugehörige Patentportfolio (1,65 Milliarden Euro) des 148 Jahre alten finnischen Traditionsunternehmens, das sich mehr als ein Jahrzehnt größter Handyhersteller der Welt nennen durfte.   

Kreative Zerstörung: Keine Chance gegen iPhone und Android

Dann jedoch folgte einer spektakulärsten Abstürze der jüngeren Geschichte der Technologiebranche, der mit der Einführung des iPhones 2007 begann. Nokia hatte keine Antwort auf den aufkommenden Smartphone-Boom und wurde erst zwischen Apple und Blackberry aufgerieben – und dann von den sich rasanten verbreiteten Android-Angeboten an den Rand gedrückt.

Wenn es in den vergangenen fünf Jahren ein Beispiel für den brutalen Verdrängungsmechanismus der kreativen Zerstörung gab, dann war es Nokia. Die hilflose Allianz mit Microsoft, die doch unübersehbar einer Kapitulation gleichkam, kam viel zu spät. Nokia blieb nur noch, sich einem stärkeren Partner in die Arme zu werfen.

Comebackversuch Lumia: die bunt und biegsam designten Smartphones kamen zu spät

Zweieinhalb Jahre nach dem verzweifelten Ausruf des neuen CEOs Stephen Elop, der früher Microsoft-Manager war, er befinde sich auf einer brennenden Bohrinsel, ist nicht mehr viel über geblieben vom einst weit über die Grenzen Europas bewunderten Wunderkind der Handybranche. Nokia schmiss das eigene, gegen iOS und Android hoffungslos veraltete Betriebssystem Symbian über Bord, um sich dem Softwareriesen Microsoft anzuvertrauen.

Der hatte sich mit Windows Phone bisher auf dem Mobilfunkmarkt allerdings ebenfalls nicht gerade Ruhmesblätter verdient. Es folgte Windows Phone 8 und die bunt und biegsam designte Smartphone-Modelle der Lumia-Serie, doch sie kamen viel zu spät. Zu mehr als einem kurzen Achtungserfolg Anfang des Jahres reichte es nicht mehr, Nokia verbannte weiter zu viel Geld.

Nokia-Chef Stephen Elop gilt nun als heißester Anwärter auf Ballmer-Nachfolge

Was folgen musste, war seit der tiefen Allianz mit Microsoft absehbar: Nokia war zum getriebenen Juniorpartner von Microsoft geworden. Der Redmonder Softwareriese bestimmte nun die Konditionen der finalen Zusammenführung des wichtigsten Konzernteils der Finnen: Die Handysparte wurde samt Patenten für insgesamt gerade mal 5,5 Milliarden Euro einverleibt. Das ist die Hälfte von Nokias ohnehin schon völlig kollabierten Börsenwertes.

32.000 Mitarbeiter werden künftig unter der Flagge des Windows-Konzerns zur Werke gehen – darunter auch Nokias bisheriger Vorstandschef Stephen Elop, der zum nach Apple und Google drittwertvollsten Technologiekonzern in die Konzernzentrale zurückbeordert wird und schon als heißer Nachfolger des scheidenden Microsoft-Chefs Steve Ballmer gilt.  

"Gute Nacht, Nokia. Wundervolle und aufregende Jahren, Nokias Handy-Saga zu verfolgen"

Im finnschen Espoo geht unterdessen eine Ära zu Ende. "Man kann dem Rest der Welt schwer erklären, was es für eine glänzende Zeit für Finnland war, als Nokia 20 Prozent am weltweiten Handymarkt besaß", twitterte der finnische Telekomanalyst Tero Kuittinen in einer ersten Reaktion. "Gute Nacht, Nokia. Es waren wundervolle und aufregende Jahren, Nokias Handy-Saga zu verfolgen. Bis zum blutigen Ende."

Begonnen hatte alles 1865 im südfinnischen Tampere mit der Herstellung von Papiererzeugnissen und Gummistiefeln. Die Gummistiefel des Jahres 2013 sind  Auto-Boxen, Set-Top-Boxen und das verbliebene Netzwerkgeschäft. Wie sich die Zeiten doch ändern. Und wie sehr sie sich am Ende doch ähneln.

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