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„ARD präsentierte einen Chaos-Talk“

Dreikampf in einer „hitzig-wütenden Debatte“ (SZ): Einen Tag nach dem großen TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Peer Steinbrück, durften nun Rainer Brüderle (FDP), Jürgen Trittin (Grüne) und Gregor Gysi (Linke) für ihre Positionen streiten. Das Ergebnis: Ein "Chaos-Talk" (FAZ.net) ohne protokollarische Fesseln. Für Spiegel Online sah Severin Weiland am Ende der Debatte „drei kleine Gewinner“. Stefan Braun (SZ.de) ging es ähnlich. Er registrierte „drei spitzen Streithähne“.

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Severin Weiland, Spiegel Online: „Der Wettstreit der drei kleinen Parteien war wenigstens einer (…). Dafür gebührt den drei Spitzenkandidaten zunächst einmal ein Lob. Rainer Brüderle (FDP), Jürgen Trittin (Grüne) und Gregor Gysi (Linke) wirkten munter, angriffslustig und gelegentlich auch witzig. Vor allem aber: Es ging zur Sache.“

Stefan Braun von Süddeutsche.de hatte offenbar viel Spaß an dem kleinem Duell. „Am Montagabend, beim TV-Dreikampf von Gregor Gysi (Linke), Jürgen Trittin (Grüne) und Rainer Brüderle (FDP), konnte jeder erleben, wie Politiker kochend vor Zorn nebeneinander glühen können – und Moderatoren mühsam darum kämpfen, dem Gespräch trotz größten Durcheinanders noch eine Richtung zu geben. Nein, so was hat es tags zuvor beim Duell von Angela Merkel gegen Peer Steinbrück nicht gegeben“. Kritisch merkt er allerdings auch an: „Ob es allerdings ein Gewinn ist, wenn ein einstündiges Rededuell so unkontrolliert aus dem Ruder läuft, steht auf einem anderen Blatt.“

Jan Wiele war bei FAZ.net mit der Sendung und ihren Moderatoren so gar nicht zufrieden. „Vielleicht hatten ja auch Schönenborn und Gottlieb mit den Streithähnen beim „Dreikampf“ so richtig Spaß. Was das Moderatoren-Duo oder vielmehr die Regie dabei allerdings vollkommen aus dem Blick verlor, war eine ausgewogene Aufteilung der Sendezeit nach allen relevanten Themen der Wahl am 22. September.“ Am Ende fühlte er sich „so wie nach den inzwischen sehr chaotisch gewordenen Wettervorhersagen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: völlig besoffen gequatscht und beinahe ohne jegliche fassbare Erinnerung an das eben Gesehene und Gehörte.“

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Auch die taz sah „eine Stunde Testoteron“. Eine Debatte, die „lebhaft, kontrovers und viel zu kurz“ war. Nach ein Einschätzung von Paul Wrusch zeigte das „TV-Duell der kleinen Parteien, „wie derartige Politshows auch funktionieren können“. Allerdings merkt Wrusch auch an. „Dass die ARD es nicht geschafft hat, wenigstens eine Frau als Moderatorin aufzufahren, und dass die Grünen nicht Katrin Göring-Eckard in Rennen schickten, trübte den ansonsten gelungenen Politikshowabend. Auch wenn die wichtigen Themen Syrien und NSA-Überwachung nicht vorkamen.“

Thorsten Jungholt, Welt Online: „Das Betragen der Herren allerdings war keineswegs ihrem Lebensalter entsprechend. Es ging wesentlich lebhafter zu als im Merkel-Steinbrück-Duell, das Motto der Sendung ("Die Drei von der Zankstelle") war treffend gewählt“.

Michael Schlieben, Zeit Online: „Puh, das war anstrengend. Eigentlich hätte der TV-Dreikampf der drei Spitzenkandidaten von FDP, Grünen und Linke am Montagabend durchaus eine unterhaltsame Runde werden können. Die Diskutanten: pointierte, schlagfertige Redner. Die Regeln: nicht so starr wie beim TV-Duell. Aber während Angela Merkel und Peer Steinbrück am Vorabend fair und doch recht aufschlussreich diskutiert hatten, geriet der Dreikampf zum Gegenteil: zu einer hitzigen und leider oft unverständlichen Veranstaltung.“

Bernd Gäbler, Tagesspiegel.de: „Vor Ort gab es kein Publikum. Dadurch kann ein Streit sachlicher werden, weil die Diskutanten es weniger auf applausträchtige Pointen anlegen. Der Nachteil: Sie sehen auch keinen Anlass, charmant zu wirken, jemanden elegant für sich einzunehmen. So wurde der „TV-Dreikampf“ ein Wettbewerb wortgewaltiger, faktenkundiger aber auch ziemlich stoffelig wirkender älterer Herren. und leider oft unverständlichen Veranstaltung.“

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