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„Was die Anti-Raab-Fraktion nicht versteht“

Gestern Abend war es so weit: Bundeskanzlerin Angela Merkel traf im Rahmen des TV-Duells auf ihren Herausforderer Peer Steinbrück. Doch nicht nur die Performances der beiden Kanzlerkandidaten sind am Tag danach Thema in den Medien – auch Duell-Neuling Stefan Raab wurde am Abend kritisch beobachtet. "Ihm war es zu verdanken, dass es nicht langweilig wurde", meint Bild. Ganz anderer Meinung ist dagegen die FAZ. MEEDIA hat die wesentlichen Pressestimmen zum Duell zusammengetragen.

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Nico Fried, Süddeutsche.de: "Doch so richtig bekommen die Moderatoren ihre Gäste auch im weiteren Verlauf nicht in den Griff. Im Gegenteil: Immer wieder mal werden die Rollen getauscht, nicht zwischen Merkel und Steinbrück, sondern zwischen Politikern und Moderatoren. So ist Raab der erste, der eine wirkliche Vision ins Spiel bringt: Solle man nicht zum Abbau von zwei Billionen Euro jetzt eine Milliarde zurückzahlen – und zwar jeden Monat? Die Vision ist so unrealistisch, dass die Kontrahenten sie glatt ignorieren."
Andres Thewalt, Bild.de: "Auch den Moderatoren Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und vor allem Stefan Raab (ProSieben), war es zu verdanken, dass es nie langweilig wurde. Sie führten mit teils bissigen, klug formulierten Fragen und gut aufeinander abgestimmt durch die Sendung. Zwar war RTL-Mann Kloeppel von seiner Bestform diesmal entfernt, aber Stefan Raab von ProSieben war überragend in Form: TV-Duell TOTAL!"
Sophie Albers Ben Chamo, stern.de: "Es wurde gelacht, es wurde aus dem Konzept gebracht, es wurde laut, es wurde gefühlt. Am Ende hing Raab fast über dem Tisch, denn ihn hat die ganze Veranstaltung offensichtlich als einzigen wirklich mitgenommen. Und das ist wohl, was die Anti-Raab-Fraktion nicht verstanden hat: Die Zeiten der Unberührtheit, der Krawatte, weil Krawatte immer da war, des Respekts aus Gewohnheit sind vorbei. Jedenfalls wenn man Quote machen will."
Günter Bannas, FAZ.de: "Das Gespräch plätschert dahin. Die Stimmung im Saal ist gediegen langweilig, und selbst Stefan Raab, der Neue in der Runde der bedeutenden Fragesteller der vier Fernsehsender hat sich schon schwer damit getan, abseits eines Witzes für neue Formen politischer Fragestellung zu sorgen. Zwischen Grundsätzlichem und Kleinteiligen mäandert die Talkrunde von Titelverteidigerin und Herausforderer."
Stefan Kaufmann, Handelsblatt.de: "Was bleibt? Die Erkenntnis, dass es dem Wahlkampf an dem einen großen Thema fehlt, das polarisiert und die Wähler in das eine oder das andere politische Lager treibt. Daran änderte naturgemäß auch das TV-Duell, das einen ganzen Wust an Punkten anschnitt ohne ein einziges vertiefen zu können, nichts."
Ulrich Schmid, Neue Züricher Zeitung: "Die Kanzlerin, von ihren Gegnern oft als ausweichend und abwiegelnd beschrieben, verblüffte durch ihren festen Willen, sich weder von den Moderatoren noch von Steinbrück aus dem Konzept bringen zu lassen. Der SPD-Kanzlerkandidat dagegen argumentierte schnell, präzise und elegant und suchte sein Heil in leiser, eher ironisch daherkommender Kritik, die nicht als belehrend oder uncharmant wahrgenommen werden sollte. Stellenweise zeigte er gar Humor."
Tim Rahmann, Wirtschaftswoche Online: "Warum sich erneut gleich vier Moderatoren auf die zwei Kontrahenten stürzen, ist nach wie vor nicht klar. Doch im Vergleich zu den Vorjahren haken Anne Will und Maybritt Illner häufiger nach. Peter Kloeppel bleibt blass. Doch der einzige Neue in der Runde, Stefan Raab, läuft zur Hochform auf. Immer wieder bringt er die beiden Politiker aus dem Konzept, fordert klare Thesen statt Worthülsen."
Torsten Krauel, Welt Online: "Das Patt spiegelt die heimliche Wunschlage vieler Wähler – eine große Koalition. Steinbrück hat darauf nicht klar antworten wollen. Aber seine Wunschregierung Rot-Grün hat er nicht als Ideal angepriesen. Er hat sogar überhaupt nicht davon gesprochen. Er klang, bei aller bissigen Attacke, so wie der Frosch im Märchen vom Froschkönig zur Prinzessin: "Deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine und deine goldene Krone, die mag ich nicht; aber wenn Du mich lieb haben willst und ich soll dein Geselle und Spielkamerad sein…" Das könnte er. Das fanden die Zuschauer auch."

Stephan-Andreas Casdorff, Tagesspiegel.de: "Sie lullt uns ein? Er überfordert? Die Befürworter beider Lagen können "Nein" rufen. Und haben beide recht. Das Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück kennt keine Verlierer. Brisant war nur eines: der Blick von Angela Merkel." 
Arno Widmann, Berliner Zeitung: "In Wahrheit haben wir ein schönes Paar für die Neuauflage der großen Koalition erlebt. Zwei, die einander necken und mögen. Wieder kein Wahlkampf."
Gabor Steingart im Morning Briefing: "Bei den Moderatoren gab es unnötigerweise eine Männerquote. Dabei hätten Anne Will und Maybrit Illner es auch allein geschafft. RTL-Mann Peter Klöppel wirkte müde, der von ProSieben Sat.1 entsandte Stefan Raab gehört – wie nun auf offener Bühne zu besichtigen war – zum Stamme der Plattfußindianer."

Anmerkung: In einer vorigen Version der Pressestimmen haben wir aus Sophie Albers Ben Chamo "Ben Chamo" gemacht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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