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Das “TV-Duell”: Steinbrücks nutzloser Sieg

Das war also dieses “TV-Duell”. Angela Merkel und Peer Steinbrück antworteten länglich auf Fragen, die nicht gestellt wurden. Die Kanzlerin zeigte einmal mehr, dass sie keine gute Rednerin und Diskutantin ist. Stefan Raab erwies sich einmal mehr als Glücksfall für ProSiebenSat.1, Anne Will war bissig und souverän. Von Maybrit Illner war fast nix zu hören, von Peter Kloeppel noch weniger. Am Ende hatte Steinbrück das Duell gewonnen. Die Wahl wird er wohl trotzdem verlieren.

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Reden kann er, der Steinbrück. Nachdem er eine Anfangs-Nervosität abgeschüttelt hatte, lief er zu gewohnt guter Form auf, schnappte bei doofen Fragen nach der Angemessenheit von Politiker-Gehältern (“Das können Sie unter sich ausdiskutieren.”), lieferte sich den einen oder anderen verbalen Schlagabtausch mit Stefan Raab und hielt einen überzeugenden Schluss-Monolog.

Und die Kanzlerin? War halt die Kanzlerin. Sie guckte sauer zur Seite, wenn Steinbrück seine verbalen Attacken ritt, unterstellte ihm hier und da Wahlkampf (ja was denn sonst!?), beantwortete so gut wie keine Frage konkret und laberte sich labberig durch ihr Schlusswort (“Sie kennen mich …”). Bei Angela Merkel war durch den Fernseher hindurch zu spüren, wie ihr das alles körperlich unangenehm war. Dieses ganze Duell, die abgezirkelte Redezeit, der polternde Steinbrück, der nölende Raab. Nein, das ist nicht ihre Welt. Die Kanzlerin fühlt sich gewiss wohler, wenn sie auf Gipfeln tagt und an Staats- und Weltenkrisen tüftelt.

Dass einige Kommentatoren am Ende meinten, das Duell sei unentschieden ausgegangen oder gar – wie Hans-Ulrich Jörges – die Kanzlerin sei überzeugender gewesen, ist rätselhaft. Vielleicht liegt es daran, dass Jörges gerade aus dem Urlaub kam. Peer Steinbrück hat diesmal ohne Zweifel auch medial geliefert und diese TV-Sache klar für sich entschieden. Es war das erste Mal in diesem für die SPD nerven- und auch sonst zerfetzenden Wahlkampf, dass der Kandidat mit sich und der Welt zufrieden zu Bett gehen konnte. Es sei dem Mann gegönnt, denn die Wahl wird er vermutlich trotzdem verlieren. Bis zum Wahltag am 22. September haben die meisten Menschen das TV-Duell schon wieder vergessen und für eine echte Wechselstimmung geht es den meisten Deutschen schlicht zu gut.

Es ist allerdings Peer Steinbrück zu verdanken, dass das “TV-Duell” diesmal nicht ganz so einlullend langweilig war, wie sonst. Peer Steinbrück und dem Duo Stefan Raab/Anne Will. Viel war im Vorfeld geunkt worden über die Berufung des Entertainers Raab zum “TV-Duell” und nun wird er als der große Sieger gefeiert, weil er ein- zweimal das betulich-brave Frage-Ritual dieser überregulierten Sendung durchbrochen hat. Im vergangenen Jahr hatte Frank Plasberg zwar auch keine Krawatte getragen, unterschied sich aber ansonsten nicht von den übrigen Langeweilern am Fragetisch. Raab hatte im Gegensatz zu Plasberg die Krawatte auch nicht im Kopf.

Und ihm zur Seite stand mit Anne Will die derzeit beste politische TV-Journalistin. Anne Wills Bissigkeit und Raabs Unverfrorenheit ergänzten sich prächtig. Da fiel kaum auf, dass vom Nebentisch mit Peter Kloeppel und Maybrit Illner ab und zu auch mal eine gediegene Protokoll-Nachfrage kam. Aus diesem Grunde machte es diesmal auch nichts, dass die Frager-Runde mit vier Journalisten überbesetzt war: Kloeppel und Illner wirkten ohnehin abwesend.

Für die geschundene Seele des Peer Steinbrück mag dieses “TV-Duell” Balsam gewesen sein. Hätten er und die SPD sich während des gesamten Wahlkampfs so präsentiert wie an diesem Abend, dann … ja dann … wer weiß … Doch wie pflegt Peer Steinbrück zu sagen: “Hätte, hätte, Fahrradkette.” Ein “TV-Duell” entscheidet in “Schland” keine Wahl. Niemand weiß das besser als Angela Merkel.

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