Bravo: Der missglückte Vorurteils-Test

Mögen Sie grelle Farben? Haben Sie Angst vor Spinnen? Treffen Sie mit einem Ball nie das Ziel? Ja? Dann sind Sie vielleicht schwul. Dieses Bild vermittelte zumindest ein Test auf der Bravo-Webseite. Die Jugendzeitschrift wollte mit den nicht ernst gemeinten Fragen auf Vorurteile gegenüber Homosexualität aufmerksam machen - hatte aber nicht mit Leser-Protesten gerechnet. Das Gegenteil von gut gemacht ist eben gut gemeint.

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Bravos Dr. Sommer ist eigentlich dafür da, Jugendlichen in kniffeligen, pubertären Fragen zu helfen. In diesem Fall trug die Jugendzeitschrift eher dazu bei, Verwirrung zu stiften. Zwar behandelte der "Test" auch einige halbwegs nachvollziehbare Fragen ("Auf einer Privatparty spielt ihr Flaschendrehen. Die Flasche zeigt auf dich, und du musst einen anderen Typen knutschen. Was denkst du?"). Doch Fragen nach der Wurfweite oder der Angst vor Spinnen in einen Zusammenhang mit Homosexualität zu stellen, war wenig zielführend. Das war zwar von den Machern so beabsichtigt, hieß es doch am Ende in einer entscheidenden Info: 
"Es ist übrigens egal, welche Farben Deine Klamotten haben, ob Du überlegst Dich zu schminken, ob Du eher männliche oder weibliche Freunde hast, ob Du Angst vor Spinnen hast oder gut werfen kannst – das alles sagt nichts darüber aus, ob Du schwul bist oder nicht. Die Antworten auf diese Fragen haben also auch keinen Einfluss auf das Ergebnis."
Wer den Test also vorzeitig abbrach, könnte in dem Glauben gelassen worden sein,  Schwul sein hätte tatsächlich etwas mit grellen Klamotten oder der Angst vor Spinnen zu tun. Nachdenken hilft zwar in vielen Fällen, doch tatsächlich glaubte eine ganze Reihe von Testern, hier würden Schwule diskriminiert. Ihren Unmut machten viele von ihnen auf der Facebook-Seite der Bravo deutlich: "Was nehmt ihr euch eigentlich heraus, mit solch dämlichen Fragen Jugendliche zu verunsichern?", fragt ein Leser beispielsweise. "Dieser Schwul-Test ist ja wirklich das Allerletzte. In welchem hinterletzten Dorf lebt ihr denn?" schreibt ein anderer.
"Der Test ist von dem Dr.-Sommer-Team in Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter entstanden, der selbst schwul ist. Wir sind da also mit der nötigen Sorgfalt herangegangen und wollten neutral über Homosexualität berichten. Ziel war es auf die Klischees aufmerksam zu machen", so ein Verlagssprecher gegenüber MEEDIA. "Die Reaktionen sind anders ausgefallen als wir erwartet haben." Aus diesem Grund habe man sich dafür entschieden, den Test wieder von der Seite zu nehmen.

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