Ist Elon Musk der neue Steve Jobs?

Innovationen fast im Monatsrhythmus: Der gebürtige Südafrikaner Elon Musk ist das neue Wunderkind der Techbranche. Der frühere Mitbegründer des Bezahldienstes Paypal sorgte heute mit dem Elektronikautohersteller Tesla für Furore – das US-Unternehmen ist schon weit mehr wert als Chrysler, obwohl es pro Monat gerade mal 5.000 Autos ausliefert. Doch Musk will noch mehr – mit Space X die Raumfahrt und mit Hyperloop den Personenverkehr revolutionieren. Ist der Seriengründer der neue Steve Jobs?

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Innovationen fast im Monatsrhythmus: Der gebürtige Südafrikaner Elon Musk ist das neue Wunderkind der Techbranche. Der frühere Mitbegründer des Bezahldienstes Paypal sorgte heute mit dem Elektronikautohersteller Tesla für Furore – das US-Unternehmen ist schon weit mehr wert als Chrysler, obwohl es pro Monat gerade mal 5000 Autos ausliefert. Doch Musk will noch mehr – mit Space X die Raumfahrt und mit Hyperloop den Personenverkehr revolutionieren. Ist der Seriengründer der neue Steve Jobs?

Am Tag, nachdem Jeff Bezos die Washingon Post kaufte, kannte die Begeisterung für den umtriebigen Internet-Unternehmer keine Grenzen mehr. Bezos hatte Amazon nicht nur zum kraftstrotzenden 130 Milliarden-Dollar-Koloss gemacht, er leistete sich nun auch mal eben für eine Viertelmilliarde Dollsr die Washington Post – ganz so, wie er sich zuvor einige hochfliegende Hobbys geleistet hatte.

Da ist etwa "Die Uhr des langen Jetzt" ("The Clock of the Long Now"), die tief unter der Erde in einem Bergstollen in Texas für die nächsten 10.000 Jahre die Zeit zeigen soll – Bezos hat sich den Spaß mal 42 Millionen Dollar kosten lassen. 

Dann ist da die Raumfahrt. 2005 wurde Bezos Investment in das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin bekannt, das er schließlich ganz übernahm. Ziel: private Weltraumreisen zu ermöglichen. Die Bergungsexpedition der legendären Apollo 11 in bis zu 4.800 Metern Tiefe finanzierte er obendrein.

Im Internet-Boom nur Jahrtausendwende zum Millionär

So einen Tausendsassa hatte die Techbranche seit Steve Jobs nicht mehr gesehen, hieß es reflexartig. Bekanntermaßen hatte der Computerpionier nicht nur Apple gegründet, sondern in seiner Dekade zwischen den zwei Amtszeiten mal eben die Filmindustrie mit Pixar revolutioniert, um dann bei seinem Apple-Comeback den wertvollsten Konzern der Welt zu schaffen.

Kurz vor dem zweiten Todestag der Tech-Ikone wird nun immer wieder ein anderer Name als veritabler Nachfolger im Geiste abgefeiert – nicht Jeff Bezos, sondern der Südafrikaner Elon Musk gilt in den US-Techmedien inzwischen als das größte Gründer-Genie unserer Tage. Elon Musk? Der heute 42-Jährige stieg im Internet-Boom um Jahrtausendwende mit seinem Online-Kartendienst Zip2, der 1999 von Compaq für 307 Millionen Dollar gekauft wurde, zum Millionär auf.

Zwei Riesenprojekte 2002 binnen 12 Monaten begonnen: SpaceX und Tesla

Musk zog sich nach dem Verkauf zurück und investierte in sein nächstes großes Projekt, X.com, einen Online-Bezahlanbieter via Email. 2000 folgte die Übernahme des Wettbewerbers Confinity, aus dem das fusionierte Unternehmen Paypal hervorging. Die Geschichte ist bekannt: eBay schlug 2002 für 1,5 Milliarden Dollar zu – und Musk hatte sein Kapital in dreistellige Millionenhöhe vervielfacht.

In den nächsten 12 Monate folgten zwei der ambitioniertesten Neugründungen und Investments des vergangenen Jahrzehnts: Das Raumfahrtunternehmen SpaceX, das die ersten privat finanzierten Raumflüge anbietet und inzwischen die Nasa beliefert. Musks ambitioniertes Ziel: Bis 2020 soll es zum Mars gehen, er wolle schließlich mitfliegen und sei dann bald 50.

Tesla – das iPhone der Autobranche

Kaum weniger ambitioniert ist die Wette auf die Zukunft der Automobilbranche, die Musk mit dem seinem Elektroauto Tesla bestimmen will. Die Wall Street hat an Tesla einen absoluten Narren gefressen: Obwohl aktuell gerade mal 5.000 Fahrzeuge pro Quartal ausgeliefert werden und die Konzernbilanz vor Steuern und Abschreibungen nach zehn Jahren erstmals leicht in der Gewinnzone landete,  haussiert die Tesla-Aktie, als wäre buchstäblich das Auto neu erfunden worden.

Auf unglaubliche 400 Prozent beläuft sich das Plus allein seit Januar, 20 Milliarden Dollar ist Tesla bereits an der Börse wert. Das ist mehr als der Traditionsautobauer Chrysler und fast halb so viel wie General Motors bzw. knapp ein Drittel von Ford. Der Tesla, der bis 2016 in drei Preisklassen angeboten werden soll, ist das iPhone der Autobranche – als absoluter Gamechanger, der einen Paradigmenwechsel einläutet.

Immer neue Ankündigungen: Google Glass und die iWatch als Schnee von gestern

Aber Musk will noch mehr. Gerade mal 14 Tage ist es her, als der Seriengründer das Konzept zum Hyperloop vorstellte – ein aberwitzig anmutendes Projekt für den Personen- und Güterverkehr zwischen San Francisco und Los Angeles, bei dem Passagiere in einem Röhrenzug, der Luftwiderstand trotzt, bis zu 1.200 km/h schnell fortbewegt werden sollen.

Und weiter geht’s: Für dieser Woche kündigte der passionierte Twitterer Musk an: "Wir haben herausgefunden, wie man Raketenteile nur mit Handbewegungen in der Luft entwerfen kann (ernsthaft)". Woher die Idee kam? Aus dem Hollywood-Blockbuster Iron Man, in dem er selbst eine Gastrolle spielte. Was jetzt noch fehle, sei ein Hologramm-Interface. Dann könne man Raketenteile per Gesten designen, um sie dann mittels 3D-Druck in Titan zu fertigen. Es klingt, als wären Google Glass, das selbstfahrende Google Auto oder die iWatch bereits Schnee von gestern.

US-Techmedien im Musk-Rausch

Wie nachhaltig die extrem ambitionierten Projekte am Ende sein werden, ist eine andere Frage – auch Steve Jobs leistete sich bekanntlich spektakuläre Pleiten. Der Macintosh-Vorläufer Lisa floppte hart, sein eigenes Computerunternehmen NeXT arbeitete nie wirtschaftlich, und Designmeisterstücke wie der Cube Mac wurden schon mal an Kunden vorbeiproduziert.  

Jobs war stets bereit, Risiken einzugehen, weil Stillstand einen Rückschritt bedeutet. Musk besitzt zweifellos dieselbe Mentalität. Während kurz vor dem zweiten Todestag des visionären Apple-Gründers immer wieder die fehlende Innovation beim wertvollsten Konzern der Welt bemängelt wird, überschlagen sich die US-Techmedien in ihren Lobeshymen auf Musk – die Techportale Mashable und Business Insider kommen keinen Tag mehr ohne ihre Fixierung auf Musk aus.  

Soviele Ambitionen ziehen aber auch Kritik und leichten Spott nach sich. Unter @BoredElonMusk verbreitet ein Scherzbold Parodien auf den Seriengründer. "Wenn sich die Leute nicht entscheiden können, ob man mit Steve Jobs oder Iron Man verglichen werden sollte, würde ich sagen, dass im Leben einiges richtig läuft", twitterte der Musk-Parodist. Nutzer des Meinungsportals Quora sind da schon weiter: Auf die Frage, ob er der nächste Steve Jobs sei, sprachen sich die Mitglieder eindeutig aus: Er habe den Apple-Gründer längst überholt.

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