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Drängte Bill Gates Ballmer zum Rücktritt?

Sie waren Studienfreunde in Harvard: Bill Gates, der geniale Microsoft-Gründer, und Steve Ballmer, Mitarbeiter Nummer 30 bei der Softwareschmiede. Zur Jahrtausendwende übergab Gates an den bulligen Ballmer. Nach fast 14 Jahren ist nun Schluss: Ballmer tritt ab, angeblich aus eigenen Stücken. Dem widerspricht die zumeist exzellent informierte Wall Street Journal-Reporterin Kara Swisher. Ihre Quellen legen nahe: Gates entzog Ballmer die Rückendeckung und überließ ihn so seinem schnellen Schicksal.

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Sie waren Studienfreunde in Harvard: Bill Gates, der geniale Microsoft-Gründer, und Steve Ballmer, Mitarbeiter Nummer 30 bei der Softwareschmiede. Zur Jahrtausendwende übergab Gates an den bulligen Ballmer. Nach fast 14 Jahren ist nun Schluss: Ballmer tritt ab, angeblich aus eigenen Stücken. Dem widerspricht die zumeist exzellent informierte Wall Street Journal-Reporterin Kara Swisher. Ihre Quellen legen nahe: Gates entzog Ballmer die Rückendeckung und überließ ihn so seinem schnellen Schicksal.

Am Ende sind es wieder einmal die Dinge, die nicht gesagt werden, die die ganze Geschichte erzählen. Sie klingt zunächst so: "Microsoft ist ein unglaublicher Ort. Ich liebe diese Firma", schrieb Steve Ballmer in seiner Rücktritts-Abschiedsmail an die Mitarbeiter. Weiter heißt es darin: "Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben". Ein Wort des Dankes an jenen Mann, mit er in den 70er-Jahren studiert hatte, der ihn 1980 zu Microsoft geholt und 20 Jahre später zum CEO gemacht hatte? Fehlanzeige.

Dabei galten Steve Ballmer und Bill Gates über mehr als drei Jahrzehnte als kongeniales Duo: Gates war der geniale Macher, Ballmer der bärbeißige Verkäufer, der sich nicht scheute, dahin zu gehen, wo es wehtat – selbst wenn er dabei selbst zum Gespött wurde. Immer hat Bill Gates seine schützende Hand über den umstrittenen Microsoft-Chef gehalten.

Gates angekündigtes Abrücken: "Ganz klar: Wir haben Fehler gemacht"

Am Ende waren es aber eben nicht nur die verfehlten Popstar-Auftritte, sondern der verblichene Glanz. Ein Jahrzehnt der verpassten Innovationen im Internet und Mobile-Segment waren zu viel. Gates wurde kritischer und rückte erkennbar von Ballmer ab. Sein erstaunlich offenherziges Interview mit CBS im Februar musste beim amtierenden Microsoft-Chef die Alarmglocken schrillen lassen.

"Ganz klar: Wir haben Fehler gemacht", gab Gates zu. "Wir haben den Handy-Markt nicht verpasst, aber wie wir aufgetreten sind, hat uns nicht ermöglicht, den Markt zu dominieren." Wir? Das schließt den Konzernchef Ballmer mehr als deutlich mit ein. Und wieder im Plural betonte Gates: "Wir sind beide die selbstkritischsten Menschen, die man sich vorstellen kann."

Vernichtende Bilanz im Internet, mit Nokia und dem Surface

Ob es die Fähigkeit zur Selbstkritik war, die Ballmer die bedeutungsschwangeren Zeilen schreiben ließ: "Es gibt niemals den perfekten Zeitpunkt für einen solchen Übergang, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt" – man wird es vielleicht nie erfahren. Und doch ließ Ballmer ungewöhnlich viel in seiner Abschiedsmail durchblicken, als er schrieb: "Meine ursprüngliche Idee für den Zeitpunkt meines Rückzug lag in der Mitte unseres Umbaus zu einem Geräte- und Dienstleistungskonzern".

Was Ballmer zum Umdenken bewegt, bedarf in der Zwischenzeit nicht mehr viel  Kreativität. Gates’ Rückendeckung war dahin. Windows 8 schlug nicht ein wie geplant, die Mobilallianz mit Nokia wartet weiter auf ihren Durchbruch, im Internet verliert Microsoft weiter dreistellige Millionensummen, während Hoffnungsträger wie das Premium-Tablet Surface hart floppten. Ballmers Bilanz fiel am Ende zu dünn aus.

Ballmer wird im Umbruch überflüssig

Entsprechend soll der Mann, der Ballmer 1980 zu Microsoft holte, ihn 33 Jahre später seinem Schicksal überlassen haben – das ist die Version der meist trefflich informierten Wall Street Journal Reporterin Kara Swisher, die im Blogableger AllThingD klarstellt: "Ballmers Abgang war plötzlicher als dargestellt".

Unter Verweis auf Quellen im Unternehmen erklärt Swisher, Gates habe einem Abgang Ballmers – anders als in der Vergangenheit – nicht mehr widersprochen. Was dann offenbar in der Führungsetage in Redmond passierte, kennt man aus den Gepflogenheiten der Politik und des Sports: Wenn ein Abwärtstrend an Eigendynamik gewinnt, kann es schnell gehen.

Mitte Juli noch verkündete Ballmer Microsofts großen Umbruch. Dem fällt er gerade mal sechs Wochen später nun selbst zum Opfer – und das auf eine wenig glanzvolle, vielleicht sogar etwas undankbare Art und Weise.  "Wir sind in der glücklichen Lage, dass Steve weiter seine Aufgaben wahrnimmt, bis ein neuer CEO gefunden ist", waren die einzigen, bestenfalls lauwarmen Worte, die Gates für seinen Weggefährten nach 33 Jahren über hatte. Es gibt beileibe herzlichere Abschiede.

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