Der wacklige Burgfrieden beim Spiegel

Es sieht zumindest nach einem vorübergehenden Burgfrieden aus beim Spiegel. Ein Kompromiss, den umstrittenen Bild-Mann Nikolaus Blome nicht zum Vize-Chef zu machen, sondern nur zum Mitglied der Chefredaktion, ist zwar eine unbefriedigende Lösung der Krise der vergangenen Tage, aber offenbar ein zunächst gangbarer Weg. Unklar ist, von wem der Kompromissvorschlag stammt. Klar ist dagegen, dass die KG nun mit Blome einverstanden ist. Nicht zur Freude aller Beteiligten.

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Am Mittwochnachmittag hatten die Geschäftsführer der Mitarbeiter KG des Spiegel die stillen Gesellschafter zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Dort hieß es dann, dass die reduzierte Rolle für Blome – kein Vize-Chef, kein Blattmacher, keine Weisungsbefugnis – auf die Zustimmung der KG-Spitze trifft. Am Montag hatten indes die Ressortleiter des Nachrichtenmagazins gegen die Ernennung von Blome Einspruch eingelegt. Formal haben sie kein Vetorecht, trotzdem wiegt diese Ablehnung schwer. Ob sie den Kompromiss mittragen, ist unklar. Um die fragile Struktur im Verlag nicht vollends zu zerbröseln, wird es vermutlich keinen Aufstand geben – auch wenn nicht alle Ressortleiter mit der nun gefundenen Lösung einverstanden sein werden.

Im Nachgang zur Info-Veranstaltung wurden auch Stimmen gegen die Entscheidung der KG-Spitze laut. Es wurde auch der Rücktritt der KG-Spitze gefordert. Für Ärger in der Redaktion sorgt, dass die KG-Führung offenbar schon Ende Juni in die Personalie Blome eingeweiht war – und diesen nicht abgelehnt hatte. Der Vorschlag, Blome "nur" zum Mitglied der Chefredaktion zu machen, soll sogar von der KG-Spitze selber gekommen sein. Nun, so berichten es Teilnehmer der Versammlung, hätten zumindest einige der KG-Geschäftsführer ein Glaubwürdigkeitsproblem. 

Offenkundig waren am Mittwoch alle Beteiligten – Chefredakteur Büchner (tritt am 1. September an), Geschäftsführer Ove Saffe und die KG-Chefs – der Meinung, dass eine Eskalation die Lage des Unternehmens nicht gerade verbessern würde. Zumal der Kompromiss auch die Jobs der handelnden Personen sichert. KG-Sprecher Thomas Hass wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch er wird wissen, dass die Ereignisse der vergangenen Tage alle Beteiligten beschädigt haben. Irreparabel, sagen manche, die das Haus gut kennen.  

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