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TV-Zuschauer surfen nebenbei nur wenig

Lange galt Second Screen als das Trendthema in der Fernsehbranche, als Bindeglied zwischen dem traditionellen TV-Machen und den Möglichkeiten sozialer Netzwerke. Eine Studie von TNS Infratest kommt nun zu dem Schluss: Die Nutzung von internetfähigen Geräten neben dem linearen Fernsehen ist keineswegs populär. Die Parallelnutzung bleibt seit 2010 auf geringem Niveau konstant: Lediglich zwölf Minuten, weniger als zehn Prozent der TV-Nutzungszeit, surften die Befragten nebenbei im Netz.

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In diesen zwölf Minuten werden laut den Ergebnissen der Studie auch keine Hybrid-Apps genutzt, die das TV-Erlebnis auf mobile Endgeräte oder Notebooks verlängern. Tatsächlich kommunizieren in dieser Zeit 68 Prozent der Parallelnutzer via E-Mail oder Chat. 21 Prozent tauschen sich laut TNS Infratest in den sozialen Netzwerken über das TV-Programm aus. 28 Prozent der Befragten nutzen das Web dazu, sich intensiver mit dem, was gerade im Fernsehen gesendet wird, zu beschäftigen. 26 Prozent suchen nach Produkten, die sie im Fernsehen gezeigt bekommen. 
Kurios: Trotz der hohen “Sofa-Tauglichkeit” liegen Tablets bei der Parallelnutzung nicht auf Platz eins. Am häufigsten wird mit 58 Prozent das Notebook als Second Screen eingesetzt. 38 Prozent gaben an, Handy oder Smartphone parallel zum Fernsehen zu nutzen, 17 Prozent einen Desktop und 14 Prozent das Tablet. "Die Parallelnutzung entwickelt sich weit weniger dynamisch, als es die gegenwärtige Diskussion um die Nutzung von First und Second Screen vermuten lässt", erklärt Andrea Geißlitz, Associate Director bei TNS Infratest.
Für die TV-Branche, die stetig nach neuen Wegen der Reichweitensteigerung sucht, ist Second Screen ein großes Thema – für das Publikum aber lange nicht. Bei den Jüngeren im Alter zwischen 14 und 29 Jahren ist der Anteil der Parallelnutzer erwartungsgemäß höher. Aber auch in dieser Altersgruppe ist der Wert von 44 Prozent, die angeben, neben dem Fernsehen gelegentlich im Internet zu surfen, über die letzten vier Jahre konstant geblieben.
Jüngere verbringen mehr Zeit als andere Altersgruppen im Netz. Bei insgesamt 139 Minuten privater Nutzung am Tag fällt auch die Dauer der Parallelnutzung mit 21 Minuten länger aus. Jüngere nehmen auch ergänzende Web-Angebote der TV-Sender stärker wahr: So nutzen 32 Prozent in dieser Altersgruppe Mediatheken, und 19 Prozent schauen zumindest einmal pro Monat den Livestream von TV-Sendungen an. Viel ist das nicht.
Die Erkenntnis laut TNS Infratest: Die private Internetnutzung ist seit 2008 von 50 auf 80 Minuten gestiegen, die Fernsehdauer mit 160 Minuten auf konstant hohem Niveau. Das Web kannibalisiert also nicht die TV-Nutzung, sondern ergänzt sie. "Längere Internetnutzung beeinflusst die TV-Nutzungsdauer nicht, vielmehr koexistieren Fernsehen und Internet friedlich nebeneinander", so Geißlitz. "Das Internet stellt dabei nicht nur einen zusätzlichen Verbreitungsweg für TV-Inhalte dar, sondern die Websites der TV-Sender und die sozialen Netzwerke animieren zum Ansehen von TV-Sendungen. Laut unseren Ergebnissen sagen dies 16 Prozent der 14- bis 64-Jährigen." Allerdings sind die Synergieeffekte noch verschwindend gering.
So muss die TV-Branche weitersuchen nach der Erfolgsformel, die beide Welten miteinander verbindet. Eventuell braucht es die Parallelnutzung überhaupt nicht. Netflix feiert derzeit mit "House of Cards" Erfolge und ist für neun Emmys als erste Online-Serie nominiert. Der 13-teiilige Politthriller lief nicht im TV, sondern war zum Start mit allen Episoden im Web und auf diversen Endgeräten verfügbar. Hauptdarsteller Kevin Spacey ermahnte die TV-Macher während des internationalen Fernsehfestivals in Edinburgh, mehr Wagnisse bei der Auswahl des Stoffs zu geben. Vor allem solle man das Publikum entscheiden lassen, wie es wann und wo Inhalte konsumiere.

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