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Task Force Berlin: Politik zum Wegkichern

ProSieben hat Gefallen an politischen Formaten gefunden. Am Montagabend ging der Sender mit der 4-teiligen Serie "Task Force Berlin" an den Start. Hier agieren Prominente rund um Sänger Gentleman als Sprachrohr zwischen Politikern und Jugendlichen, entlocken Jürgen Trittin oder Peer Steinbrück Pläne, wie diese auf die Jugend eingehen wollen. So zumindest die Idee. Das Problem: Die Jugendlichen kommen kaum zu Wort - und wenn doch, wünschte man, sie würden es sein lassen.

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Das Konzept klingt eigentlich vielversprechend: Der Musiker Gentleman, die Choreografin Nikeata Thompson, die Schauspielerin Sophia Thomalla und Topmodel-Finalistin Rebecca Mir treffen Berliner Jugendliche und leiten ihre Wünsche an Politiker wie Piratin Anke Domscheit-Berg, Daniel Bahr von der FDP oder Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) weiter. Leider bekommt der Zuschauer von den Wünschen der Jugendlichen nur wenig mit. Einerseits werden von den Gesprächen nur Bruchteile gezeigt und andererseits ist man von den immer wieder eingeblendeten Rap-Szenen verschiedener Kids so peinlich berührt, dass man sich kaum noch auf den Verlauf der Sendung konzentrieren kann. Einen kleinen Vorgeschmack, möchten wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten:

"Politiker verstehen es nicht, doch sie halten ihre Predigt. Ändern die Gesetze und denken es ist erledigt. Sie fahren durch die Straßen geschützt hinter Panzerglas. Die Augen verschlossen, denn sie blicken nur in Kameras. Wir gehen nicht wählen, weil es ja doch keinen Sinn hat. Sie haben uns nichts zu bieten, ihre Reden haben keinen Inhalt. Wir führen selbst Politik, wir brauchen keinen Kanzler. Kennen uns bestens aus mit der Welt der Propaganda." (Rapper "Akte One")

Yeah. ProSieben ist eben cool. Sogar wenn es um Arbeitslosigkeit, Bildungssystem und Integration geht. Aber nicht nur die Pseudo-Rapper sind Nichtwähler, sondern offenbar jeder Jugendliche in Berlin. Das ist zumindest der Eindruck, den "Task Force Berlin" vermittelt. Würden die Prominenten sich aber für ihre Wünsche einsetzen ("Wenn ich Kanzler wäre, würde ich allen Jugendlichen ermöglichen sich Markenklamotten zu kaufen – wegen dem Druck") – ja, dann würden sie auch alle wählen gehen. Natürlich.

Aber nicht nur die Jugendlichen leisten ihren Beitrag zur hohen Fremdschämfrequenz. Schon als Nikeata Thompson, die bereits bei "Got to Dance" zum Abschalten motivierte, mit FDP-Politiker Daniel Bahr sprach, wurde relativ schnell klar, was man von dieser Sendung zu halten hat. Von der FDP habe Nikeata nämlich "ehrlich gesagt" noch nichts gehört. Vielleicht wirbt die Partei nicht genug für sich, vermutet die ProSieben-Botschafterin kritisch. Getoppt wird das nur von Rebecca Mir, die im Gespräch mit Anke Domscheit-Berg (Piratenpartei) aus dem Kichern nicht mehr rauskommt, als sie über die Legalisierung von Cannabis spricht. Kiffen. Hihihi.

Einziges Highlight bleibt daher das Gespräch zwischen Sophia Thomalla und dem Grünen-Politiker Jürgen Trittin über die Generation Praktikum und Jugendarbeitslosigkeit. Thomalla bekundet als einzige ernsthaftes Interesse an ihrem Gesprächspartner und schafft es so dem Zuschauer einen guten Einblick in das Wahlprogramm der Grünen zu verschaffen. Ganz ohne Gekicher und Gepose.

Ja, Politik ist gerade ProSiebens Steckenpferd, aber das reitet ein wenig orientierungslos durch die Prärie. Gut gemeint, aber leider nicht gut geworden. 

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