Fach-Volos: Das fordern und bieten Verlage

Im letzten Teil der Volo-Serie gibt MEEDIA einen Einblick in die Volontärsausbildung von Fachverlagen. Wer bereits vor dem Volo weiß, in welchem Fachgebiet er später arbeiten möchte, sollte die Ausbildung in einem entsprechenden Verlag in Betracht beziehen. Das kann sich auch finanziell lohnen; die Gehälter in Fachverlagen können sich durchaus sehen lassen. Noch ein Plus: Auch Nicht-Studierte erhalten die Chance auf einen begehrten Volo-Platz.

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Im Land- wirtschaftsverlag Münster erscheinen Publikationen wie Landlust oder die Reiter Revue International, aber auch Argrarfachmagazine wie top agrar.
Ausbildung: Die journalistische Ausbildung beim Landwirtschaftsverlag ist in vier Module gegliedert. Angehende Journalisten bekommen das Handwerk im praktischen Einsatz in den Redaktionen gelehrt, besuchen aber ebenso Workshops einer hausinternen Journalistenschule sowie externe Schulungen mit Bildungspartnern. Das vierte Modul besteht aus einer Workshopreihe, die den Volontärinnen und Volontären den Blick „über den Tellerrand“ ins nichtredaktionelle Verlagsgeschäft verschaffen soll.
Stellen: Der Verlag schreibt Stellen für Volontäre nach Bedarf aus, weshalb die Anzahl der freien Stellen sowie Startzeitpunkte und Bewerbungsfristen ebenfalls variieren. Die Personalabteilung empfiehlt deshalb regelmäßig auf Stellenausschreibungen zu achten und sich schnellstmöglich zu bewerben.
Voraussetzungen: Anders als bei Verlagen, die hauptsächlich Publikumstitel herausbringen, achtet der Landwirtschaftsverlag weniger auf die schulische Bildung, als auf Talent und Können. Auch wer sich gegen ein Studium entschieden hat, bekommt Chancen auf ein Volontariat. Ein Abitur oder die Fachhochschulreife sollte allerdings absolviert sein. Wesentlichen Wert legen die Münsteraner auf das Interesse am Journalismus und das „Leben“ der Themengebiete, in denen die Bewerber sich später sehen. Besonderes Interesse können jene Bewerber erregen, die durch fachliche Perspektive, Neugier, Offenheit, „Unbestechlichkeit“ und eine offene Grundhaltung glänzen. Wer zeigt, dass er ebenso auf Qualität und Teamfähigkeit achtet, erhöht seine Chancen umso mehr.
Versprechen: Der Verlag garantiert mit seinem Vier-Modul-Modell eine umfangreiche journalistische Ausbildung.
Verdienst und Zukunft: Die Volontärinnen und Volontäre werden über zwei Jahre zwischen 1500 Euro und 1800 Euro brutto im Monat verdienen. Nach eigenen Angaben liegt die Übernahmequote nach erfolgreichem Abschluss des Volontariats bei 100 Prozent.
Das legt der Landwirtschaftsverlag Münster seinen Bewerbern ans Herz:
"Authentizität und Qualität sind entscheidend – in allen Bereichen."

Die Heise Medien publizieren vor allem Fachtitel aus dem Breich der IT-Technologie.
Ausbildung: Die Ausbildung der Volontärinnen und Volontäre bei Heise Medien findet grundsätzlich redaktionsintern statt. Zusätzlich schickt der Verlag seine Auszubildenden unter anderem zu Kursen an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Je nach Neigung sollen die Volontäre zusätzlich spezialisierte Trainings erhalten. Im redaktionellen Volontariat erlernen die angehenden Journalisten das tägliche Handwerk innerhalb eines Ressorts, egal ob Print oder Online. Sobald die Redakteure in spe einen routinierten Arbeitsablauf verinnerlicht haben, achtet der Verlag besonders darauf, dass seine Volontäre innerhalb ihrer Ausbildung „möglichst jede Textgattung mindestens einmal“ abgeliefert haben. Dazu gehören bei Heise Medien neben Nachrichten auch der Magazinreport, Interviews, Berichte von Messen und Kongressen, Vergleichstests, Radio- und Fernseh-Interviews, Verbrauchergeschichten oder Buchkritiken. In internen Volontärssitzungen, die alle zwei Wochen veranstaltet werden, lernen die Volontäre auch Querschnittsthemen wie beispielsweise Job-Ethik, die Wahrung der Unabhängigkeit oder die Struktur der Branche.
Stellen: Wie auch andere Fachverlage findet die Volontärsausbildung nicht regelmäßig statt, sondern wird bedarfsgesteuert. „Die allermeisten Volontäre besetzen von Anfang an eine Stelle in einem Ressort, die vakant ist oder bald vakant wird“, so der Verlag. Derzeit beschäftige man 15 Journalisten im Volontariat. Die Gesamtzahl der Redakteurinnen und Redakteure beläuft sich auf 100. Auf Grund der variierenden Zeitpunkte der Stellenausschreibungen empfiehlt Heise Medien die Initiativbewerbung.
Voraussetzungen: Wie auch andere Fachverlage erwartet der Verlag von seinen Bewerbern weniger schulische als praktische Qualifikationen. Auch angehende Journalisten ohne schulischen Abschluss können ihr Glück versuchen. „Arbeitsproben sind wichtiger als ein detaillierter Lebenslauf. Das darf auch gern ein mit Herz und Hirn gefülltes Blog sein“, so der Verlag. Des Weiteren ist es wichtig bereits zum Zeitpunkt der Bewerbung zu wissen, welches Fachgebiet einen besonders interessiert. Es empfiehlt sich daher, sich bereits im Vorfeld damit intensiv auseinandergesetzt zu haben. „Je nach Objekt (Computermagazin, Foto-Heft oder Hacks-Magazin) variiert die erwartete Tiefe der Fachkenntnisse. Neugierde, Akribie und eine gehörige Portion Lernwille sind nötig, da sich die Fachgebiete und –themen über die Zeit sehr stark verändern. Ein Bewerber erregt die Neugier der Verlagsmitarbeiter dann besonders, wenn er Hobbys oder Leidenschaften nachweisen kann, die auf einen kreativen Umgang mit Technik schließen lassen. „Wenn wir nach dem Vorstellungsgespräch denken: Hey, das wäre doch eigentlich auch  mal ein spannendes Thema für einen Artikel. Dann hat der Bewerber oder die Bewerberin eigentlich schon gewonnen.“
Versprechen: Der Heise Verlag wirbt damit, dass Volontäre von Beginn ihrer Ausbildung an auf Augenhöhe mit den Redakteurinnen und Redakteuren arbeiten. Gleichzeitig erwartet der Verlag, dass angehende Journalisten gewillt sind Eigeninitiative zu erbringen, um das Heft mitgestalten zu können. 
Verdienst und Zukunft: Wer bei Heise lernt, wird dafür ansprechend vergütet. Im ersten Jahr zahlt der Verlag 2180 Euro brutto pro Monat. Im zweiten Ausbildungsjahr stehe eine Gehaltserhöhung auf 2415 Euro brutto an. Hinzu kommen Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie eine Urheberrechtspauschale. Gemäß Tarifvertrag bekommen Volontäre unter 22 Jahre monatlich rund 350 Euro weniger. Da die Stellen für ein Volontariat nach Bedarf ausgeschrieben werden, stehen auch die Möglichkeiten auf die Übernahme gut. 80 bis 90 Prozent sollen bisher nach Abschluss des Volos übernommen worden sein.
Das legt Heise Medien seinen Bewerbern ans Herz:  „Es ist wichtig zu wissen, was man schon kann. Noch wichtiger ist es, dass man weiß, was man (noch) nicht kann.“

Der Verlag Rommerskirchen publiziert das vom Deutschen Journalisten verlegte Fachmagazin Journalist sowie das Pendant PR Magazin.
Ausbildung: Angehende Journalistinnen und Journalisten lernen zwei Jahre lang in den Redaktionen und werden in externen Kursen weitergebildet. Für eine umfangreiche Ausbildung besteht ebenso die Möglichkeit, auch andere Redaktionen besuchen zu können. 
Stellen: Auch beim Journalist oder dem PR Magazin erfolgen Stellenausschreibungen nach Bedarf. Im Durchschnitt wird im kleinen Rommerskirchen Verlag eine Stelle im Jahr ausgeschrieben – ein regelmäßiger Blick auf die aktuellen Stellenausschreibungen lohnt sich.
Voraussetzungen: Wie auch bei den anderen Fachverlage, spielt die schulische Ausbildung eines Bewerbers eine Nebenrolle. Trotzdem werfen die Redaktionen einen kritischen Blick auf den Lebenslauf. Wie umfangreich dieser ist, hänge auch davon ab, was der Bewerber "erlebt habe", erklärt Verlagsgeschäftsführerin Katharina Skibowski. "Vierwöchige Ferien als Auslandsaufenthalte zu erwähnen, ist allerdings überflüssig." Wer im Verlag Rommerskirchen volontieren will, sollte neben ersten journalistischen "Gehversuchen" vor allem Interesse an der Medienbranche mitbringen. Ein Bewerber zeichnet sich dann besonders aus, wenn sein Lebenslauf "nicht wie der aller anderen ist", erklärt Skibowksi. Gerne darf die Vita auch mal einen "Bruch" enthalten. 
Versprechen: Als Verlag mit Gewerkschaftspublikationen verspricht das Medienhaus eine tarifgebundene Bezahlung seiner Mitarbeiter. Ebenso besteht in einem kleinen Arbeitsumfeld die Möglichkeit, schnell Verantwortung übernehmen zu können. 
Verdienst und Zukunft: Der Verlag Rommerskirchen bezahlt seine Mitarbeiter nach Tarif für Redakteurinnen und Redakteure an Zeitschriften. Das bedeutet monatlich 1411 Euro brutto im ersten Ausbildungsjahr (vor vollendetem 22. Lebensjahr) und 1644 Euro brutto im Monat für das zweite Ausbildungsjahr. Volontäre, die das 22. Lebensjahr bereits vollendet haben, erhalten 1796 Euro brutto im ersten und 2031 Euro brutto im zweiten Ausbildungsjahr. Wie viele Volontäre in der Vergangenheit direkt übernommen wurden, lässt sich nach Verlagsangaben nicht pauschalisieren.
Das legt der Verlag Rommerskirchen seinen Bewerbern ans Herz: "Der Arbeitgeber bereitet sich auf ein Vorstellungsgespräch in der Regel vor, dies sollte auch der Bewerber machen und zumindest die Medien des Verlagshauses kennen und die aktuellen Ausgaben gelesen haben, wenn er zum Gespräch kommt. Und: Kurze Cargo-Hosen sind definitiv keine passende Kleidung für ein Bewerbungsgespräch."

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