DJV: „Eingriffsversuch in die Pressefreiheit“

Die Äußerungen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer über die Arbeit der “Monitor”-Redakteure kommen erwartungsgemäß nicht gut an bei der Presse. Der CSU-Politiker hatte laut der Würzburger Main-Post am Rande einer Veranstaltung gesagt: "Die müssen raus aus Bayern". Jetzt reagiert der zuständige WDR. "Mag sein, dass unsere Fragen für hohe politische Amtsträger manchmal unbequem sind”, erklärt Chefredakteur Jörg Schönenborn. “Aber wir stellen sie, auch in Bayern. Auch dort gilt die Rundfunkfreiheit."

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Schönenborn beobachtet mit Sorge, “wie oft uns bei unbequemen Themen aus allen politischen Parteien Interviewtermine trotz mehrfacher Anfragen immer wieder verweigert werden.” Das sei leider nicht nur ein bayerisches Problem.
Laut dem WDR hätte das “Monitor”-Team um Redakteur Stephan Stuchlik trotz mehrfacher Anfragen bei der bayerischen Landtagspräsidentin Barbara Stamm Absagen für ein Statement zur Verwandten-Affäre bekommen. Daraufhin habe man auf einer CSU-Wahlkampfveranstaltung in Würzburg am vergangenen Freitag versucht, die Politikerin zu einer Aussage zu bewegen. Vor der Kamera habe Stamm dann aber ein Interview verweigert. Zur Begründung hieß es, Stamm wolle nicht "in einem falschen Zusammenhang zitiert werden". Als Ministerpräsident Seehofer von dem journalistischen Annäherungsversuch erfahren habe, berichtete die Main-Post am Wochenende, habe er folgendes gesagt: "Das geht so nicht, da werde ich mich sofort drum kümmern. Die müssen raus aus Bayern."
Der DJV sieht einen “angekündigten Eingriffsversuch in die Pressefreiheit”. Bundesvorsitzender Michael Konken sagte: "Mit diesen Äußerungen fällt Horst Seehofer erneut als jemand auf, der die Pressefreiheit mißachtet. Er sollte begreifen, dass diese ein hohes Gut ist und Politiker sich im Dienste der Demokratie auch unbequemen Fragen stellen müssen.“ Die Journalistinnen und Journalisten von Monitor seien bekannt dafür, dass sie sorgfältig und hartnäckig vorgehen und es sich zum Ziel gesetzt haben, Missstände aufzudecken – zum Wohle der gesamten Gesellschaft. "Das ist guter Journalismus, die Kritik daran entlarvt sich selbst.“
Schuchlik selbst hält sich bedeckt. Der Grimme-prämierte Journalist und ehemaliger Moskau-Korrespondent der ARD erklärte lediglich, seine Fragen "korrekt und höflich gestellt" zu haben und wundert sich, dass man ihn als "gebürtigen Bayer aus seinem Heimatland werfen will".

Für Seehofer sind seine Äußerungen gleich doppelt prekär. Nichr nur beleidigte er einen renommierten Journalisten. Seine Verhältnis zu Journalisten ist schon seit längerer Zeit angespannt. Während er im Rahmen der NRW-Wahl 2012 vor laufenden Kameras über Norbert Röttgen lästerte und später mitteilte “Sie können alles senden”, gingen ihm die Fragen der Presse zur Causa “Hoeneß” vor wenigen Wochen zu weit. So weit, dass er die Journalisten kurzerhand als “Bluthunde” bezeichnet hatte.
Auch dieses Mal will Seehofer nicht klein beigeben. Über seinen Sprecher ließ der Ministerpräsident mitteilen: "Es ging nicht um Inhalte, sondern um die Einhaltung der Anstandsregeln." Man werde den Intendanten des WDR um Stellungnahme bitten. Die bekam er jetzt von Sonia Mikich, Inlands-Chefin des WDR: "Unser Team hat sich korrekt verhalten. Es ist unser Job, direkt und wenn notwendig auch mehrmals nachzufragen. Gerne antworte ich deshalb Horst Seehofer – als Inlandschefin und ehemalige ‚Monitor‘-Chefin: Reporter fragen, Politiker antworten. Oder lenken eben ab. So ist es im investigativen Journalismus. Und falls der freundliche Passauer Stephan Stuchlik nicht mehr über die bayrische Landesgrenze kommen darf, bekommt er gewiss politisches Asyl im liberalen NRW."

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