Zweifel an Middelhoffs Milliarden-Investment

Ist das geplante Medienimperium nur ein Luftschloss? Im Juli war bekanntgeworden, dass der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff ein Unternehmen mit dem chinesischen Investor Bruno Wu gründet. Die Beteiligungen an BT Capital lägen bei ein bis zwei Milliarden Dollar. Der Spiegel zweifelt an den Plänen Middelhoffs. Dessen Pläne in Fernost seien mehr “Schein als Sein”. Der angebliche Medienkonzern sei bis dato noch nicht einmal in ein Handelsregister in Shanghai eingetragen.

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Über eine Internetseite verfüge der vermeintlich milliardenschwere Medienkonzern ebenso wenig. Stutzig macht den Spiegel auch, wie Middelhoff angeblich die Milliarden-Beteiligung an BT Capital erworben haben soll. So hat der 60-Jährige nach eigenen Angaben für einen Anteil von angeblich 20 Prozent seine Beteiligungen an dem E-Learning-Anbieter ePals und an dem Hedgefonds-Vermittler Pulse eingebracht. Doch ePals, das ergaben die Recherchen des Spiegel, arbeite hochdefizitär. Und auch Pulse sei an der New Yorker Börse nur eine kleine Nummer mit einem Handelsvolumen von maximal 100 Millionen Euro. Wie sich mit Beteiligungen an diesen Firmen ein 20-Prozent-Anteil an einem angeblich milliardenschweren Medienkonzern erwerben lässt, dazu wollten sich bislang weder Middelhoff noch Wu äußern.
BT Capital soll sich Berichten zufolge auf China als Wachstumsmotor konzentrieren. Welche Beteiligungen zu BT Capital gehören, ist unklar. Wu, der angeblich deutlich mehr Werte in die neue Firma bringt als sein deutscher Partner, investierte zuvor in Verlage, Online-Sites wie Sina.com und zuletzt in die Filmindustrie. Eine von Wus Unternehmungen, die Seven Stars Media Group, finanziert und co-produziert US-Actionfilme, wie den China-Reißer "Rise of the Terracotta Warriors".
Middelhoff hatte Anfang August noch im Handelsblatt von großen Plänen im Film-Geschäft geschwärmt. "Unser Medien-Fonds hat Zugriff auf bis zu zwei Milliarden Dollar etwa für Koproduktionen wie die Filme ‘Grace of Monaco’ und ‘The Immigrant’”, so der Ex-Arcandor-Manager. “2020 wird der Kinomarkt Chinas den der USA überholen. Und der Bedarf nach heimischen Stoffen ist groß. Das kann ‘Bollywood’ in Indien übertreffen“. Zudem hätte man bereits ein 50-Prozent-Venture mit den Pinewood Studios in London geschlossen.
Middelhoffs Rolle dürfte vor allem darin liegen, Unternehmen in den USA und Europa zu akquirieren, die eine China-Strategie bräuchten. Denn der Ansatz von BT Capital soll sein, bestehende und künftige Beteiligungen auf eine Expansion in China zu trimmen.
Middelhoff und Wu wollten laut FT bereits vor zehn Jahren einen Deal machen, als Middelhoff noch Bertelsmann führte. Nun holen sie ihren Plan nach. Middelhoff betonte in der FT, er werde künftig nicht mehr im Auftrag anderer Eigentümer arbeiten: "Nun geht es um unsere Werte, unser Vermögen, und was wir daraus machen." 

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